Mückenlarven – Naturschätze, Fischfutter und Plagegeister

Mückenlarven sind weit mehr, als ein Quell lästiger Stechmücken. Die sommerlichen Plagegeister versperren den Blick auf zahllose Mückenlarven-Arten, die sich als unschätzbare Nahrungsquelle für Wassertiere und Vögel nützlich machen. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede von schwarzen, weißen und roten Mückenlarven mit vielen Tipps & Tricks. Wie Sie Mückenlarven im Wasser bekämpfen oder als Fischfutter züchten, erfahren Sie hier.

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Mückenlarven lieben abgestandenes Wasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Mückenlarven durchlaufen vier Stadien der Entwicklung und leben überwiegend im Wasser.
  • Massenhaftes Vorkommen macht Mückenlarven zu einem wichtigen Bestandteil der Nahrungskette, primär für Fische und Vögel.
  • Rote, weiße und schwarze Mückenlarven dienen als Fischfutter im Teich und Aquarium oder sind Ziel von Bekämpfungsmaßnahmen in Garten und Wohnung.

Rote Mückenlarven im Porträt – Naturschätze und Nahrungsquelle

Rote Mückenlarven sind Meister der Anpassung, clevere Überlebenskünstler und leben zumeist im Wasser. Die filigranen, schlanken Larven sind reich an wichtigen Nährstoffen und leben in riesigen Schwärmen. Diese Attribute machen rote Mückenlarven zu wertvollen Naturschätzen und einer unerschöpflichen Nahrungsquelle für Fische. Aus roten Mückenlarven schlüpfen Zuckmücken mit einer Lebensdauer von wenigen Tagen. Im Gegensatz zu einigen Artgenossen stechen Zuckmücken nicht und saugen kein Blut. Wichtige Infos rund um rote Mückenlarven fasst folgendes Porträt zusammen:

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Aussehen und Lebensraum – Steckbrief

Rote Mückenlarven sind der Nachwuchs von Zuckmücken, die sich in riesigen Schwärmen zum Hochzeitstanz versammeln. Im Anschluss an die Begattung in der Luft, werfen die Weibchen zahlreiche Eier über einer Wasseroberfläche ab oder heften kleine Eipakete im Ufer an. Viel Zeit bleibt den Insekten für die Familiengründung nicht, denn als Imago leben Tanzmücken nur wenige Tage. Aus den Eiern schlüpfen rote Mückenlarven. Wichtige Erkennungsmerkmale und bevorzugte Lebensräume bringt folgender Steckbrief auf den Punkt:

  • Körperform: schlank, wurmförmig mit Kopfkapsel und markanten Mundwerkzeugen
  • Zusammensetzung: 3 Brustsegmente mit 1 Paar Stummelfüße vorne, 9 Hinterleibssegmente mit Nachschieber
  • Farbe: rot (Nutzung von Hämoglobin zwecks Sauerstoffversorgung)
  • Bewegungsrhythmus: schlängelnd
  • Haupt-Lebensräume: stehende und fließende Gewässer mit Süß- oder Salzwasser, seltener Ufersubstrate
  • Ernährung: Algen und Schwebstoffe, Schwimmblätter, leere Larvenhüllen
  • Thermische Resistenzen: hitzebeständig bis 51° Celsius und frostfest

Die überwiegende Mehrheit der in Mitteleuropa bekannten 570 Zuckmücken-Arten praktiziert im Larvenstadium eine kluge Überlebensstrategie. Rote Mückenlarven leben in selbst gebauten Röhren, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Im Schutz dieser Gespinste absolvieren die Raupen insgesamt vier Larvenstadien, bis sie sich für wenige Tage verpuppen, als fertige Zuckmücken schlüpfen und federleicht in die Lüfte erheben zum Hochzeitstanz.

Lebenszweck und Verwendungsmöglichkeiten

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Rote Mückenlarven sind eine Leckerei für Fische

Rote Mückenlarven sind für Fische ein begehrter Leckerbissen. Ein breit gefächertes Artenspektrum sorgt für Nachschub zu jeder Jahreszeit. Es gibt Vorfrühlingsarten (März/April), Frühlingsarten (April/Mai), Sommerarten (Juni/Juli) und Herbstarten (September/Oktober). Hauptschlüpfzeit ist im Sommer, wenn Mückenlarven als Nahrungsquelle ohnehin am dringendsten benötigt werden. Häufig heften sich die Larven mit ihren Röhren an die Wasseroberfläche, was sie zu leichter Beute macht. Nicht nur Amphibien bedienen sich an der reichhaltigen Nahrungsquelle, sondern auch heimische Vögel sowie Zugvögel.

