Spatzen tierfreundlich vertreiben und Alternativen anbieten

Bei Ihnen am Haus oder am Balkon sind Spatzen eingezogen und Sie wollen die zwitschernden Tiere vertreiben? Vorsicht, dabei müssen Sie einiges beachten! Denn Spatzen stehen unter Schutz. Erfahren Sie im Folgenden, welche Gründe dafür sprechen, die fliegenden Gäste zu ertragen und wie Sie tierfreundlich dafür sorgen können, dass die Vögel sich einen anderen Nistplatz suchen.

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Wer ein Spatzennest am Haus hat, muss nicht gleich panisch reagieren

Kurz:

  • Spatzen und ihre Niststätten stehen unter Schutz und dürfen auf keinen Fall vertrieben werden, wenn sie sich erst einmal eingerichtet haben.
  • Der Spatzenbestand ist um über 50% gesunken. Spatzen sollte daher ein Nistplatz angeboten werden.
  • Maßnahmen dürfen nicht in der Brutzeit von März bis August ergriffen werden.
  • Vogelattrappen, Vogelstimmen, Spiralen oder CDs sind Methoden, Spatzen fernzuhalten, ohne ihnen Schaden zuzufügen.

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Die Zukunft der Spatzen

Vielleicht haben Sie es selbst schon bemerkt, aber der Haussperling, lateinisch Passer domesticus, wird immer seltener. Einst lebten Spatzen zu tausenden in deutschen Gärten; in den letzten Jahrzehnten hat sich der Bestand vielerorts mindestens halbiert. In Deutschland steht er daher auf der Vorwarnliste zur Roten Liste. Der Rückgang beschränkt sich nicht auf Deutschland; auf der ganzen Welt sinkt der Bestand an Haussperlingen. In Großbritannien ist er bereits auf der Roten Liste.
Die Gründe für den Rückgang sind schnell zusammengefasst:

  • hohe Baudichte
  • immer perfektere Dächer ohne lose Ziegeln (beliebter Nistplatz) und verputzte Fassaden ohne Nischen (ebenfalls beliebter Nistplatz)
  • Nahrungsknappheit durch Insektenrückgang
  • unnatürliches Umfeld mit immer weniger heimischen Pflanzen
  • Verfütterung von Müll an Jungvögel

Um auf den besorgniserregenden Rückgang der Spatzen aufmerksam zu machen, wurde 2010 der 20. März zum Weltspatzentag ernannt.

Vorsicht: Tierschutz!

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Spatzen und ihre Nester und Brut stehen unter Schutz


Spatzen stehen, wie alle anderen wild lebenden Tiere, unter Schutz. Das heißt, dass sie auf keinen Fall verletzt oder gar getötet werden dürfen. Aber nicht nur das: Auch ihre Nistplätze sind geschützt. Spatzen sind bruttreue Vögel und suchen jedes Jahr aufs Neue die gleichen Brutstätten auf. Diese zu zerstören ist strengstens untersagt! Ebenso verboten ist es, die Vögel während der Brutzeit zu vergrämen. Zuwiderhandlungen können saftige Bußgelder nach sich ziehen. Dementsprechend verboten ist es auch, Attrappen, Ultraschallgeräte oder andere Vertreibungsmethoden während der Brutzeit aufzustellen.

(1) Es ist verboten, 1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG) § 44 Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten)

Exkurs

Spatzen als Schädlingsvertilger

Wenn Sie einen Gemüsegarten Ihr eigen nennen, sollten Sie sich über die Präsenz von Spatzen am Haus freuen: Spatzen füttern ihren Nachwuchs gern mit Schädlingen wie Läuse, Fliegen, Mücken und Raupen, die reichhaltig an Proteinen sind. Sie können also von Glück reden, wenn sich ein Spatzenpaar bei Ihnen einnistet.

Wann und wie darf man Spatzen vertreiben?

Spatzen, die sich bereits häuslich bei Ihnen niedergelassen und mit dem Nestbau begonnen haben, dürfen Sie gar nicht mehr vertreiben. Wer eine Brutstätte von Spatzen zerstört, kann mit einer Strafe von bis zu 50,000 Euro rechnen. Die Bußgelder sind bundeslandabhängig. Spatzen dürfen Sie also nur außerhalb der Brutzeit vorbeugend davon abhalten, sich bei Ihnen einzunisten. Spatzen brüten mehrmals im Jahr in der Zeit vom März bis August. Daher ist es sinnvoll, die Maßnahmen im späten Winter vorbeugend zu ergreifen. Noch schöner wäre es natürlich, wenn Sie sich dazu durchringen könnten, Spatzen ein Zuhause zu geben.

