Mirabelle

Mirabelle oder Marille – Wo liegt der Unterschied?

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Obwohl Marillen und Mirabellen optisch ähnlich erscheinen, unterscheiden sich die beiden Steinfrüchte hinsichtlich botanischer Aspekte, Geschmack und Verwendungsmöglichkeiten. Dieser Artikel erläutert die Unterschiede und gibt Einblicke in Anbau, Ernte und kulinarische Verwendung.

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Mirabellen haben ein festeres Fruchtfleisch

Die Verwechslung von Marillen und Mirabellen

Ihre ähnliche Namensgebung und das optische Erscheinungsbild führen häufig dazu, dass Marillen und Mirabellen miteinander verwechselt werden. Beide Früchte präsentieren sich in runder Form und mit einer Farbgebung, die von Gelb bis Orange variiert. Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich jedoch deutliche Unterschiede in botanischen Aspekten, ihrer Beschaffenheit und nicht zuletzt im Geschmack.

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Lassen Sie uns die Unterschiede genauer betrachten:

  • Namen und botanische Zuordnung: Marille ist die in Süddeutschland und Österreich gebräuchliche Bezeichnung für die Aprikose und entspricht botanisch dem Prunus armeniaca. Der Name Mirabelle leitet sich vom lateinischen „mirabilis“ ab, was „wunderbar“ bedeutet, und gehört zur Unterart oder Varietät der Pflaumen, genauer gesagt Prunus domestica ssp. syriaca.
  • Größe und Haptik: Mirabellen sind kleiner und ihre Haut glatt sowie fest, während Marillen etwas größer und ihre Oberfläche weich sowie leicht angeraut ist.
  • Geschmack: Die Geschmacksnoten differenzieren sich deutlich – Mirabellen zeichnen sich durch ihre intensive Süße bis hin zu einem süß-sauren Aroma aus, während Marillen eher süß und mit einem leichten Hauch vom Mandelaroma überzeugen.
  • Blütezeit und optische Merkmale der Blüten: Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal stellt die Blütezeit dar: Marillenbäume blühen bereits im Frühjahr im März, die Mirabellenblüte setzt später im April bis Mai ein. Während die weißen Blüten beider Obstsorten sich optisch nur in Details unterscheiden, weisen die Blüten der Marillen im Unterschied zu den Mirabellen leicht dunkelrote Akzente auf.

Die Kenntnis dieser Unterschiede hilft dabei, die beiden Fruchtarten korrekt zu identifizieren und ihre jeweiligen, einzigartigen Eigenschaften zu schätzen.

Marillen: Aprikosen mit samtiger Haut

In einigen Regionen, wie etwa in Österreich und Teilen Bayerns, ist die Marille weit mehr als nur eine Bezeichnung für die Aprikose; sie ist ein Stück Kultur. Diese gelb bis orangefarbenen Früchte sind nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch ein kulinarisches Highlight. Ein unverkennbares Merkmal der Marille ist ihre samtig weiche Haut, die sich leicht mit der Hand oder dem Mund greifen lässt. Das Gewicht einer Marille variiert, liegt aber typischerweise in einem Bereich von vier bis acht Zentimetern im Durchmesser, was sie im Vergleich zu ihren kleinen Verwandten, den Mirabellen, etwas größer macht. Gelb bis orange leuchtend, verbergen sie unter ihrer flaumigen Hülle ein festes Fruchtfleisch, das sich mühelos vom Kern lösen lässt. Das Aroma der Marille ist unverwechselbar und zeichnet sich durch eine zarte Süße mit einem Hauch von Mandel aus. Erstaunlicherweise verleiht gerade dieses Aroma, vor allem in reifem Zustand, der Marille ihren charakteristischen Geschmack und macht sie zu einer bevorzugten Zutat für Desserts, Marmeladen und nicht zuletzt für den berühmten Marillenschnaps.

Mirabellen: Kleine, gelbe Zwetschgen

Mirabellen, auch als gelbe Zwetschgen bekannt, zählen zu den kleinen Highlights im spätsommerlichen Garten. Diese Früchte, durchschnittlich zwischen zwei und fünf Zentimetern im Durchmesser messend, bestechen durch ihre sonnengelbe bis hin zu rötlicher Färbung. Ihre glatte und feste Schale umhüllt ein festes Fruchtfleisch, welches süß bis süß-säuerlich schmeckt und sich mühelos vom Kern trennen lässt. Als kleinste Pflaumensorte bereichern Mirabellen den heimischen Obstgarten und überzeugen durch ihre Anpassungsfähigkeit und den geringen Säuregehalt, was sie auch für empfindliche Mägen gut verträglich macht.