Besitzern von Fischteich, Aquarium und Terrarium sind die Vorzüge der Larven von Zuckmücken nicht entgangen. Aus diesem Grunde sind rote Mückenlarven getrocknet oder als Frostfutter in den meisten Fachgeschäften sowie im Internet zu kaufen.

Tipps

Erfahrene Angler wissen, wenn rote Köder an der Angelrute baumeln, sind neugierige und hungrige Fische nicht fern. Perfekt geeignet sind getrocknete, rote Mückenlarven, die Hegefischern und Wettkampfanglern beste Fangquoten bescheren.

Mückenlarven nach Farbe unterscheiden

Im Reich der Mücken liegen Freud und Leid eng beieinander. Vor allem Stechmücken machen uns das Leben drinnen und draußen zur Hölle, wenn die Biester es auf unser Blut abgesehen haben. Gut zu wissen, dass die Farbe von Mückenlarven verrät, welche Mücken-Art nach der Verpuppung schlüpfen wird. Folgende Tabelle erläutert die Unterschiede:

NameLarven vonStechende Art ja/neinLebensraumGeeignet als
Rote MückenlarvenZuckmückenneinWasser und ErdeFischfutter, Reptilienfutter, Köder
Weiße MückenlarvenBüschelmückenneinWasserFischfutter, Reptilienfutter, Köder
Schwarze MückenlarvenStechmückenjaWasserFischfutter, Reptilienfutter, Köder

Die hohe Wertschätzung für Rote Mückenlarven beleuchtet obiges Porträt im Detail. Schwarze Mückenlarven rufen hingegen zwiespältige Gefühle bei Menschen hervor, weil sie sich in die verhassten Stechmücken verwandeln. Das ist freilich den Fischen im Teich und Aquarium einerlei, denn ihnen munden die Larven ungeachtet der Artzugehörigkeit. Weiße Mückenlarven repräsentieren die Minderheit unter heimischen Arten und sind in freier Natur seltener anzutreffen, als rote und schwarze Larven.

Mückenlarven im Pool – Was tun?

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Mückenlarven haben optisch mit Mücken wenig gemein

Ein Pool zieht Mückenweibchen magisch an, um die einladende Wasseroberfläche als Ablageplatz für Eier zu nutzen. Innerhalb kurzer Zeit wimmelt es im Pool von Mückenlarven, die uns die Freude am Schwimmen vergällen. Ohne Gegenmaßnahmen schlüpfen daraus Heerscharen von Stechmücken, die Jagd machen auf menschliche Blutspender. Diesem dreisten Treiben können Sie einen Riegel vorschieben, indem Sie Mückenlarven im Pool bekämpfen. Folgende Methoden haben sich in der Praxis gut bewährt:

  • Mückenlarven entfernen mit einem Poolsauger
  • Alternativ Mückenlarven vernichten mit einer Filterpumpe, idealerweise einer Sandfilteranlage
  • Hausmittel zum Abtöten von Mückenlarven: Spülmittel ins Poolwasser geben

Vorbeugend empfehlen wir, nach jedem Schwimm-Vergnügen das Wasser mit einer Poolplane abzudecken. Attraktiver für das Erscheinungsbild des Pools und ebenso wirksam in der Prävention ist die Installation von Wasserspielen. Mückenlarven haben geringe Überlebenschancen, wenn die Wasseroberfläche ständig in Bewegung ist. Darüber hinaus empfehlen wir, die Poolchemie im Auge zu behalten. Primär den pH-Wert sollten die regelmäßig kontrollieren. Werte unterhalb von 7,2 und oberhalb von 7,6 werden mit adäquaten Pool-Produkten reguliert.

Exkurs

Mückenlarven in der Regentonne vernichten

Die Regentonne zählt zu den gefährlichsten Brutstätten für eine Mückenplage im Garten. Stehendes Wasser interpretieren Mückenweibchen als willkommene Einladung, auf der Oberfläche unzählige Ei-Pakete abzulegen. Ein Teppich aus Mückenlarven kündigt die drohende Stechmücken-Invasion an. Indem Sie die Oberflächenspannung des Wassers aufbrechen, vernichten Sie Mückenlarven nachhaltig. Der Griff zum chemischen Mittel ist tabu, wenn Sie Ihre Gemüsepflanzen ohne Bedenken mit Wasser aus der Regentonne gießen wollen. Als Hausmittel reichen einige Tropfen Spülmittel aus, um das Gewimmel aus Mückenlarven im Wasserfass zu beenden.

Mückenlarven selber züchten – Wie geht das?

