Acanthus: Pflanzen und pflegen (Bärenklau)

Acanthus-Gewächse entwickeln charakteristische Blätter, deren Form als Vorbild für Ornamente in der dekorativen Kunst herangezogen wurde. Die Stauden verzaubern verschiedene Themengärten. Wer sich näher mit ihren Ansprüchen auseinandersetzt, der erfreut sich für viele Jahre an der atemberaubenden Blütenpracht.

acanthus
Der Stachelige Bärenklau ist eine hübsche Zierpflanze

Herkunft

Acanthus ist eine Pflanzengattung, die zur Familie der Akanthusgewächse gehört. Sie umfasst 20 bis 30 Arten, deren Hauptverbreitungsgebiet in tropischen und subtropischen Klimaregionen liegt. Wenige Vertreter sind im Mittelmeerraum und in Asien heimisch. Die Arten werden auch als Bärenklau bezeichnet. Doch mit der gleichnamigen Gattung Heracleum haben die Pflanzen keine Gemeinsamkeiten.

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Als Zierpflanzen kommen vier Arten in Frage:

  • Ungarischer oder Balkan-Bärenklau (Acanthus hungaricus)
  • Stacheliger Bärenklau (Acanthus spinosus)
  • Wahrer oder Pracht-Bärenklau (Acanthus mollis)
  • Syrischer Bärenklau (Acanthus syriacus)

Wachstum

Die Pflanzen sind ausdauernd und überwiegend krautig. Wenige Acanthus-Arten wachsen als halbverholzte Sträucher. Sie entwickeln oft unterirdische Rhizome, die der Überdauerung und vegetativen Vermehrung dienen. Mit Hilfe der Ausläufer bilden die Pflanzen dichte Bestände. Die Sprossachse wächst niederliegend oder aufrecht. Die Wuchshöhen der einzelnen Arten sind sehr unterschiedlich. Sie liegen zwischen 30 und 150 Zentimeter.

Blätter

Die Akanthusgewächse entwickeln größtenteils gegenständige Blätter. Wenige Arten tragen wirtelig oder grundständig gehäufte Blätter. Bei allen Arten sind sie in Stiel und Spreite gegliedert. Die Blätter können einfach aufgebaut sein. Alle vier Zierpflanzen entwickeln tief eingeschnittene, fiederspaltige Laubblätter mit einem glatten oder gezähnten bis dornigen Blattrand. Sie erinnern an übergroße Löwenzahnblätter und werden wegen ihrer markanten Form als ornamental bezeichnet.

Blüte

Zur Blütezeit werden Acanthus-Arten zum echten Blickfang, denn ihre ährigen Blütenstände sind übersät von kapuzenförmigen Einzelblüten. Ihre vier Kronblätter sind zu einer teilweise reduzierten Oberlippe und einer vergrößerten Unterlippe verwachsen, die in drei stumpfen Kronblattlappen endet. Die Blüten wachsen bis fünf Zentimeter lang und werden von zwei Deckblättern getragen, die mit Dornen bewehrt sind. Sie umschließen die Blüte wie ein Kragen. Der Blütenstand erreicht Höhen zwischen 40 und 200 Zentimeter.

Blütezeit

Die Blüten erscheinen zwischen Juni und August. Sie sind weißlich gefärbt und entwickeln häufig rosafarbene Nuancen. Manche Arten tragen kräftig rosa behauchte Kronblätter. Unter den Wildformen gibt es gelb, scharlachrot oder blau blühende Arten.

Frucht

Im Herbst entstehen an den Blütenständen zahlreiche Kapselfrüchte, die zwischen zwei und vier Samen enthalten. Zur Fruchtreife platzen die Kapseln entlang vorgebildeter Nähte explosionsartig auf, sodass die Samen herausgeschleudert werden.

Verwendung

Die Gewächse eignen sich zur Gestaltung von farbigen Staudenbeeten. Große Arten kommen in Einzel- oder Paarstellung optimal zur Geltung. Niedrigere Zierpflanzen harmonieren in kleinen Gruppen. Acanthus-Stauden passen wegen ihrer wilden Gestalt optimal in den naturnahen Garten. Wegen den ornamental geformten Blätter harmonieren die Pflanzen mit Steinmauern, Wasserbecken oder neben Steinstufen an Terrassenhängen. Da die Elternarten der Zierpflanzen aus dem Mittelmeerraum stammen, eignen sie sich zur Gestaltung von mediterranen Gärten. Sie setzen in Steinanlagen farbliche Akzente.

Diese Pflanzen passen zu Acanthus:

Ist Acanthus giftig?