Exkurs

Nistplätze „aufpeppen“

Die Spatzen nisten an der Fassade, beschädigen diese und machen Dreck? Dann gestalten Sie den Bereich doch einfach spatzenfreundlich und fassadenschützend um: Setzen Sie ein ausreichend großes Brett mit einem Vorschuss an die Wand. Das schützt die Fassade, bietet den Spatzen noch mehr Platz zum Nestbau und verhindert, dass deren Exkremente die Hauswand und den Boden darunter verschmutzen.

Spatzen fernhalten

Außerhalb der Brutzeit und bevor sich die Vögel bei Ihnen eingenistet haben, ist es legitim, Spatzen sanft davon zu überzeugen, dass hier kein guter Nistplatz ist.
Dafür gibt es verschiedene Methoden:

  • Vogelattrappen
  • CDs
  • Spiralen
  • Vogelstimmen

Vogelattrappe gegen Spatzen

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Rabenattrappen halten Spatzen, Tauben und andere Vögel fern


Ist der Platz von einem Feind belegt, suchen die kleinen Spatzen schnell das Weite. Allerdings sind sie aufgrund des Nistplatzmangels durchaus motiviert, genau hinzusehen und es unter Umständen auch mit kleineren Rivalen aufzunehmen. Daher sollte die Attrappe möglichst echt aussehen und einen Raubvogel darstellen. Erzfeind von Spatzen sind Raben. Rabenattrappen erzielen daher einen guten Effekt. Aber auch Falken, Eulen, Sperber und Elstern veranlassen Spatzen zur Flucht. Besonders gut funktionieren Attrappen, die sich im Wind bewegen, also aufgehängt werden oder aber bewegliche Einzelteile besitzen, die sich bei Luftzug bewegen. Sinnvoll ist außerdem die Attrappe alle paar Tage leicht zu versetzen, um einen Gewöhnungseffekt zu verhindern.

Tipps

Weitere Ideen für kreative und funktionale Vogelscheuchen für den Balkon finden Sie hier.

Mit CDs Spatzen vertreiben

Die spiegelnde Fläche der CDs schreckt die Spatzen ab. Hängen Sie die CDs genau an dem Ort auf, den die Spatzen meiden sollen und achten Sie darauf, dass sich die CDs frei bewegen und drehen können. Am besten geeignet ist ein windiger Standort, wo die CDs regelmäßig in Bewegung versetzt werden.

Tipps

Wenn Sie künstlerisch begabt sind, können Sie aus den CDs auch ein schönes Windspiel basteln: Malen Sie die Rohlinge bunt an und schon haben Sie ein Kunstwerk vor Ihrem Fenster oder auf dem Balkon hängen.

Spiralen gegen Spatzen

Spiralen zur Vogelabwehr sind meist aus Edelstahl und werden häufig für Dachrinnen verwendet. Spatzen sehen das Hindernis beim Anflug und drehen ab. Sollten die Vögel dennoch versuchen, zu landen, biegt sich der Draht, sodass der Vogel nicht verletzt wird. Die Bewegung schlägt ihn aber dennoch in die Flucht. Alternativ können Sie die Dachrinne schlicht mit einer Abdeckung schließen. Werden die Abwehrspiralen nicht richtig montiert, kann es zu Verletzungen der Tiere kommen. Achten Sie daher unbedingt auf eine richtige Montage oder greifen Sie zu anderen Abwehrmethoden.

Vogelstimmen

Wo schon jemand wohnt, ist kein Platz mehr für Spatzen. Besonders, wenn Raubvögel wie Bussarde, Raben oder Falken singen, suchen die Spatzen lieber das Weite. Allerdings sind Spatzen nicht dumm und – wie bereits erwähnt – verzweifelt in ihrer Wohnungssuche. Daher lassen sie sich mit dieser Maßnahme oft nicht dauerhaft fernhalten. Ratsam ist es daher, diese akustische Methode mit einer visuellen zu verbinden: Wenn die Vögel ihre Feinde sehen und hören, sind sie eher davon zu überzeugen, dass hier kein guter Platz zum Brüten ist.

