Beinwell

Beinwell: Giftig oder harmlos? Alles, was du wissen musst

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Beinwell, eine Pflanze mit langer Tradition in der Naturheilkunde, birgt neben seinen positiven Eigenschaften auch Risiken durch enthaltene Giftstoffe. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Beinwell und gibt Hinweise zur sicheren Anwendung.

Beinwell Anwendung
Beinwell sollte nur äußerlich angewendet werden

Giftigkeit von Beinwell

Der wissenschaftliche Name des Beinwells lautet Symphytum officinale. Er zählt zur Familie der Raublattgewächse und ist als Heilpflanze bekannt. Seine Wurzeln und Blätter werden seit der Antike zur Linderung von Beschwerden des Bewegungsapparats verwendet. Beinwell birgt jedoch auch Risiken, da er Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) enthält, die lebertoxische und krebserregende Eigenschaften besitzen. Diese Alkaloide dienen der Pflanze als Schutz vor Fressfeinden und befinden sich in allen Pflanzenteilen, am konzentriertesten in den Wurzeln. In der Blütezeit produziert die Pflanze zusätzliche Alkaloide, was das Giftigkeitsrisiko in dieser Phase erhöht.

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Die Verwendung von Beinwell, insbesondere die innere Anwendung, sollte daher mit Vorsicht erfolgen. Die regelmäßige oder übermäßige Einnahme kann aufgrund der giftigen Pyrrolizidinalkaloide zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen wie Leberschäden führen. Daher wird die Nutzung von Beinwell und seinen Zubereitungen ausschließlich für die äußerliche Anwendung empfohlen, wobei auch hier auf unbeschädigte Hautbereiche zu achten ist. Schwangere, Stillende und Personen mit Lebererkrankungen sollten auf die Verwendung von Beinwell-Präparaten vollständig verzichten.

Trotz seiner Giftigkeit bietet Beinwell auch positive Effekte. Die in ihm enthaltenen Stoffe wie Allantoin, Schleimstoffe, Gerbstoffe und Kieselsäure können zur Linderung von Muskel- und Gelenkschmerzen sowie bei Prellungen und Blutergüssen beitragen. Aufgrund dieser potenziellen Vorteile bleibt Beinwell eine geschätzte Heilpflanze, deren Anwendung jedoch einer sorgfältigen Abwägung und dem Einhalten von Sicherheitsvorkehrungen bedarf.

Auswirkungen der Pyrrolizidin-Alkaloide

Die Anwesenheit von Pyrrolizidin-Alkaloiden in Beinwell führt zu erheblichen gesundheitlichen Risiken. Diese Substanzen, die der Pflanze als natürlicher Schutz gegen Fressfeinde dienen, haben toxische Effekte auf den Menschen, insbesondere auf die Leber und das Krebsrisiko.

  • Leberschäden: Die Alkaloide können zu venöser okklusiver Krankheit, einer akuten Form des Leberverschlusses, sowie langfristig zu Leberzirrhose und Tumorbildung in der Leber führen.
  • Krebs: Die Forschung hat gezeigt, dass etwa 95% dieser Alkaloide nicht nur hepatotoxisch, sondern auch pneumotoxisch, genotoxisch, teratogen, mutagen und karzinogen sind. Das Krebsrisiko umfasst dabei vor allem den Bereich der Leber, kann aber auch Lungen und weitere Organe betreffen.
  • Weitere gesundheitliche Beschwerden: Neben den schwerwiegenden Langzeitfolgen können Pyrrolizidin-Alkaloide auch kurzfristige Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerzen verursachen.

Um das Risiko gesundheitlicher Schäden zu minimieren, ist es entscheidend, die tägliche Aufnahme dieser Alkaloide sehr gering zu halten. Experten empfehlen eine maximale tägliche Exposition von nicht mehr als 100 µg bei äußerlicher und 1 µg bei innerer Anwendung.

Risikofaktoren

Die Gefahr, die von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) ausgeht, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst.

  • Konsumierte Menge: Die Risikohöhe steigt mit der Menge an aufgenommenen PAs.
  • Einnahmedauer: Längere Einnahmezeiträume von PAs erhöhen das Vergiftungsrisiko signifikant.
  • Individuelle Sensibilität: Die Empfindlichkeit gegenüber PAs variiert von Person zu Person.
  • Lebensphase: Aufgrund unterschiedlicher Physiologie sind Kinder und Senioren anfälliger für PA-bedingte Toxizität als die allgemeine Erwachsenenpopulation.

Symptome einer PA-Vergiftung

Die Auswirkungen einer Vergiftung mit Pyrrolizidinalkaloiden (PA) variieren stark je nach individueller Empfindlichkeit und aufgenommener Menge. Folgende Symptome können auf eine PA-Vergiftung hindeuten:

  • Appetitlosigkeit und Abdominalschmerz: Erste Anzeichen können unspezifische Allgemeinsymptome wie Appetitlosigkeit und Schmerzen im Bauchbereich sein.
  • Müdigkeit: Ein Zustand anhaltender Erschöpfung und Schwäche, der sich nicht durch Ruhe verbessert.
  • Hepatotoxische Effekte: Dazu zählen schwerwiegendere Symptome wie die Lebervenen-Verschlusserkrankung (veno-occlusive disease, VOD), Lebernekrose, bis hin zu Zirrhose und der Entwicklung von Hyperplasien, Adenomen und Karzinomen.
  • Pulmotoxische Effekte: Symptome wie pulmonale Hypertonie, die indirekt zu kardiotoxischen Effekten wie Cor pulmonale führen kann.

