Riesenbambus: Pflanzen und pflegen

Riesenbambus ist im Pflanzenhandel neuerdings sehr populär geworden. Auch wenn es sich bei den angebotenen Pflanzen in aller Regel nicht um den echten Riesenbambus handelt. Trotzdem bieten die landläufig so bezeichneten Arten eine schöne Bandbreite an Gartengestaltungsmöglichkeiten.

riesenbambus
Der Phyllostachys wird bei uns oft als Riesenbambus bezeichnet

Herkunft

Um es vorweg zu sagen: In diesem Artikel beschäftigen wir uns nicht mit dem echten Riesenbambus, dem Dendrocalamus giganteus. Diese tatsächlich größte Art der Bambusgräser ist nämlich für den durchschnittlichen Hobbygärtner eigentlich irrelevant. Der Dendrocalamus giganteus wird nämlich in seinen tropischen, fernöstlichen Heimatgebieten an die 40 Meter hoch und bildet enorme Halme von bis zu 35 Zentimetern aus – er passt also sowohl aus klimatischen, als auch aus Platzgründen nicht in einen normalen deutschen Privatgarten. Hierzulande ist er allenfalls in Tropenhäusern Botanischer Gärten zu bewundern.

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Obwohl also im Folgenden nicht vom echten Riesenbambus die Rede ist, werden wir den Namen Riesenbambus verwenden.

Was in Gartencentern unter dem übergeneralisierten Begriff Riesenbambus angeboten wird, gehört in aller Regel der Gattung Phyllostachys an. Diese Arten sind auch unter dem Namen Flachrohrbambus bekannt, weil ihre Halme an einer Seite abgeflacht sind. Sie haben in der Gartenkultur ganz Mitteleuropas die größte Bedeutung. Denn die Phyllostachys-Arten erreichen ebenfalls ansehnlich große, aber noch handhabbare Höhen, die in Privatgärten für einen wirksamen Sichtschutz und gleichzeitig ein charaktervolles asiatisches Flair sorgen. Ganz besonders gut passen die Süßgräser mit ihrer klaren, graphischen Erscheinung in Vorgärten moderner, geometrisch geradlinig gestalteter Architekturen.

Wie die meisten Bambusarten stammt der Riesenbambus aus dem fernen Osten. Seine Verbreitungsgebiete erstrecken sich von Myanmar über China bis hinunter nach Thailand und Indonesien. Dort hat der Bambus im Allgemeinen eine sehr hohe kulturelle Bedeutung, da er seit Jahrtausenden von den Menschen als Baumaterial, als Rohstoff für Stoffgewebe oder kleinere Werkzeuge sowie auch als Nahrungsmittel genutzt worden ist. Gerade die größeren Arten bilden so starke Halme aus, dass sie die nötige Stabilität für die Errichtung von Dachstühlen, Fußböden oder Haltegerüsten mitbringen.

Gemäß der eher gemäßigten klimatischen Umstände seiner Verbreitungsgebiete kann der Riesenbambus in unseren Breite problemlos im Freiland kultiviert werden. Er bietet sich wegen seines hohen, dichten Wuchses insbesondere als Sichtschutz zu Nachbarn an. Außerdem zaubert er natürlich ein charaktervolles asiatisches Flair in den Garten. Durch seine

Herkunft im Überblick:

  • Riesenbambus stammt wie die meisten Bambus-Arten aus Ostasien
  • Ist dort eine sehr kulturprägende und vielfältig genutzte Pflanze
  • Im hiesigen Klima problemlos kultivierbar
  • Vor allem als Sichtschutz geeignet

Wachstum

Der Riesenbambus Phyllostachys gehört zu den größten Arten seiner Gattung. Bei uns kann er eine Höhe von bis zu 10 Metern erreichen, was für einen durchschnittlichen Garten schon enorm ist. Dennoch wird der echte Riesenbambus Dendrocalamus giganteus noch 4 mal so hoch!

Das Interessante bei dem Süßgras ist, dass die Halme innerhalb einer Jahressaison ihre endgültige Höhe erreichen und sich danach jahrelang nicht mehr verändern. Das geht natürlich nur, indem sie unglaublich schnell in die Höhe schießen. Sie können ihnen also im wahrsten Sinne des Wortes beim Wachsen zusehen!

In gleichmäßigen Abständen bilden die Halme Nodien, die für die typisch segmentierte Bambusstruktur und die für die große Höhe nötige Stabilität sorgen. Dazu trägt aber auch die hohle Beschaffenheit und eine Wandstärke von etwa einem Zentimeter bei. Im Durchmesser erreichen die Halme etwa 7 cm.

