Hilft Algenkalk tatsächlich gegen die größten Buchsbaum-Probleme?

Seit etwa zehn Jahren tritt das gefürchtete Triebsterben am Buchsbaum auf. Schuld daran ist der Pilz Cylindrocladium buxicola, der sich in kürzester Zeit weit verbreitet hat und Bestände in ganz Europa bedroht. Die Krankheit ist schwer zu bekämpfen, allerlei Wundermittelchen wurden schon ausgerufen. Eines davon ist Algenkalk, welcher die Infektion eindämmen und sogar zurückdrängen soll. Kann das tatsächlich funktionieren?

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Algenkalk wird aus der Rotalge gewonnen

Was ist Algenkalk und wozu verwendet man es?

Zunächst einmal: Algenkalk ist ein natürliches Düngemittel, welches aus den Ablagerungen der Rotalge gewonnen wird und nicht nur reich an Kalk, sondern auch an wertvollen Mineralstoffen und Spurenelementen ist. Das Pulver wird zur Pflanzenernährung verwendet, aber auch, um Gartenböden zu verbessern. Daneben soll Algenkalk zum Pflanzenschutz beitragen, etwa Pilzinfektionen wie das Triebsterben oder auch einen Schädlingsbefall – etwa mit dem Buchsbaumzünsler – bekämpfen.

Hilft Algenkalk gegen das Triebsterben sowie gegen den Buchsbaumzünsler?

Tatsächlich scheint Algenkalk kurzfristig gegen die genannten Plagen zu helfen, und die befallenen Buchsbäume zu einem erneuten, gesunden Austreiben anzuregen. Um diesen Effekt zu erzielen, müssen befallene und gefährdete Pflanzen jedoch häufig mit dem Pulver so eingestäubt werden, dass die Blätter mit dem feinen Staub bedeckt sind. Dies allerdings bringt weitere Probleme mit sich, die ebenfalls unschön für den geplagten Buchs enden können:

  • An die eingestaubten Blätter gelangt kaum noch Sonnenlicht, was die Photosynthese erschwert.
  • Das feine Pulver verstopft die so genannten Spaltöffnungen, so dass daraus keine neuen Triebe mehr wachsen können.
  • In der Folge wird das Triebwachstum stark gebremst.
  • Ein häufiger Einsatz bringt den pH-Wert des Bodens aus dem Gleichgewicht.
  • Dieser erhöht sich so, dass in der Folge keine oder eine nur noch ungenügende Aufnahme von Nährstoffen erfolgt.

Des Weiteren sind die Auswirkungen auf die lokale Vogel- und Insektenwelt noch nicht ausreichend erforscht – vor allem während der Blüte muss ein Bestäuben der Buchsbäume kritisch gesehen werden, da Insekten auf Futtersuche den feinen Staub ebenfalls aufnehmen.

Welche Maßnahmen sollte man stattdessen ergreifen?

Ist der Buchs erst einmal von Cylindrocladium buxicola befallen, sind derzeit keine wirksamen Mittel bekannt. Sie können lediglich versuchen, die befallene Pflanze durch einen beherzten Rückschnitt zu retten. Gezielte Vorbeugung ist also das Mittel der Wahl: Der Pilz kann nur in die Blätter eindringen, wenn diese über mehrere Stunden nass sind. Halten Sie die Blätter also möglichst trocken bzw. sorgen Sie dafür, dass sie beispielsweise an einem luftigen Standort und mit ausreichend Abstand zu den Nachbarpflanzen schnell abtrocknen.

Tipps

Noch bis vor kurzer Zeit galten die Raupen des Buchsbaumzünslers als giftig für Vögel, weil diese bislang nicht daran gehen. Mittlerweile wurde jedoch schon beobachtet, wie manche Gartenvögel und auch Wespen sich an den Schädlingen bedienten. Halten Sie Ihren Garten also vogel- und insektenfreundlich, dann haben die Zünsler hoffentlich bald keine Chance mehr.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbild: Rudenko Alla/Shutterstock

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