Tiere im Garten

Eichhörnchen, Vögel & Co: Die richtige Winterfütterung für Gartentiere

Die kalte Jahreszeit stellt Gartentiere vor erhebliche Herausforderungen. Schnee und Frost erschweren die Futtersuche, während gleichzeitig natürliche Nahrungsquellen durch Landwirtschaft, Versiegelung und aufgeräumte Gärten stark zurückgegangen sind.

Vögel: Differenzierte Betrachtung statt Pauschalurteil

Der lange verbreitete Rat, Vögel nur bei geschlossener Schneedecke und Dauerfrost zu füttern, basiert auf der Annahme, dass Wildvögel in milden Wintern ausreichend Nahrung finden. Diese Annahme trifft heute vielerorts nicht mehr zu. Intensive Landwirtschaft hat die Insektenbiomasse drastisch reduziert, und in modernen Siedlungen dominieren Rasenflächen und exotische Zierpflanzen, die kaum Nahrung bieten. In solchen Landschaften kann eine kontinuierliche, sachgerechte Winterfütterung von November bis März sinnvoll sein und schadet nach aktuellem Forschungsstand nicht.

Was Vögel brauchen

Entscheidend ist die Anpassung des Futters an die jeweilige Ernährungsweise. Körnerfresser wie Meisen, Finken und Spatzen benötigen energiereiche Samen, während Weichfutterfresser wie Amseln, Rotkehlchen und Stare eher weiche Nahrung aufnehmen.

  • Für Körnerfresser eignen sich Sonnenblumenkerne und gehackte Nüsse.
  • Weichfutterfresser nehmen Haferflocken, Rosinen, ungeschwefelte Trockenfrüchte und klein geschnittenes Obst an.

Wichtig ist auch der Futterplatz: Weichfutterfresser suchen bevorzugt am Boden, Körnerfresser eher an erhöhten Futterstellen.

Lesen Sie auch

Nachhaltigkeit und Herkunft

Nicht nur das „Was“, sondern auch das „Woher“ ist relevant. Regionaler Rindertalg ist ökologisch sinnvoller als importiertes Kokosfett oder Palmöl, deren Anbau oft mit der Zerstörung von Regenwäldern verbunden ist. Noch nachhaltiger ist es, natürliche Nahrungsquellen im Garten selbst zu fördern, etwa durch heimische Beerensträucher, Sonnenblumen oder das Stehenlassen von Samenständen.

Tipp

Wer heimische Pflanzen fördert, reduziert langfristig den Bedarf an künstlicher Fütterung.

Fertige Futtermischungen – Was tatsächlich gefressen wird

Fertige Futtermischungen unterscheiden sich qualitativ vor allem in der Zusammensetzung der Getreide- und Saatenanteile. In vielen preisgünstigen Produkten wird Weizen in großen Mengen als billiges Streckmittel eingesetzt, obwohl er von den meisten heimischen Garten- und Wildvögeln nur ungern gefressen wird und häufig liegen bleibt.

Hochwertige Mischungen setzen auf einen hohen Anteil ölreicher Sämereien wie Sonnenblumenkerne, gehackte Nüsse dazu kleinere Saaten und reduzieren oder vermeiden Weizen vollständig. Schwarze Sonnenblumenkerne gelten als besonders geeignet, weil sie im Vergleich zu großen gestreiften Kernen dünnschaliger und meist etwas kleiner sind und daher von mehr Arten effektiv geknackt werden können. Fachverbände und Naturschutzorganisationen empfehlen darum, beim Kauf von Fertigmischungen konsequent die Deklaration zu prüfen und Produkte zu bevorzugen, in denen energiereiche Saaten an erster Stelle stehen und Weizen – wenn überhaupt – nur in geringen Anteilen enthalten ist.

Hygiene an der Futterstelle

Futterstellen können zur Krankheitsquelle werden, wenn sie nicht sauber gehalten werden. Feuchtigkeit und Kot fördern die Verbreitung von Krankheitserregern wie Trichomonaden.

  • Futterstellen regelmäßig mit heißem Wasser reinigen
  • Futter trocken halten und nicht überfüllen
  • Lieber mehrere kleine Futterplätze als einen großen anbieten

Tipp

Essig im Putzwasser wirkt desinfizierend und ist für Tiere ungefährlich.