Der Riesenbambus wächst horstig und verbreitet sich unterirdisch durch wuchswütige Rhizome – eine wirksame und sehr stabile Rhizomsperre ist deswegen unabdingbar, wenn Sie verhindern wollen, dass eine unkontrollierte, nicht mehr zu bremsende Waldbildung bis in Nachbars Garten stattfindet.

Die Oberfläche der Halme ist von einer glatten Schicht umgeben, die das Gras vor Wetter- und sonstigen Umwelteinflüssen schützt.

Wuchseigenschaften in Stichworten:

  • Riesenbambus wird bei uns bis zu 10 m hoch
  • Halme erreichen innerhalb einer Jahressaison ihre endgültige Höhe
  • Typische Segmentierung durch Nodien
  • Starke unterirdische Rhizomausdehnung – Rhizomsperre einrichten!

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Blätter

An den verzweigten Halmen wachsen ungestielte, lange Laubblätter

Blüten

Die Blüte des Riesenbambus ist – ähnlich wie zum Beispiel bei Agaven – meist ein einmaliges Spektakel. Denn sie wird im Leben eines Pflanzenindividuums in der Regel nur einmal ausgebildet und kostet ihm nicht selten das Leben. Das ist allerdings im Gegensatz zum Dendrocalamus giganteus kein Muss. Ein Phyllostachys-Bambus kann durchaus eine oder mehrere Blüten überleben und bildet sie auch in kürzeren Intervallen, nicht erst nach 30 oder 40 Jahren.

Welcher Standort ist geeignet?

Der Riesenbambus stellt keine besonderen Ansprüche an seinen Standort. Vor allem kommt er mit fast der gesamten Bandbreite an möglichen Bodenbeschaffenheiten zurecht. So nimmt er etwa einen Lehmboden genauso an wie einen lockeren, mageren Sandboden oder einen torfigen Humusgrund. Auch braucht er weder ein besonders saures, noch ein besonders kalkiges Bodenmilieu – er kommt mit beidem zurecht. Was die Lichtverhältnisse betrifft, so bevorzugt er eher einen sonnigen, warmen Platz, ist aber auch im Halbschatten zufrieden.

Was bei der Auswahl des Standorts natürlich dringend im Hinterkopf behalten werden muss, ist die voraussichtliche Größe und der Ausbreitungswille der Pflanze. Sprechen Sie gegebenenfalls mit Ihrem Nachbarn über zu erwartenden Schattenwurf und achten penibel auf die Einarbeitung einer stabilen Rhizomsperre. Am besten ist es, wenn Sie dazu einen Fachmann beauftragen.

Standortanforderungen im Überblick:

  • Bodentechnisch stellt Riesenbambus kaum Ansprüche: Kommt auf Lehm-, Sand- oder Torfboden gleichermaßen zurecht
  • Auch ph-Wert ziemlich irrelevant
  • Eher sonnig und warm
  • Zu erwartende Wuchshöhe berücksichtigen
  • Rhizomsperre nicht vergessen

Riesenbambus gießen

Wegen seines immergrünen Laubs ist der Riesenbambus ziemlich durstig. Wässern Sie ihn darum regelmäßig und ausgiebig, vermeiden aber immer Staunässe. Auch im Winter muss gegossen werden, dann allerdings natürlich wegen der geringeren Verdunstung weniger. Im Sommer wiederum gießen Sie wegen der höheren Verdunstung möglichst nur in den Morgen- und Abendstunden.

Wichtig ist auch eine gründliche Einschwemmung bei der Pflanzung.

Gießpraxis in Kürze:

  • Riesenbambus braucht wegen seines immergrünen Laubs relativ viel Wasser
  • Ganzjährig gießen
  • Im Sommer großzügig und möglichst morgens und abends, im Winter weniger

Riesenbambus richtig düngen

De Riesenbambus braucht nicht unbedingt mit zusätzlichen Nährstoffen versorgt zu werden. In der Regel reicht es, wenn Sie der Erde bei der Pflanzung eine gute Menge reifen Komposts oder Hornspäne (32,93€ bei Amazon*) hinzufügen. Auch in den Folgejahren können Sie ihm immer mal wieder etwas frischen Kompost verabreichen. Alternativ können Sie auch auf speziellen Bambusdünger oder Rasendünger zurückgreifen, der viel Stickstoff und Kalium liefert.

