Wie Sie Speckkäferlarven in den Griff bekommen

Es ist keine schöne Überraschung, Speckkäferlarven im Vorratsschrank, unter der Matratze oder zwischen Kleidungsstücken zu finden. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt, damit sich die Käfer nicht ungehindert ausbreiten. Neben mechanischen Maßnahmen helfen Hausmittel und Nützlinge gegen die Larven des Speckkäfers.

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Ein Speckkäferlarvenbefall ist eine ernste Angelegenheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Gründliches Staubsaugen ist die erste Maßnahme gegen Speckkäferlarven. Zwischenräume werden mit Silikon verschlossen. Wirksame Bekämpfungsmittel sind Niemöl, thermische Behandlungen und Nützlinge.
  • Speckkäferlarven fühlen sich in dunklen und warmen Verstecken wohl. Sie finden Nahrung in Vorratsschränken oder Vogelkäfigen.
  • Die langen Wehrhaare sind Verursacher von allergischen Hautreaktionen. Mit Kot verunreinigte Lebensmittel können ein Grund für Magen-Darmbeschwerden sein. Fraßschäden treten in Textilien auf.

So bekämpfen Sie Speckkäferlarven

Haben sich Speckkäfer einmal in der Wohnung angesiedelt, ist eine Bekämpfung schwierig und zeitaufwendig. Um den Befall vollständig einzudämmen, müssen neben einer gründlichen Sauberkeit zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Eine effektive Vorbeugung liefern bauliche Maßnahmen.

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Typische Verstecke von Speckkäferlarven und wie Sie Speckkäferlarven bekämpfen

Mechanische Bekämpfung

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Bei einem Befall sollten zunächst sämtliche Ecken und Ritzen gründlich ausgesaugt werden

Wenn Sie das Zentrum des Befalls identifizieren konnten, saugen Sie Käfer, Larven und Puppen mit dem Staubsauger auf. Nutzen Sie für unzugängliche Zwischenräume eine Polsterdüse. Es empfiehlt sich, Fußleisten abzubauen, um die lichtscheuen Larven zu erfassen.

Larven sind im Staubsaugerbeutel nicht gefangen. Eine Entsorgung über den Hausmüll. ist dringend angeraten.

Die Maßnahme muss über zwei bis drei Monate regelmäßig wiederholt werden, damit Sie möglichst viele Entwicklungsstadien erwischen. Es kann sein, dass sich trotz gründlicher Hygiene einige Larven in gut geschützte Verstecke zurückziehen und überleben konnten. Daher sind weitere Bekämpfungsmaßnahmen sinnvoll.

Silikon

Wenn sich die Schädlinge unter Parkettleisten und Fußbodendielen oder hinter Fußbodenleisten angesiedelt haben, sollten Sie sämtliche Zwischenräume mit Silikon ausspritzen. Gehen Sie besonders gründlich vor und achten Sie darauf, dass kein Spalt offen bleibt. Die Insekten finden nach dem Schlüpfen keinen Ausweg und verenden durch Nahrungsmangel.

Nützlinge

Schlupfwespen,(12,99€ bei Amazon*) Florfliegen, Marienkäfer oder Raubwanzen sind geeignete Schädlingsbekämpfer, welche die Larven der Speckkäfer parasitieren. Sie sind nicht gesundheitsschädlich und verrichten ihr Werk im Verborgenen. Im Fachhandel finden Sie Kärtchen, die mit Eiern der Nützlinge beklebt wurden. Diese müssen in die befallenen Schränke ausgelegt werden, sodass die Larven nach dem Schlüpfen auf Nahrungssuche gehen können.

  • Schlupfwespe Laelius pedatus parasitiert Speckkäfer der Gattungen Trogoderma und Anthrenus
  • Speckkäferwespchen hilft nicht gegen Arten der Gattungen Attagenus, Dermestes und Anthrenocerus
  • Raubwanze Xylocoris flavipes bekämpft Larven der Kaphrakäfer

Niemöl

Das Öl des indischen Niembaums wirkt als natürliches Insektizid und greift in den Entwicklungszyklus der Käferlarven ein. Kommen die Insekten mit dem Öl in Kontakt, stoppen sie ihre Fraßaktivität. Die Lebewesen leiden unter einer verminderten Vitalität und ausgewachsene Käfer pflanzen sich nicht mehr fort.

Rezept für ein Niempräparat:

  • Niemöl mit lauwarmem Wasser (1:7) mischen
  • befallene Textilien, leergeräumte Regale und Nischen besprühen
  • Objekte trocknen lassen
  • vorbeugende Wirkung hält bis zu sechs Monate an

Exkurs

Sind neurotoxische Insektizide auf pflanzlicher Basis gefährlich?