Eichhörnchen: Unterstützung mit klaren Grenzen

Eichhörnchen legen im Herbst Vorräte an, können diese in versiegelten oder sehr gepflegten Gärten jedoch oft nicht wiederfinden. Zusätzlich fehlen in vielen Städten alte Bäume mit regelmäßigem Nuss- oder Zapfenertrag. In solchen Situationen ist eine Zufütterung sinnvoll.

Geeignet sind Haselnüsse, Walnüsse, Esskastanien und Sonnenblumenkerne sowie kleine Mengen Obst. Mandeln und Erdnüsse sollten vermieden werden, da sie problematische Inhaltsstoffe enthalten oder ungeeignet sind.

Ein erhöhtes Futterhaus am Baum ist ideal, solange es übersichtlich platziert wird und keine Raubtiere anzieht. Dass Eichhörnchen gelegentlich Vogelfutter nutzen, ist normal und kein Problem.

Igel: Hilfe zum richtigen Zeitpunkt

Igel sind spezialisierte Insektenfresser und sollten nur dann gefüttert werden, wenn sie wirklich Hilfe brauchen.

Spätherbst

Untergewichtige Jungtiere unter etwa 500 bis 600 Gramm haben kaum Überlebenschancen ohne Unterstützung und sollten gezielt gefüttert werden.

Winter

Bei milden Wintern wachen Igel gelegentlich auf und finden dann keine Nahrung. In solchen Fällen ist eine zeitweise Fütterung sinnvoll.

Frühjahr

Nach dem Winterschlaf sind Igel stark geschwächt, während Insekten noch fehlen. Auch hier kann vorübergehende Fütterung lebensrettend sein.

Geeignet ist eiweißreiches Futter wie hochwertiges Katzennassfutter oder spezielles Igelfutter. Milchprodukte, Brot oder gewürzte Speisen sind ungeeignet und schädlich.

Weitere Gartentiere

Haselmäuse und Siebenschläfer sollten nicht gefüttert werden, da sie sehr störungsempfindlich sind und auf natürliche Herbstvorräte angewiesen sind. Entscheidend ist hier der Lebensraum mit dichten Sträuchern, alten Bäumen und strukturreicher Vegetation.

Insekten profitieren nicht von Fütterung, sondern von Lebensraum: Laubschichten, Pflanzenstängel, Totholz und humusreiche Böden sind entscheidend für ihr Überleben im Winter.

Hasen und Kaninchen kommen in naturnahen Gärten meist ohne zusätzliche Nahrung aus. Nur bei extremen Wintern mit langer Schneedecke kann unterstützend Pflanzenmaterial angeboten werden.

Langfristige Strategien statt Symptombekämpfung

Winterfütterung ist keine Lösung für den Verlust von Lebensräumen, sondern nur eine Überbrückung. Die wirksamste Hilfe ist ein naturnaher Garten.

  • Heimische Bäume und Sträucher pflanzen
  • Wildkräuter zulassen
  • Stauden und Gräser erst im Frühjahr schneiden
  • Laub, Reisig und Totholz belassen
  • Auf Pestizide verzichten
  • Wasserstellen bereitstellen
Tiergruppe Fütterung nötig? Hauptproblem Empfehlung
Vögel Oft ja Nahrungsmangel Artgerecht und hygienisch füttern
Eichhörnchen Teilweise Fehlende Nussbäume Gezielt zufüttern
Igel Situativ Untergewicht / milde Winter Zeitlich begrenzt füttern
Insekten Nein Lebensraumverlust Strukturen erhalten

Es gibt kein pauschales Ja und kein pauschales Nein zur Winterfütterung. Entscheidend sind Tierart, Standort, Jahreszeit und Umsetzung. Verantwortungsvolle Unterstützung bedeutet gezielte Hilfe, richtige Futterwahl, konsequente Hygiene und vor allem die Bereitschaft, Gärten wieder naturnah zu gestalten. Ein strukturreicher Garten mit heimischen Pflanzen bleibt die nachhaltigste Hilfe für alle Gartentiere.

Bilder: jsr548 / stock.adobe.com