Winterhart

Der Riesenbambus ist gegenüber frostigen Temperaturen relativ tolerant. Er verträgt Werte von bis zu -15°C und kann daher bei uns in den allermeisten Landesteilen problemlos angepflanzt werden. In den ersten Jahren nach der Pflanzung schadet es aber nicht, ihn ein wenig vor Kälte zu schützen. Decken Sie die Pflanzstelle dazu am besten mit einer Laub-, Mulch- oder Strohschicht ab, die im Frühjahr aber wieder entfernt werden muss. Die Halme können vor allem bei noch jüngerem Riesenbambus mit Bastmatten umschlungen werden.
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Riesenbambus vermehren

Durch die horstige Rhizomausbreitung lässt sich Bambus gut über Teilung vermehren. Dazu stechen Sie im Frühjahr einen Teil des Grases mit dem Spaten ab. Eine andere, wenn auch zeitaufwändige Variante ist die Samenanzucht.

Anzucht

Wenn Sie einen Riesenbambus in Ihrem Garten haben möchten, sich aber den Kauf von Containerware aus dem Gartencenter sparen möchten, können Sie ihn auch einfach selbst anziehen. Das kostet weniger Geld, dafür aber natürlich mehr Zeit bis zur stattlichen Riesenbambushecke. Samen sind käuflich im Handel erwerbbar. Die Anzucht können Sie das ganze Jahr über im Haus durchführen und brauchen dazu keine besonderen Aufwand zu betreiben. Was Sie brauchen, sind nur ein paar Töpfe mit Anzuchterde und ein heller, konstant warmer Ort von etwa 25°C.

Die Samen des Riesenbambus sind Lichtkeimer. Setzen Sie sich also nur auf die angefeuchtete Erde auf und drücken sie leicht an. Alternativ zur Anzuchterde eignet sich auch Kokosfaser als Keimbasis. Vor dem Setzen können Sie die Keimfähigkeit der getreidekornartigen Samen erhöhen, indem Sie sie für 24 Stunden in Wasser quellen lassen.

Um ein gleichmäßig feuchtwarmes Mikroklima zu gewährleisten, überziehen Sie das Anzuchtbehältnis mit Folie. Wenn Sie ein Minigewächshaus (22,91€ bei Amazon*) zur Verfügung haben, ist es natürlich noch besser. Vor allem können Sie dann bequemer für die nötige Belüftung sorgen. Nach etwa einer bis drei Wochen sollten sich die ersten Keimlinge zeigen.

Bevor Sie den Riesenbambus ins Freiland auspflanzen, sollten Sie ihn noch einige Zeit im Haus behalten und behutsam an die raueren Bedingungen draußen gewöhnen. Ein ganzes Jahr mindestens sollte er „Welpenschutz“ bekommen. Haben Sie ihn früh im Jahr gesät, lassen Sie ihn auch den übernächsten Winter noch in geschlossenem Umfeld. Eine Übergangsphase im Kalthaus ist empfehlenswert. Danach ist die Pflanze gut für ein Leben im Garten gewappnet.

Zum Merken:

  • Aussaat unkompliziert und ganzjährig im Haus durchführbar
  • An einem hellen, 25°C warmen Ort in Gefäße mit Anzuchterde oder Kokosfaser setzen
  • Lichtkeimer – also nicht mit Erde bedecken
  • Unter Folie oder im Minigewächshaus Keimung nach 1-3 Wochen
  • Noch mindestens ein Jahr im Haus behalten
  • Übergangsphase im Kalthaus, dann ins Freiland pflanzen

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Sorten

Phyllostachys vivax ‚Aureocaulis‘

Diese Flachrohrbambus-Art bezaubert mit einer attraktiven, grün gestreiften Struktur und erreicht eine stattliche Höhe von bis zu 8 Metern.

Phyllostachys bissetii

Der bissetii ist die frosttoleranteste Sorte der Flachrohrbambusse und eignet sich daher für besonders kalte Landesteile. Seine Halme sind tiefgrün und bilden einen dichten, heckengeeigneten Hain aus.

Phyllostachys nigra

Wie der Name schon sagt, liegt die Besonderheit dieser Sorte in einer schwarzen, ins Violette gehenden Färbung, die sich durch Sonneneinstrahlung vollzieht. In jungem Stadium sind die Halme noch hellgrün. Gerade im Kontrast wirkt das Violett-Schwarze aber sehr dekorativ.

Text: Caroline Strauss
Artikelbild: Peter Turner Photography/Shutterstock

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