Häufig erden Pyrethroide wie Imiprothrin oder Cyphenothrin gegen Schädlinge wie die Speckkäferlarve eingesetzt. Pyrethrum ist dagegen ein natürlicher Pflanzenstoff, der aus Chrysanthemen gewonnen wird. Dieser Extrakt verfällt im Vergleich zu synthetisch hergestellten Pyrethroiden unter Lichteinfall. Um die Wirkung zu verstärken, werden chemische Stoffe wie Piperonylbutoxid (PBO) zugesetzt.

Handelsübliche Produkte gibt es als:

  • pulverförmige Kontaktinsektizide
  • Präparate zum Sprühen
  • getränkte Papierstreifen

Die Produkte geben ihre Wirkstoffe an die Raumluft ab und wirken auf das Nervensystem der Insekten. Doch auch Menschen atmen die Giftstoffe ein und können unter unerwünschten Nebenwirkungen leiden. Bei empfindlichen Personen oder durch falsche Anwendung verursacht hauptsächlich der Zusatzstoff PBO gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Hitze und Kälte

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Starke Hitze oder Kälte überleben die Larven nicht

Speckkäferlarven können durch extreme Temperaturen abgetötet werden. Sie sterben, wenn die Umgebungstemperatur über 50 Grad steigt oder unter -20 Grad sinkt. Hitzebehandlungen zeigen nach ein bis zwei Stunden Erfolge, während das Einfrieren für mindestens zwei Wochen erfolgen muss. Waschen Sie Textilien möglichst heiß oder geben Sie diese zur chemischen Reinigung. Empfindliche Kleidungsstücke werden in einen Beutel gepackt und im Tiefkühler eingefroren.

Entwicklungstemperaturen des Gemeinen Speckkäfers:

  • Toleranztemperatur: weniger als 0 °C sind für mehrere Wochen kein Problem
  • untere Entwicklungsgrenze: 15 °C, Entwicklung dauert etwa fünf Monate
  • Optimalbereich: 20 bis 25 °C, Entwicklung nach 1,5 Monaten abgeschlossen
  • obere Entwicklungsgrenze: 30 °C

Helfen Fallen?

Pheromonfallen sind eine gute Möglichkeit, um einen Speckkäferbefall festzustellen. Sie nutzen Sexuallockstoffe, die den Geruch von Weibchen imitieren, und ziehen männliche Käfer an. Nachdem diese in die Falle gekrabbelt sind, bleiben sie an Klebeflächen haften. Gegen Speckkäferlarven sind die Fallen wirkungslos. Sie eignen sich nicht zur alleinigen Bekämpfung der Schädlinge, da sich die Männchen bereits vor dem Aufsuchen der Weibchenattrappe fortgepflanzt haben können.

Wo sich Speckkäferlarven wohlfühlen

Speckkäfer stellen eine Käferfamilie dar, die in Europa mit etwa 140 verschiedenen Arten vertreten ist. Sie besiedeln verschiedene Lebensräume, kommen weltweit vor und leben überwiegend in der Bodenstreu. Einige Arten erweisen sich als Blütenbesucher, während andere Speckkäfer als Aasfresser auftreten. Als Kulturfolger kommen Gemeiner Speckkäfer, Teppichkäfer oder Gemeiner Pelzkäfer in Frage.

Speckkäfergattungen und ihr Vorkommen:

  • Anthrenus: bevorzugt in der Nähe von Schuttplätzen und Straßen
  • Thaumaglossa: ausschließlich auf Gelegen von Fangschrecken
  • Trogoderma: gilt als Plage im Getreideanbau

Kulturfolger konnten sich durch menschliche Verschleppung weltweit verbreiten. Sie leben und verbreiten sich innerhalb von Gebäuden und können überall in der Wohnung auftreten. Speckkäfer finden Nahrung im Kleiderschrank, verbreiten sich im Bett oder nisten in Spalten hinter dem Schrank.

Tipps

Lagern Sie Lebensmittel unter 15 Grad, denn dadurch wird die Entwicklung der Larven stark gehemmt.

Woher kommen die Larven?

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Die Larven kommen oft über kontaminiertes Essen oder Tierfutter in die Wohnung

Während ausgewachsene Käfer auffallen, wenn sie sich auf der Suche nach einem Weg in die Natur auf dem Fensterbrett sammeln, leben Larven im Verborgenen. Die Käfer können durch geöffnete Fenster zufliegen, werden aber meist durch kontaminierte Lebensmittel oder Tierfutter eingeschleppt.

Da die Larven lichtscheu sind, verstecken sie sich in Nischen und Spalten. Für die Verpuppung ziehen sie sich tief in die Zwischenwände zurück, bohren sich in Holz oder nisten sich zwischen eingelagerten Textilien ein. Je nach Art gibt es unterschiedliche Faktoren, die eine Ansiedlung begünstigen:

 Lebensraumgünstige Lebensbedingungen bieten
Gemeiner PelzkäferVogelnester, MulmDoldenblütler, Obstbäume, Weißdornen und Schlehdorn
Australischer Teppichkäferin Europa ausschließlich in GebäudenWoll- und Lederprodukte
Braunwurz-Blütenkäfermorsche Rinde, Vogelnesterweißblühende Pflanzen, keratin- und chitinreiche Stoffe
Gemeiner PelzkäferVogelnester, Bienenstöcke, Mulmverschiedenste organische Stoffe

Sind Speckkäferlarven gefährlich?

