So schneiden Sie Schnittlauch richtig – Tutorial zur Schnittpflege

Als Augen- und Gaumenschmaus zählt Schnittlauch zu den wertvollsten Gartenschätzen. Die facettenreichen Attribute der beliebten Kräuterpflanze profitieren von einem Schnitt zur rechten Zeit. Lesen Sie in diesem Tutorial, wann und wie Sie Schnittlauch richtig schneiden.

Schnittlauch Rückschnitt
Beim Schneiden von Schnittlauch gilt es, die Blütezeit herauszuzögern

Schnittlauch-Blüte und Gerüchteküche

Um die Blütenpracht von Schnittlauch ranken sich Mythen und Gerüchte. Es heißt, blühender Schnittlauch sei giftig oder zumindest ungenießbar. Wir laden Sie ein zu einem kurzen Exkurs, der aufräumt mit Irrtümern und Missverständnissen rund um die Schnittlauch-Blüte.

Wenn im Juni die malerische Blütezeit beginnt, durchläuft Schnittlauch einen Wandlungsprozess. Bis dahin begeistert die heimische Kräuterpflanze mit saftigen, zarten Röhrenblättern, die vielen Speisen besondere Würze verleihen. Mit Beginn der Knospenbildung erheben sich kräftige Stängel über dem grasartigen Horst, die eine schwere Blütenlast zu tragen haben. Zu diesem Zweck werden die Röhren dicker, fester und verholzen. Auf der Strecke bleibt der frisch-würzige Geschmack. Wer jetzt von einem Stängel kostet, wird vom bitteren Geschmack enttäuscht. Das bedeutet nicht, dass die Blütenröhren giftig sind.

In die Blüten investiert Schnittlauch seine gesamte Energie, sodass benachbarte Blätter in Mitleidenschaft gezogen werden. Sukzessive geht das charakteristische Aroma verloren und die Röhren nehmen eine holzige Konsistenz an. Für den Verzehr geeignet sind die Halme nach wie vor, freilich nicht mehr in frühlingsfrischer Premium-Qualität. Für einen kulinarischen Hochgenuss sorgen jetzt die violetten Blütenköpfchen, die kalten Speisen besonderen Pepp verleihen.

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Schnittpflege als Küchenkraut

Steht die Verwendung von Schnittlauch als Küchenkraut im Vordergrund, zielt die Schnittpflege darauf ab, die aromavernichtende Blütezeit hinauszuzögern. Solange die Pflanze keine Knospen und Blüten bildet, profitieren die saftigen Röhrenblätter von der wertvollen Pflanzenenergie. So schneiden Sie Schnittlauch als Küchenkraut richtig:

  • Ab einer Blattlänge von 15-20 cm regelmäßig schneiden
  • Halme zurückschneiden bis zwei Fingerbreit über dem Boden
  • Wichtig: Schnittlauch niemals ausrupfen

Fallen Ihnen bei der Ernte erste Stängel mit Knospen ins Auge, schneiden Sie die Triebe auf 2 Zentimeter zurück. Aus jeder Schnittstelle treiben frische Blätter aus. Solange sich keine Blütenstiele einmogeln, bleibt der zart-würzige Kräutergenuss erhalten.

Hintergrund

Schnittlauch mit Bypass-Schere schneiden

Je glatter Sie die saftigen Röhrenblätter schneiden, desto besser die Erntequalität. Für jede Schnittmaßnahme an Schnittlauch sollte eine Schere mit Bypass-Mechanik bereit liegen. In dieser Version verfügt das Werkzeug über zwei scharfe Klingen, die das krautige Gewebe auch dann noch glatt zerteilen, wenn es bereits holzig wird. Alternativ verwenden Sie ein scharfes Küchenmesser. Nicht empfehlenswert für Schnitt und Ernte ist eine Amboss-Schere mit einer scharfen und einer stumpfen Seite, weil hier Quetschungen am Schnittlauch vorprogrammiert sind.