Unterschiede in der Blütezeit

Die Blütezeit prägt einen auffälligen Unterschied zwischen Marillen und Mirabellen und spiegelt die spezifische Zeitspanne wider, in der sich die beiden Obstsorten in voller Pracht zeigen. Während die Marillen bereits im März mit der Blüte starten und somit den Frühling einläuten, warten die Mirabellen bis April und Mai, um ihre Blumen zur Schau zu stellen. Beide Obstsorten teilen die Schönheit weißer Blüten, doch die Marillenblüten zeichnen sich durch auffällig dunkelrote Akzente im Inneren aus, die ihnen eine besondere Note verleihen.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Marillen blühen im März und markieren somit einen der ersten Höhepunkte des Frühlings.
  • Mirabellen setzen ihre Blüte später an, beginnend im April bis in den Mai, und verlängern damit die Blütezeit im Obstgarten.
  • Beide Arten zeigen weiße Blüten, jedoch mit dem Unterschied, dass Marillenblüten durch dunkelrote Akzente im Inneren hervorstechen, was bei den Mirabellen nicht der Fall ist.

Anbaugebiete und Erntezeit

Die Marille, bekannt für ihr süßes, mit einem Hauch von Mandelaroma durchzogenes Fruchtfleisch, findet ihre Heimat vorrangig in warmen, sonnenreichen Gegenden. Besonders wohl fühlt sie sich in den Mittelmeerstaaten sowie in den klimatisch begünstigten Regionen Südtirols und der österreichischen Wachau. Hier werden die Früchte etwa von Mitte Juli bis Ende August geerntet. Dies spiegelt die Vorliebe der Marillen für warme und sonnenreiche Standorte wider, wo sie unter den optimalen Bedingungen zu voller Reife und Geschmack gelangen.

Mirabellen hingegen, die für ihr intensiv süßes bis süß-säuerliches Aroma bekannt sind, bevorzugen die klimatischen Bedingungen West- und Süddeutschlands, inklusive der Regionen am Mittelrhein, in der Pfalz und in Franken. Die Erntezeit für diese kleinen gelben Früchte erstreckt sich von den frühen Sorten, die schon Ende Juli gepflückt werden können, bis hin zu spätreifenden Sorten, deren Ernte bis Ende September andauern kann. Es sind vor allem die Sommertage mit viel Sonne und Wärme, die den Mirabellen zugutekommen und sie in vollen Zügen reifen lassen.

Hier eine Übersicht der Anbaugebiete und Erntezeiten:

Marillen

  • Anbaugebiete: Hauptsächlich Mittelmeerstaaten, Südtirol, österreichische Wachau
  • Erntezeit: Etwa von Mitte Juli bis Ende August

Mirabellen

  • Anbaugebiete: Vor allem in Frankreich, Deutschland (besonders West- und Süddeutschland) und Österreich
  • Erntezeit: Startet für frühe Sorten bereits Ende Juli und zieht sich für späte Sorten bis Ende September

Verwendung in der Küche

Marillen und Mirabellen brillieren durch ihre Vielseitigkeit in der kulinarischen Welt. Während beide Früchte frisch einen herrlichen Genuss bieten, entfalten sie ebenso in verarbeiteter Form ihr volles Aroma. Hier sind einige klassische und beliebte Möglichkeiten, wie diese Früchte in der Küche Verwendung finden:

Marillen:

  • Marillenbrand oder -likör: Das leicht mandelartige Aroma der Marillen prädestiniert sie für die Herstellung hochwertiger Spirituosen.
  • Marillenmarmelade: Ein Klassiker unter den Brotaufstrichen, der insbesondere in Sachertorte und Faschingskrapfen nicht fehlen darf.
  • Marillenknödel: Eine süße Hauptspeise oder Dessert, zubereitet mit Topfenteig, die in keiner traditionellen Küche fehlen sollte.
  • Marillenkompott und -saft: Eine geschmackvolle Möglichkeit, das Aroma der Marillen zu konservieren.
  • Marillenkuchen: Bietet eine saftige Grundlage für viele Kuchenrezepte.
  • Zur Verfeinerung von Fleisch: Marillen können für eine exquisite Note sorgen.

Mirabellen:

  • Marmeladen und Gelees: Mit ihrem süß-sauren Aroma eignen sich Mirabellen ausgezeichnet für Brotaufstriche.
  • Fruchtaufstriche: Eine köstliche Art, Mirabellen zu konservieren.
  • Likör: Auch aus Mirabellen lässt sich ein feiner Likör herstellen, der das süße Aroma der Frucht einfängt.
  • Kuchenbelag: Ihre Süße macht sie zu einem bevorzugten Belag für Kuchen und Torten.

Beide Früchte tragen somit zur Bereicherung unserer Speisepläne bei und lassen sich in zahlreichen traditionellen und modernen Rezepten einsetzen.

Bilder: KarepaStock / Shutterstock