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Von Speckkäferlarven verunreinigtes Essen kann zu Magen-Darm-Beschwerden führen

Speckkäfer treten als Material- und Hygieneschädlinge auf. Der Kot von ausgewachsenen Tieren und Larven verunreinigt Lebensmittel und kann beim Menschen allergische Reaktionen oder Beschwerden im Magen-Darmbereich auslösen.

Bisse oder Stiche verursachen die Insekten nicht. Allerdings besitzen einige Larven Wehrhaare, die bei Hautkontakt Reizungen hervorrufen können. Die Symptome ähneln Insektenstichen und treten auf, wenn Sie mit Larven befallene Kleidung anziehen.

Schadbild

Die Insekten können bei einem starken Befall großen Schaden anrichten. Nisten sich die Tiere in schlecht belüftete Verstecke ein, kommt es zur Bildung von Kondenswasser und Schimmel. Larven verursachen Fraßschäden an Lebensmittelvorräten, Tiernahrung und Textilien aus Leder, Wolle oder Pelz. Sie befallen weicheres Holz, denn sie bevorzugen für die Verpuppung feste Materialien. Auch Kork, Papierstapel, Styropor, Mörtel oder Pappe bieten geeignete Möglichkeiten zum Anlegen einer Puppenwiege.

Tipps

Vogelhalter sollten die Behausungen ihrer Lieblinge mindestens ein Mal pro Woche reinigen, denn Federn sind ein gefundenes Fressen für Speckkäfer.

Nutzen

Speckkäfer werden dazu eingesetzt, um Tierskelette zu präparieren. Dazu können nicht alle Arten, sondern nur fleisch- bzw. aasfressende Vertreter eingesetzt werden. Wegen des typischen Nahrungsspektrums von Textilien und trockenen Lebensmitteln sind Arten, die als Vorratsschädlinge auftreten, nicht für diesen Einsatz geeignet.

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Häufig gestellte Fragen

Wie vermehren sich Speckkäfer?

Der Gemeine Speckkäfer paart sich ab Temperaturen von 16 Grad. Ein Weibchen legt bis zu 150 Eier in ein geeignetes Substrat. Wie schnell sich die Larven entwickeln, hängt von den Umgebungstemperaturen ab. Während sich in der Natur nur eine Generation pro Jahr entwickelt, können sich die in Gebäude lebenden Nachkommen noch im gleichen Jahr fortpflanzen.

Gibt es fossile Belege von Speckkäfern?

Ein indirekter Nachweis von Fraßaktivitäten konnte an mehr als 150 Millionen Jahre alten Dinosaurierknochen festgestellt werden. Abdrücke der Mundwerkzeuge, ausgeschiedenes Knochenmaterial und Bohrgänge gaben Hinweise auf den Verursacher. Direkte Beweise, dass Speckkäfer schon zu dieser Zeit gelebt haben, lieferten in Bernstein eingeschlossene Fossilien.

Wie kann ich mich vor einem Befall schützen?

Legen Sie Wert auf eine gründliche Hygiene in Vorratsräumen und Schränken. Lebensmittel sollten in verschließbaren Behältern aufbewahrt werden, welche mit einem Gummi abgedichtet sind. Wischen Sie die Regale regelmäßig aus, um Mehlkrümel zu beseitigen. Vogelkäfige müssen wöchentlich gereinigt werden, denn Vogelfedern sind ein gefundenes Fressen für Speckkäferlarven. Sorgen Sie dafür, dass Fußbodenleisten und sonstige Zwischenräume mit Silikon abgedichtet werden.

Welche Speckkäfer leben in meiner Wohnung?

Die Familie der Speckkäfer umfasst mehr als 100 Arten. Als Material- und Hygieneschädling treten eine Handvoll Speckkäfer auf, die im ausgewachsenen Stadium leicht identifiziert werden können. Ihre Larven sind an den typischen Borsten und Wehrhaaren erkennbar, die den Körper stachelig aussehen lassen.

  • Gemeiner Speckkäfer: schwarz, in der Mitte schmutzig weiß bis beige und dunkel gefleckt
  • Teppichkäfer: schwarze Grundfarbe wegen bunter Schuppen nicht erkennbar, häufig rot und hell gefleckt
  • Gemeiner Pelzkäfer: schwarz gefärbt und dicht behaart

Text: Christine Riel
Artikelbilder: Erin Lale/Shutterstock, antoniodiaz/Shutterstock, ajlatan/Shutterstock, Tomasz Klejdysz/Shutterstock

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