Herbstschnitt begünstigt winterlichen Würzgenuss

Als heimische Staude zieht Schnittlauch im Beet vor dem Winter seine krautigen Pflanzenteile ein. Es überwintert lediglich der Wurzelballen mit seinen vielen frostfesten Zwiebelchen im Schutz des Erdreichs. Damit Sie während der kalten Jahreszeit nicht auf frisches Kräutervergnügen verzichten müssen, hat sich folgende Strategie gut bewährt:

  • Mit Handschaufel oder Messer ein Stück abtrennen und ausgraben
  • Alle Triebe auf 2 cm zurückschneiden
  • Ballenstück mit mehreren Zwiebeln in einen Topf mit Kräutererde einpflanzen und angießen

Auf der hellen, warmen Fensterbank setzt eingeräumter Schnittlauch sein Wachstum munter fort. Stimmen Sie die Wasser- und Nährstoffversorgung auf die reduzierten Lichtverhältnisse ab. Halten Sie beim Ernteschnitt weiterhin Ausschau nach Blütenstängeln. Wo sich die Kräuterpflanze gut aufgehoben fühlt, ist der Versuch einer winterlichen Blüte keine Seltenheit mit allen geschilderten negativen Folgen für würzige Gaumenfreuden.

Tipps

Die Blütezeit durch Schnittmaßnahmen hinauszuzögern resultiert häufig in einem Ernteüberschuss, den die Küche nicht sogleich verarbeiten kann. Indem Sie die frischen Blätter einfrieren, legen Sie einen schmackhaften Vorrat an. Brausen Sie die Halme ab mit klarem Wasser und zerschneiden sie in kleine Stücke. Eingefüllt in eine Gefrierdose und eingefroren in der Tiefkühltruhe bleibt der unverwechselbare Aroma viele Wochen nahezu vollständig erhalten.

Schnittpflege als Blütenstaude

Gärtner ohne ein Faible für den würzigen Kräutergeschmack integrieren dennoch Schnittlauch in den fantasievollen Pflanzplan. Es ist die verschwenderische und farbenfrohe Blütezeit, die dekorative Akzente setzt im Staudenbeet. Jetzt sind die violetten Blütenköpfchen herzlich willkommen, sodass eine andere Schnittführung in den Fokus rückt. So schneiden Sie Schnittlauch als Blütenstaude vorbildlich:

  • Bester Zeitpunkt ist im Spätherbst
  • Wichtig: alle Pflanzenteile müssen komplett eingezogen und abgestorben sein
  • Blätter büschelweise mit einer Hand umfassen
  • Mithilfe von Staudensichel oder Messer zurückschneiden bis auf 5 cm

Zweifellos ist verwelkter Schnittlauch nur noch ein Schatten seiner selbst. Gleichwohl sollten Sie sich mit dem Rückschnitt gedulden, bis alle Blätter vertrocknet sind. In dieser Übergangsphase verlagert die Staude sämtliche Nährstoffreserven aus den oberirdischen Trieben in die unterirdischen Überdauerungsorgane in Gestalt von Zwiebeln. Je praller gefüllt die Energiedepots, desto üppiger der frische Austrieb und opulenter die Blütenpracht im nächsten Jahr.

Zierlauch wie Schnittlauch schneiden

Ein naher Verwandter ergänzt sich ausgezeichnet mit der Blütenpracht von Schnittlauch. Zierlauch ist ebenfalls Teil der vielseitigen Allium-Gattung. Sein Markenzeichen sind große, violette Blütenbälle, die auf Augenhöhe durch das Staudenbeet schweben. Schon während der Blütezeit ziehen die ersten Blätter ein. Damit daraus entstehende Lücken dekorativ verschlossen werden, macht sich Schnittlauch als Unterpflanzung nützlich. Im Spätherbst schneiden Sie beide Stauden in einem Arbeitsdurchgang bis kurz über dem Boden zurück.

Exkurs

Teilung bewahrt jugendliche Staudenfrische

Unabhängig davon, ob Sie Schnittlauch als Kräuterpflanze oder Blütenschönheit kultivieren, sollten Sie die Staude alle paar Jahre teilen. Bester Zeitpunkt ist im Herbst, wenn ohnehin ein Rückschnitt auf dem Pflegeprogramm steht. Kürzen Sie alle Triebe bis auf zwei Fingerbreit über der Wurzelscheibe ein. Daraufhin graben Sie das Wurzelgeflecht aus. Ziehen Sie mit beiden Händen den Ballen auseinander, um die zahlreichen Zwiebelchen schonend zu trennen. Jedes Teilstück pflanzen Sie am neuen Standort ein. Dank dieser Verjüngungskur startet Ihr Schnittlauch nochmals durch mit frischem Elan.

