Bohnen

Bunte Bohnen, große Wirkung: Saatgut erhalten, Wissen teilen & Vielfalt bewahren

Bohnen können überraschend bunt sein – und genau diese Vielfalt ist ein Schatz für Garten, Küche und Zukunft. Wer samenfeste Sorten anbaut, Saatgut gewinnt und teilt, hilft dabei, Wissen und genetische Ressourcen lebendig zu erhalten.

Eine Bohne geht um die Welt

Die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Dort wurde sie schon vor Jahrtausenden kultiviert und gemeinsam mit Mais und Kürbis angebaut – ein System, in dem jede Pflanze eine Rolle spielte: Mais gab Halt, Bohnen brachten Stickstoff in den Boden, Kürbis bedeckte und schützte die Erde.

Im 16. Jahrhundert gelangte die Bohne nach Europa und verbreitete sich schnell. Entscheidend für die heutige Sortenfülle war weniger eine zentrale Züchtung als ein dezentraler Prozess: Gärtnerinnen und Gärtner vermehrten Saatgut von Pflanzen, die bei ihnen besonders gut wuchsen. So entstanden regionale Sorten, die an Klima, Boden und Nutzung angepasst sind.

Sortenvielfalt: groß – und gefährdet

Bohnen sind ernährungsphysiologisch bemerkenswert. Sie liefern pflanzliches Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe sowie Mikronährstoffe wie Eisen und verschiedene B-Vitamine. Auch ökologisch haben Bohnen Gewicht: Als Leguminosen leben sie in Symbiose mit Knöllchenbakterien und können Luftstickstoff binden. Das verbessert die Bodenfruchtbarkeit und kann den Düngebedarf reduzieren.

Weltweit existieren Tausende Bohnensorten, viele davon lagern in Genbanken. Im Handel sind hingegen nur wenige verfügbar. Moderne Sorten sind oft auf Einheitlichkeit, hohen Ertrag und Vermarktung gezüchtet. Alte Sorten sind vielfältiger, manchmal weniger normiert – und daher wirtschaftlich seltener im Fokus.

INCREASE: Bohnenvielfalt als Gemeinschaftsprojekt (Anmeldeschluss: 28. Februar 2026)

Hier setzt das europäische Citizen-Science-Projekt INCREASE an: Ziel ist es, die genetische Vielfalt von Bohnen lebendig zu erhalten – durch Anbau, Beobachtung und Saatgutvermehrung in vielen privaten Gärten statt an einem zentralen Ort.

Teilnehmende bauen seltene, samenfeste Bohnensorten an, dokumentieren Merkmale über die App und teilen Saatgut und Erfahrungen im Netzwerk. So entstehen zwei Dinge zugleich: wissenschaftlich nutzbare Daten und eine praktische Infrastruktur, in der Sorten im Umlauf bleiben. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Mitmachen beim INCREASE-Experiment: So läuft es ab

  1. Registrieren
    Die Teilnahme erfolgt über die kostenlose INCREASE-Citizen-Science-App (Name im Appstore: INCREASE CSA). Dort melden sich Interessierte für die aktuelle Projektrunde an. Anmeldeschluss ist der 28. Februar 2026
  2. Saatgut organisieren
    Neue Teilnehmende erhalten Zugang zu alten, samenfesten Bohnensorten. Wer bereits teilgenommen hat, nutzt die integrierte Saatgut-Tauschfunktion. Der Ansatz ist bewusst dezentral: Saatgut soll zirkulieren, nicht zentral verwaltet werden.
  3. Bohnen anbauen
    Bohnen wachsen im Garten, Hochbeet oder auf dem Balkon. Entscheidend ist nicht maximaler Ertrag, sondern ein gut beobachtbarer, möglichst sortenreiner Anbau.
  4. Beobachten und dokumentieren
    Erfasst werden Merkmale wie Wuchs, Blüten- und Hülsenfarbe, Reifezeit sowie Ertrag und Geschmack. Fotos ergänzen die Einträge; die Daten werden anonymisiert ausgewertet.
  5. Saatgut gewinnen
    Ein Teil der Pflanzen bleibt bis zur Vollreife stehen. Die Samen werden geerntet, getrocknet und für kommende Jahre aufbewahrt.
  6. Teilen und weitergeben
    Saatgut und Erfahrungen werden über die App, über Saatgutbörsen oder im privaten Umfeld weitergegeben. So bleibt Vielfalt in Bewegung.

Saatgut gewinnen: Lernen durch Beobachtung

Saatgutgewinnung ist weniger ein technischer Akt als eine gärtnerische Schulung des Blicks. Wer zur Vermehrung auswählt, beobachtet genauer: Welche Pflanzen sind vital, welche kommen mit Trockenheit klar, welche schmecken besonders gut?

Bohnensamen ernten als Illustration

Schritt Worauf achten? Warum wichtig? Typischer Fehler
Auswahl 6–10 gesunde, kräftige Pflanzen markieren Sichert Stabilität der Sorte über mehrere Individuen Nur 1–2 Pflanzen vermehren
Reife Hülsen vollständig trocken, braun, raschelnd Nur vollreife Samen sind lager- und keimfähig Zu früh ernten
Trocknung Luftig und trocken, niemals in Plastik Verhindert Schimmel und Qualitätsverlust Feuchte Lagerung
Lagerung Kühl, dunkel, beschriftet Erhält Keimfähigkeit und Sortenzuordnung Unbeschriftete Gläser/Tüten
Bilder: images72 / Shutterstock