Finanzielle Überlegungen stehen nicht im Vordergrund, wenn sich Fischteich-Besitzer oder Aquarianer entscheiden, Mückenlarven selber zu züchten. Sie können rote Mückenlarven getrocknet oder als Frostfutter zum günstigen Preis kaufen. Wichtigstes Motiv für die Züchtung sind die kontrollierten Rahmenbedingungen, aus denen Mückenlarven hervorgehen. Gekaufte Mückenlarven bergen stets die Gefahr, mit Parasiten oder Schadstoffen belastet zu sein. Wir haben erfahrenen Aquarianern über die Schulter geschaut und folgende Optionen für die Züchtung von Mückenlarven herausgefunden:

  • Bottich oder Wanne mit Wasser befüllen, draußen aufstellen, damit Mückenweibchen ihre Eier ablegen
  • Regenfässer bei Freunden abklappern, schwimmende Mückenlarven abschöpfen, daheim im Wasserfass ausbringen
  • Mückeneier an Gewässern selber sammeln, im Wassereimer zu Mückenlarven heranwachsen lassen
  • Wichtig: Gefäß ausbruchsicher abdecken mit Insektennetz oder alten Seidenstrümpfen

Alle Optionen sind behaftet mit reichlich Aufwand und mannigfaltigen Risiken. Rote Mückenlarven schützen sich häufig mit selbst gesponnenen Röhren bis zum Schlüpfen als fliegende Zuckmücken. Um an die Larven zu gelangen als Lebendfutter für Fische, ist vorab der winzige Köcher mit viel Fingerspitzengefühl zu entfernen. An fremden Gewässern einfach Mückeneier und Mückenlarven zu sammeln ohne Erlaubnis des Eigentümers, kann ein juristisches Nachspiel haben.

Mückenlarven bekämpfen – Tipps & Tricks

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Gegenstände, in denen Wasser stehen bleibt, sollten entfernt werden

In wasserreichen Regionen fahren Städte und Kommunen schwere Geschütze auf, um Mückenlarven zu bekämpfen, bevor sie sich in stechende Quälgeister verwandeln. Entlang des Rheins investiert alleine der Verein “Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Mückenplage” jedes Jahr rund vier Millionen Euro, um bis zu zwei Billionen Mückenlarven zu vernichten. Im Visier stehen schwarze Mückenlarven, die zu den gefürchteten Stechmücken mutieren. Von den gesammelten Erfahrungen der Experten können Hobbygärtner profitieren für eine effektive Bekämpfung der Plagegeister draußen und drinnen. Praktische Tipps & Tricks haben wir im Folgenden für Sie zusammengetragen:

Mückenlarven draußen bekämpfen

Ein bewährtes Mittel für die Bekämpfung von Mückenlarven kommt aus dem Reich der Bakterien. Bacillus thuringiensis israelensis wurde Mitte der 1970er Jahre entdeckt für die biologische Vernichtung von Stechmücken im Larvenstadium. Es handelt sich um eine Unterart des Bakteriums Bacillus thuringiensis und wird seither als Biozid eingesetzt. Innerhalb kurzer Zeit können die Bakterien Mückenlarven im Wasser abtöten, ohne an anderen Tieren oder der Umwelt Schäden zu verursachen. Zu den Top-Produkten auf dem Markt mit diesem Wirkstoff und zugelassen für die Anwendung im Haus- und Kleingarten zählt Neudorff Stechmücken-frei. So wenden Sie das Mittel sachkundig an:

  1. Biozid in Tablettenform kaufen
  2. Anwendung Regentonne: in je 50 Liter 1 Tablette zerstoßen und mit einem Holzstab einrühren
  3. Anwendung im Teich: je 1000 Liter 1 Tablette zerkleinert ins Teichwasser geben
  4. Bekämpfung alle 4 Wochen wiederholen
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Mückenlarven in der Regentonne lassen sich auf verschiedene Arten vermeiden

Anhand einer Sprudelwirkung können Sie kontrollieren, ob das Mittel seine Aufgabe erfüllt. In einem Wasserfass sind innerhalb von 2 bis 3 Stunden sämtliche Mückenlarven vernichtet. Die Wirkungsdauer im Teich hängt ab vom Wasservolumen. Da es sich bei Bacillus thuringiensis israelensis um ein sehr spezifisches Mittel handelt, werden dabei andere Wasserbewohner nicht in Mitleidenschaft gezogen, wie Fische, Frösche oder Kröten. Nachteilig ist zu bewerten, dass die Bakterien nicht nur schwarze Mückenlarven töten, sondern auch harmlose weiße und rote Mückenlarven daran glauben müssen.