Acanthus-Arten sind nicht giftig und können bedenkenlos im Garten angepflanzt werden. Viele Arten werden in der Naturheilkunde verwendet. Sie lindern Husten und helfen bei Atemwegserkrankungen, Grippe und Erkältung. Äußerlich werden Auszüge der Pflanzenteile bei Gicht, Verstauchungen oder Prellungen eingesetzt. Salben fördern die Heilung von Verbrennungen und Wunden.

Welcher Standort ist geeignet?

Die aus dem Mittelmeergebiet stammenden Arten bevorzugen Standorte auf Geröllhalden und in steinigem Gelände. Gewächse aus tropischen Gefilden benötigen feuchtere Standorte. Alle Zierpflanzen gedeihen prächtig in sonnigen Lagen. Sie tolerieren halbschattige Standorte.

Welche Erde braucht die Pflanze?

Auf einem gut durchlässigen Substrat mit nährstoffreichen und tiefgründigen Eigenschaften fühlen sich kultivierte Acanthus-Arten wohl. Sie mögen einen frischen Böden. Kurze Trockenheit bereitet ihnen keine Probleme. Ideal ist ein leicht lehmiger Boden, der Feuchtigkeit speichern kann. Wenn sich das Wasser im Substrat staut, verfaulen die Wurzeln schnell.

Der richtige Pflanzabstand

Beachten Sie vor dem Pflanzen, dass die Stauden beachtliche Ausmaße annehmen können. Niedrig wachsende Begleitpflanzen werden schnell verdrängt. Setzen Sie Acanthus in einem Pflanzabstand von mindestens 70 Zentimeter zu benachbarten Pflanzen ins Beet. Auf einem Quadratmeter sollten nicht mehr als zwei Exemplare stehen.

Acanthus vermehren

Im Fürhjahr können Sie Bärenklau durch Teilung vermehren. Teilen Sie das ausgegrabene Rhizom in mehrere Stücke, sodass jedes Wurzelstück ausreichend Feinwurzeln und Triebe besitzt.

Acanthus-Arten können auch über Wurzelschnittlinge vermehrt werden. Zerschneiden Sie im Herbst ein Rhizom in etwa acht Zentimeter lange Stücke und stecken Sie die Schnittlinge in ein Gemisch aus Sand und Torf. Das Substrat wird mit einer zwei Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt und befeuchtet. Lagern Sie das Gefäß an einem kühlen Ort. Sobald sich die ersten Sprosse zeigen, wird der Topf an einem hellen Standort platziert.

Aussaat

Direkt nach der Blüte können Sie die noch unreifen Kapseln ernten und in einem verschlossenen Gefäß lagern. Hier reifen die Samen weiter heran, bis die Früchte aufplatzen. Die Samen werden zwischen November und März auf Anzuchterde ausgestreut und leicht mit Erde bedeckt. Die Samen der Acanthus-Arten sind Dunkelkeimer.

In den nächsten zwei bis vier Wochen sollte das Substrat leicht feucht gehalten werden. Stellen Sie das Pflanzgefäß an einen hellen Platz mit Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad Celsius. Nach dieser Phase benötigen die Samen einen Kältereiz, der die Keimung anregt. Der Topf wird für die folgenden vier bis sechs Wochen an einen kühlen Platz gestellt. Hier sollten die Temperaturen zwischen knapp unter null bis vier Grad liegen. Es kann bis zu zehn Wochen dauern, bis sich die Keimblätter zeigen.

Acanthus im Topf

Die Pflanzen entwickeln tief in die Erde reichende Pfahlwurzeln und benötigen viel Platz. Acanthus gedeiht in tiefen Kübeln, die ausreichend drainiert wurden. Wählen Sie den Topf nicht zu groß, sondern pflanzen Sie Ihren Acanthus jährlich in etwas größere Kübel um.

Da die Stauden Wärme lieben, eignen sie sich perfekt für die Kultivierung in Hochbeeten, sofern ihre Längsachse in Nord-Süd-Ausrichtung angelegt wurde. Die senkrechten Holzwände nutzen die Sonneneinstrahlung am Morgen und in den Nachmittagsstunden optimal aus.

So ist die Kübelpflanzenerde beschaffen:

  • grobkörnige Anteile für lockere Struktur
  • ideal geeignet: Lavagrus, Blähton (20,95€ bei Amazon*) oder Kies
  • lehmige Anteile für Wasserspeicherung

Balkon

Auf südlich ausgerichteten Balkonen mit luftigen Verhältnissen fühlt sich Acanthus im Topf besonders wohl. Kübelpflanzen sollten während der Sommermonate regelmäßig und durchdringend gewässert werden. Ein Mal pro Woche erfreuen sich die Stauden über eine Bewässerung.