Nicht zu empfehlende Maßnahmen gegen Spatzen

Im Handel und online erhalten Sie eine Vielzahl von Gerätschaften und Ideen, wie Sie Spatzen vertreiben können. Darunter finden sich leider auch Maßnahmen, die Spatzen und anderen Tieren Schaden zufügen können. Hier ein Überblick über die Methoden, von denen Sie sich fernhalten sollten:

Methode Schaden Alternative
Spikes Können Spatzen und andere Vögel schwer verletzen Spiralen
Ultraschallgeräte Stört nicht nur Spatzen sondern auch andere Tiere wie Fledermäuse oder sogar Haustiere Vogelstimmen oder Windspiel
Vogelnetze Vögel können sich hierin verfangen und qualvoll verenden CDs oder sich bewegende Vogelattrappe

Exkurs

Spatzen Alternativplätze anbieten

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Spatzen brauchen Brutplätze – Helfen Sie ihnen!


Sie wollen die Spatzen gern in ihrer Wohnungssuche unterstützen, aber verhindern, dass sie an bestimmten Orten brüten? Kaufen Sie Nistkästen für die Spatzen und bringen Sie sie dort an, wo die Spatzen Sie nicht stören! Diese Niststellen sind bei Spatzen besonders beliebt:

  • Nischen und Spalte an Gebäuden
  • Dachpfannen
  • Höhlen, auch Baumhöhlen
  • Nistkästen mit großem Einflugloch
  • Seltener Bäume und Büsche

Wenn Sie dem Spatz also einen Alternativplatz anbieten wollen, hängen Sie an Bäume und Hauswände für Spatzen geeignete Nistkästen. Achten Sie auf die richtige Ausrichtung, sodass die Spatzen die Kästen auch annehmen.

Spatzen helfen statt vertreiben: Für Nahrungsangebot sorgen

Noch vor wenigen Jahren wurde von der Ganzjahresfütterung abgeraten, da die Vögel selbst genug zu fressen fanden und nicht vom Menschen abhängig gemacht werden sollten. Traurigerweise wird mittlerweile jedoch die Ganzjahresfütterung empfohlen. Das Nahrungsangebot der Natur ist nicht mehr ausreichend, um Spatzen und andere Vögel, vor allem auch während der Brutzeit zu ernähren. Sorgen Sie mit einem Futterhäuschen dafür, dass Spatzen und andere Vögel sich ganzjährig vollwertig ernähren können. Am liebsten fressen Spatzen:

  • Erdnüsse
  • Sonnenblumenkerne
  • Hafer-, Weizen- und Gerstenkörner
  • Samen von Gräsern und Kräutern
  • Walnüsse


Erwachsene Spatzen sind Vegetarier, wohingegen Spatzenbabies Fleischfresser sind.

Häufig gestellte Fragen

Was mögen Spatzen nicht?

Spatzen wollen ruhig und sicher brüten. Daher fühlen sie sich an Orten, wo sich viel bewegt oder Feinde wohnen, nicht wohl. Daher halten aufgehängte CDs, Windspiele oder bewegliche Vogelattrappen Spatzen fern.

Wie werde ich Spatzen unter Dachziegeln los?

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Spatzen nisten gern unter Dachziegeln


Wenn die Spatzen bereits unter Ihren Dachziegeln brüten, müssen Sie ausharren, bis der Nachwuchs geschlüpft ist. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie bis Ende August warten. Dann können Sie CDs oder Vogelattrappen aufhängen oder die Nische schlicht verschließen.

Welcher Vogel vertreibt Spatzen?

Raubvögel wie Bussarde, Falken, Eulen oder Krähen fressen Spatzen und sind somit Feinde der munteren Vögel. Um Spatzen fernzuhalten, können Sie eine Attrappe dieser Vogelarten wählen und zusätzlich Vogelstimmen dieser Vögel einspielen.

Text: Sara Müller
Artikelbilder: Werner Baumgarten/Shutterstock, ShutterBestStudio/Shutterstock, Florida Chuck/Shutterstock, Michael Schroeder/Shutterstock, Helen J Davies/Shutterstock

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