Risikogruppen

Die Verwendung von Beinwell, besonders dessen innere Anwendung, ist mit Vorsicht zu genießen. Folgende Gruppen sind besonders gefährdet durch die in Beinwell enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide:

  • Schwangere und Stillende: Aufgrund der Gefahr, dass Pyrrolizidinalkaloide sowohl die Plazenta passieren als auch in die Muttermilch übergehen können, ist von der Verwendung von Beinwell in der Schwangerschaft und Stillzeit dringend abzuraten.
  • Kinder: Kinder sind aufgrund ihres geringeren Körpergewichts und der noch nicht vollständig entwickelten Körpersysteme empfindlicher gegenüber den toxischen Effekten von Pyrrolizidinalkaloiden.
  • Menschen mit Lebererkrankungen: Personen, die bereits unter Lebererkrankungen leiden, tragen ein höheres Risiko für Leberschäden durch Pyrrolizidinalkaloide.

Sichere Anwendung von Beinwell

Die äußerliche Anwendung von Beinwell in Form von Salben oder Cremes wird zur Linderung von Beschwerden wie Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen sowie bei Prellungen, Schwellungen und Blutergüssen empfohlen. Allerdings ist bei der Anwendung Vorsicht geboten, um das Risiko einer Aufnahme gesundheitsschädlicher Pyrrolizidinalkaloide zu minimieren. Folgende Hinweise sollten beachtet werden:

  • Nur auf unbeschädigter Haut anwenden: Beinwell-Zubereitungen sollten nur auf intakter Haut aufgetragen werden, da bei verletzter oder beschädigter Haut ein erhöhtes Risiko besteht, dass Pyrrolizidinalkaloide in den Körper gelangen.
  • Anwendungsdauer begrenzen: Die Verwendung von Beinwell-Produkten sollte auf weniger als 10 Tage beschränkt werden, um eine mögliche Aufnahme der giftigen Alkaloide durch die Haut zu vermeiden.
  • Keine Anwendung bei Kindern unter 18 Jahren: Aufgrund fehlender Daten zur Sicherheit wird empfohlen, Beinwell nicht bei Personen unter 18 Jahren anzuwenden.
  • Schwangere und Stillende meiden die Anwendung: Da Pyrrolizidinalkaloide die Plazenta passieren und in die Muttermilch übergehen können, sollten schwangere und stillende Frauen Beinwell-Präparate vermeiden.
  • Vorsicht bei Lebererkrankungen: Personen mit bestehenden Leberproblemen sollten auf die Verwendung von Beinwell verzichten, da die enthaltenen Alkaloide vorhandene Leberschäden verschlimmern könnten.

Durch das Beachten dieser Hinweise kann das Risiko gesundheitlicher Schäden minimiert werden, während die positiven Eigenschaften von Beinwell zur Linderung diverser Beschwerden genutzt werden.

Vorsichtsmaßnahmen

Um das Risiko gesundheitlicher Schäden durch Pyrrolizidinalkaloide zu minimieren, sind folgende Punkte zu beachten:

  • Keine innere Anwendung: Die Einnahme von Beinwell ist aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide strikt zu meiden.
  • Nicht auf beschädigter Haut anwenden: Beinwell darf nicht auf Wunden, verletzter oder beschädigter Haut aufgetragen werden.
  • Anwendung bei Erwachsenen ab 18 Jahren: Die Verwendung von Beinwell-Präparaten wird erst ab einem Alter von 18 Jahren empfohlen.
  • Anwendungsdauer beschränken: Beinwellprodukte sollten nur kurzfristig, idealerweise weniger als 10 Tage, genutzt werden.
  • Vermeidung in Schwangerschaft und Stillzeit: Aufgrund der Tatsache, dass Pyrrolizidinalkaloide die Plazenta passieren und in die Muttermilch übergehen können, sollte von der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit abgesehen werden.
  • Vorsicht bei Personen mit Lebererkrankungen: Bei vorbestehenden Leberproblemen ist von der Anwendung abzuraten.
  • Achtung auf allergische Reaktionen: Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion ist umgehend ein Arzt oder Apotheker zu informieren und die Anwendung von Beinwell einzustellen.

Alternativen zu Beinwell

Für die Linderung von Schmerzen und Entzündungen bieten sich zahlreiche Pflanzen als Alternativen zu Beinwell an.

  • Arnika: Bekannt für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften, wird Arnika traditionell zur Behandlung von Prellungen und Schwellungen verwendet.
  • Johanniskraut: Einsatz findet Johanniskraut vor allem bei der Behandlung von leichten Depressionen, Nervenschmerzen und zur allgemeinen Stärkung des Nervensystems.
  • Weidenrinde: Als natürliche Quelle von Salicin, einem Vorläufer der Acetylsalicylsäure, wird Weidenrinde seit Langem zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt.
Bilder: Heike Brauer / iStockphoto