Mückenlarven drinnen vernichten

In Wohnräumen konzentriert sich die Bekämpfung von Mückenlarven vornehmlich auf Maßnahmen zur Vorbeugung. Vermeiden Sie potenzielle Brutstätten. So machen Sie es richtig:

  • keine offenen Flüssigkeiten herumstehen lassen
  • Trinknapf von Hund und Katze täglich auskippen, reinigen und frisch auffüllen
  • Wasser aus Topf-Untersetzern entfernen spätestens 10 Minuten nach dem Gießen
  • kein gefülltes, offenes Wasserglas auf den Nachttisch stellen
  • nasse Bade- und Küchenschwämme immer wegräumen

Unterschätzen Sie den feuchten Ausguss in Bad und Küche nicht als potenziellen Nistplatz für Mückenlarven. Gießen Sie täglich einen gehörigen Schwall siedend heißes Wasser in die Öffnung, machen Sie Stechmücken-Weibchen einen Strich durch die Rechnung. Ergänzend empfehlen wir, regelmäßig alle Abflussöffnungen im Haus mit Bürste und Essigwasser gründlich zu schrubben.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange brauchen Mückenlarven zum Schlüpfen?

Mückenlarven absolvieren vier Stadien der Entwicklung bis zur Verpuppung. Je nach Art und Lebensraum, erstreckt sich dieser Zeitraum über einige Wochen bis zu mehreren Monaten. Die längste Zeit ihres Lebens verbringen Mücken daher als Larven. Das Puppenstadium macht nur wenige Tage aus, wobei der Schlupf selbst bei roten Mückenlarven innerhalb weniger Sekunden und bei schwarzen Mückenlarven innerhalb weniger Minuten stattfindet.

Was hilft gegen Mückenlarven im Pool?

Kaufen Sie einen Poolsauger mit Teleskopstange. Mit diesem Gerät saugen Sie Mückenlarven von der Wasseroberfläche einfach ab. Sofern Ihnen diese Methode zu zeitaufwändig ist, installieren Sie eine Sandfilteranlage, um Mückenlarven aus dem Pool zu entfernen. Kostengünstiger gelingt es mit Spülmittel, das Sie auf die Wasseroberfläche träufeln. Das bricht die Oberflächenspannung auf und die Mückenlarven versinken. Diese Verfahrensweise hat den Vorteil, dass Sie in erster Linie schwarze Mückenlarven von Stechmücken abtöten. Rote Mückenlarven hingegen atmen über die Haut und werden verschont.

Ich möchte Mückenlarven züchten als lebendes Fischfutter. Was fressen Mückenlarven eigentlich?

Mückenlarven pflegen sehr unterschiedliche Lebensweisen. Die meisten Arten leben im Süß- oder Salzpassen und passen darauf die Ernährung ab. Auf dem Speiseplan stehen zumeist Abbaustoffe des Wassers sowie winzige Algen. Einige Mückenlarven-Arten lassen sich auf Wasserpflanzen nieder, um an den Schwimmblättern zu knabbern. Fernerhin gibt es räuberische Arten, die sich von anderen Insektenlarven ernähren. Weiße Mückenlarven beispielsweise machen gerne Jagd auf Wasserflöhe. Wenn Sie Mückenlarven selber züchten, hängt folglich der Ernährungsplan von der jeweiligen Art ab.

Rote Mückenlarven sind für welche Fische geeignet?

Ob Sie Rote Mückenlarven im Teich oder Aquarium füttern, hängt von der Zusammensetzung der Fische ab. Machen Sie sich vorab vertraut mit dem Steckbrief jeder Zierfisch-Art, die sich im Wasser tummelt. Viele Süßwasser- und Salzwasser-Fische haben Rote Mückenlarven zum Fressen gern und können diese Ernährung gut vertragen. Hierzu gehören Stichlinge, Karpfen und Goldfische. Einigen Fischen bereitet der Verzehr hingegen Verdauungsprobleme, wie den exotischen Cichliden.

Tipps

Sind listige schwarze Mückenlarven Ihrer Aufmerksamkeit entgangen und schwirren jetzt als dreiste Stechmücken umher? Dann basteln Sie sich mit Hausmitteln eine effektive Mückenfalle. In eine kleine Schale füllen Sie 200 ml Wasser, 2 EL Apfelessig, 1 EL Zucker sowie 1 Tropfen Spülmittel. Überziehen Sie die Schale straff mit Klarsichtfolie, die Sie mit einer dünnen Nähnadel einstechen. Gierig zwängen sich Stechmücken durch die perforierte Folie. Beim Versuch, von der Flüssigkeit zu naschen, versinken die Plagegeister rettungslos.

Text: Paula Jansen
Artikelbilder: frank60/Shutterstock, Bukhta Yurii/Shutterstock, Manfred Ruckszio/Shutterstock, ThamKC/Shutterstock

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