Kirschbaum okulieren

Kirschbaum okulieren – eine der Veredlungsarten

Die Kirschbäume werden sortenecht auf ungeschlechtliche Weise vermehrt. Dabei unterscheidet man bei den Kirschbäumen zweierlei Veredlungsverfahren: Okulieren und Pfropfen. Beim Okulieren wird nur das sogenannte Auge der Edelsorte auf die Unterlage gebracht.

Das Okulieren wird im Gegensatz zu Pfropfen im Sommer angewendet, wenn die Rinde der Unterlage sich vom Holz löst. In der Zeit von Juli bis August sind die als Augen bezeichneten Knospen der Edelsorte weit genug entwickelt, sodass sie herausgeschnitten und anschließend mit der Unterlage verbunden werden können. Diese „Operation“ setzt geeignetes Werkzeug und Material voraus. Benötigt werden

  • ein scharfes Okuliermesser mit Rindenlöser,
  • Bast zum Verbinden der Wunde,
  • Baumwachs zum Abdichten der Veredlungsstelle.

Das Verfahren

Zunächst befreit man die Unterlage (Wurzelteil des Kirschbaums) von Wildtrieben und Schmutz. Danach schneidet man in die Unterlage einen 3-4 cm langen T-Schnitt ein. Aus der Edelsorte (ein für die Vermehrung geeigneter Kirschbaum) schneidet man nun ein gut entwickeltes Auge unter Belassung eines nicht zu starken Rindenschildes heraus.

Das so gewonnene Edelauge schiebt man hinter die Rinde des T-Schnitts bis zur Mitte. Schließlich trennt man die oben überstehende Rinde des Auges mit dem Messer am Querschnitt ab. Die freigelegten Holz- und Rindenteile sollen nach Möglichkeit nicht berührt werden, da sonst der Veredlungserfolg in Frage gestellt ist.

Nach dem Einsetzen des Auges wird die Okulation sofort mit dem Bast von unten nach oben so verbunden, dass dieser dachziegelartig übereinander liegt, das Auge fest gegen die Unterlage drückt und die Wunde luft- und wasserdicht abschließt, wobei das Auge selbst frei bleibt. Sobald dann der Bast in die Unterlage einschneidet, ist er mit einem Längsschnitt durch den Verband auf der dem Auge entgegengesetzten Seite zu lösen. Ist die Veredlung angewachsen, schneidet man im Winter den Trieb über dem angewachsenen Auge weg.

Tipps & Tricks

Hilfreich beim Okulieren ist es, einen 1,5-2 cm langen Blattstiel am Auge zu belassen. Zum einen lässt sich das Auge mit dem Blattstiel besser händeln, zum anderen erkennt man damit sicher, ob die Veredlung gelungen ist. Wenn nach 2-3 Wochen der trockene Blattstiel bei Berührung abfällt, ist das Auge angewachsen.

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