Häufig gestellte Fragen

Sind Schnittlauch-Blüten essbar?

Die Gartenpraxis hat erwiesen, dass die Blüten essbar und sehr schmackhaft sind. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Schnittlauch sei mit der Blüte grundsätzlich nicht mehr für den Verzehr geeignet. In der Tat sind die frischen Halme kurz vor Beginn der Blütezeit besonders aromatisch. In der Folgezeit geht das Aroma verloren und die Halme werden holzig. Als Küchenkraut ist Schnittlauch dennoch zu verwenden, solange Sie die Blütenstängel nicht verzehren.

Schnittlauch möchte ich als Blütenstaude pflanzen, aber auch als Küchenkraut verwenden. Kann das gelingen? Oft heißt es, Schnittlauch dürfe nicht erblühen, wenn man ihn verzehren möchte.

Sie können Schnittlauch durchaus erblühen lassen. Die Blüten sind nicht nur dekorativ, sondern auch essbar. Allerdings werden die Halme nach Beginn der Blütezeit leicht holzig und büßen an Geschmack ein. Optional können Sie die Kräuterpflanze zurückschneiden, woraufhin frische Halme sprießen und geerntet werden können. Alternativ schneiden Sie eine Hälfte der Staude zurück und erfreuen sich an den Blüten der anderen Hälfte.

Meinen prachtvollen Schnittlauch im Topf habe ich regelmäßig geerntet, jedoch nach der Blütezeit nicht radikal verschnitten. Jetzt ist die Pflanze welk und fleckig. Was tun?

Schnittlauch in Premium-Qualität ist auf einen regelmäßigen Rückschnitt angewiesen. Die Pflanze treibt innerhalb einer Woche kräftig wieder durch und liefert aromatischen Nachschub für die Küche. Schneiden Sie daher alle Triebe zurück und verabreichen einen organischen Kräuterdünger.

Ist Schnittlauch winterhart und mehrjährig?

Schnittlauch ist eine heimische Staude und daher zuverlässig winterhart. Bis heute sind Wildarten in freier Natur zu entdecken in Feuchtwiesen und Flussauen. Im Winter ziehen die oberirdischen, krautigen Triebe ein. Lediglich der frostfeste Wurzelballen mit vielen Zwiebeln überwintert tief im Boden und treibt im nächsten Frühjahr wieder aus.

Sollte ich Schnittlauch im Beet nach dem letzten Schnitt mit Winterschutz ausstatten?

Im Pflanzjahr ist es vorteilhaft, die Beetstelle mit einer dicken Schicht aus Laub und Nadelreisig zu bedecken. Vor allem in winterrauen Regionen schützen Sie die zarten Zwiebeln auf diese Weise vor strengem Frost und Dauernässe. Ab dem zweiten oder dritten Standjahr hat sich die Kräuterstaude soweit etabliert, dass sie aus eigener Kraft den Winter überdauert. Das gilt nicht für Schnittlauch im Topf. Hinter den Gefäßwänden sind die Zwiebeln angreifbar für klirrende Kälte. Ein wärmender Wintermantel aus Vlies beugt Frostschäden effektiv vor.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Schnittlauch wird seinem Ruf als Kräuterschatz nicht gerecht, wenn Sie einer Blütenbildung freie Hand lassen. Welche weiteren Schnittfehler die Premium-Qualität beeinträchtigen, bringt diese Tabelle auf den Punkt:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
Knospende Triebe nicht ausgelichtetvorzeitiges Ende der aromatischen Premium-QualitätTriebe mit Knospen und Blüten zeitnah abschneiden
Röhrenblätter ausgezupftgeringerer Ernteertrag, Totalausfallimmer 2-5 cm über dem Boden abschneiden
stumpfes Schneidwerkzeug verwendetgequetschte Blätter, Fäulnisbildungscharfes Messer oder Bypass-Schere verwenden

Tipps

Beginnend mit dem ersten Ernteschnitt treiben junge Röhrenblätter häufig mit braunen Spitzen aus. Das ist kein Grund zur Besorgnis, sondern eine normale Reaktion auf den vorherigen Schnitt ins saftige Pflanzengewebe. Wer sich an der rein ästhetischen Beeinträchtigung stört, kappt vor dem Verzehr einfach die bräunlichen Blattspitzen.

Text: Paula Jansen

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