Acanthus gießen

Halten Sie das Substrat leicht feucht. Acanthus erfreut sich über mäßige Wassergaben. Leichte Trockenheit verträgt die Staude gut. Staunässe sollte vermieden werden, damit die Wurzeln nicht faulen.

Acanthus richtig düngen

Verabreichen Sie den Stauden gelegentlich Pflanzensude über das Gießwasser. Sie stärken die Vitalität und machen Acanthus resistenter gegenüber Krankheiten und Schädlingsbefall. Im Frühjahr können Sie etwas Gesteinsmehl (14,95€ bei Amazon*) oder Kompost in das Substrat einarbeiten. Weitere Düngungen sind nicht erforderlich.

Acanthus richtig schneiden

Die Blütenstände bleiben über den Winter stehen. Sie sind standfest und wirken während der grauen Jahreszeit als echter Blickfang. Im Frühjahr wird die Staude bodennah zurückgeschnitten. Die Blütenstände können als Schnittblumen in Vasen gestellt werden.

Wie pflanze ich richtig um?

Eingewachsene Acanthus-Stauden können mit viel Aufwand von ihrem Standort entfernt werden. Da die Wurzeln tief in den Boden reichen, werden die Rhizome beim Umpflanzen zerteilt. Wenn Sie die Stauden von einem Standort entfernen möchten, müssen Sie frisch austreibende Rhizome regelmäßig ausgraben. Wählen Sie den Standort vor dem Einpflanzen mit Bedacht aus. Acanthus entwickelt sich prächtig, wenn er ungestört über mehrere Jahre an einem Standort wächst.

Winterhart

Obwohl die Arten als winterhart gelten, ist ein Winterschutz ratsam. Eine dicke Schicht Rindenmulch und Stroh oder Fichten- und Tannenzweige schützen das Rhizom vor Erfrierungen. In schneereichen Regionen sind die Pflanzen durch eine geschlossene Schneedecke optimal geschützt.

Kübelpflanzen sollten auf einer isolierenden Unterlage platziert werden. Das kann eine Styroporplatte (25,90€ bei Amazon*) oder ein Holzstück sein. Der Topf wird mit Vlies, Jute oder Plastikfolie umwickelt, damit das Substrat nicht einfriert. Ein regengeschützter Standort beugt Staunässe im Substrat vor. Sie können Topfpflanzen auch im Haus überwintern. Stellen Sie den Kübel in einen unbeheizten Raum.

Pilzbefall

Gelegentlich wird Acanthus vom Echten Mehltau befallen. Die Pilzsporen breiten sich bei trockenen und warmen Bedingungen aus. Sie besiedeln geschwächte oder kranke Pflanzen und hinterlassen einen abwischbaren Belag mit mehlartiger Struktur auf den Blättern. Das Risiko eines Befalls kann durch eine Mulschschicht verringert werden. Sie sorgt für konstant feuchte Bedingungen im Substrat und erhöht die Luftfeuchtigkeit.

Acanthus blüht nicht

Während der Ungarische Bärenklau jedes Jahr zuverlässig blüht, zeigen seine drei verwandten Zierpflanzen häufig eine unregelmäßige Blütenentwicklung. Wenn die Stauden nicht blühen, kann ein zu strenger Winter als Ursache in Frage kommen. Bodenfrost führt dazu, dass das Rhizom zurückfriert und teilweise abstribt. Die geschädigten Rhizome treiben zuverlässig aus, aber die Jungpflanzen benötigen zwei bis drei Jahre bis zur ersten Blüten. Mit einem Winterschutz können die unterirdischen Pflanzenteile geschützt werden.

Tipps

Alle vier Zierpflanzen lassen sich anhand ihrer Blätter unterscheiden. Die Blüten ähneln sich stark. Achten Sie beim Kauf auf das Laub, wenn die Sorte keiner Stammart zugeordnet wurde.

Sorten

  • Hollard´s Gold: Acanthus mollis-Hybrid mit weißen bis hellvioletten Blüten, blüht zwischen Juli und August. Bis 120 Zentimeter hoch.
  • White Lips: Acanthus-hungaricus-Hybrid mit weißer Krone und violetten Deckblättern, blüht von Juni bis August. Bis 70 Zentimeter hoch.
  • Mornings Candle: Hybris aus Acanthus mollis und spinosus. Weiße Blüten mit purpurfarbenen Deckblättern. Blütezeit von Juli bis August. Wuchshöhe bis 100 Zentimeter.


Text: Christine Riel
Artikelbild: V J Matthew/Shutterstock

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