Igel

Mähroboter im Juni: Die unterschätzte Gefahr für Igeljunge in Ihrem Garten

Mähroboter erleichtern die Gartenarbeit erheblich, doch für heimische Wildtiere bergen sie ein hohes Risiko. Besonders im Juni, der Wurfzeit der Igel, werden die autonomen Geräte zur tödlichen Gefahr für den gut versteckten Nachwuchs.

Die zunehmende Verbreitung von Mährobotern fällt zeitlich mit einem schleichenden Rückgang der Igelbestände in Mitteleuropa zusammen. Während der Komfortgewinn der vollautomatischen Rasenpflege offensichtlich ist, wird die Schattenseite dieser Technik oft unterschätzt. Mähroboter verursachen regelmäßig schwere Schnittverletzungen bei Igeln. In den Jahren 2022 und 2023 dokumentierte das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) 370 Fälle von Schnittverletzungen an Igeln durch elektrische Gartenpflegegeräte. Fast die Hälfte dieser Tiere überlebte nicht.

In hohem Gras und unter Hecken bauen Igelmütter im Juni ihre Nester für den Nachwuchs.

Warum der Juni zur Hochrisiko-Zeit für Igel wird

Die Fortpflanzungsbiologie des Igels bedingt, dass ausgerechnet der Juni in vielen Gärten zur kritischen Phase wird. Nach dem Winterschlaf und der Paarungszeit im späten Frühjahr fallen viele Würfe in Mitteleuropa in die Monate Mai bis Juli. Im Juni sind Igelmütter häufig trächtig oder säugen bereits wenige Wochen alte Jungtiere in ihren Nestern.

Diese Nester liegen typischerweise in Hecken, unter Sträuchern, in Laubhaufen oder in der dichten Krautschicht am Rand von Rasenflächen. Genau hier drehen Mähroboter ihre Runden. Die Neugeborenen sind zunächst blind, taub und nahezu ohne Stacheln. Sie sind vollständig auf die Mutter angewiesen und bleiben in den ersten Lebenswochen im Nest. Gegen Ende Juni beginnen die Jungtiere mit ersten Erkundungsgängen in der näheren Umgebung. Da sie noch unerfahren sind und wenig Gefahrenbewusstsein zeigen, ist das Risiko einer Kollision mit dem Mähroboter in dieser Zeit extrem hoch.

Einrollen statt Flucht: Das fatale Verhalten der Tiere

Infografik: Der Einroll-Reflex des Igels schützt vor natürlichen Feinden, versagt aber bei Mährobotern.
Der natürliche Schutzreflex des Igels wird ihm bei Mährobotern zum Verhängnis.

Ein zentrales biologisches Merkmal macht Igel für Mähroboter besonders verwundbar: ihre Verteidigungsstrategie. Igel sind keine Fluchttiere. Bei Gefahr stellen sie ihr Stachelkleid auf und rollen sich zu einer Kugel zusammen. Dieses Verhalten schützt sie vor natürlichen Feinden wie Füchsen, versagt jedoch völlig gegenüber mechanischen Geräten.

Mähroboter arbeiten sehr leise und bewegen sich langsam. Für viele Wildtiere stellt dies kein offensichtliches Warnsignal dar. Der Igel nimmt das Gerät oft nicht als unmittelbare Bedrohung wahr oder reagiert durch Einrollen, statt zu fliehen. Er bleibt regungslos an Ort und Stelle liegen und gerät so unweigerlich in den Bereich der rotierenden Messer.

Sensoren und Technik: Warum Mähroboter Igeljunge nicht erkennen

Moderne Mähroboter sind mit Stoß-, Neigungs- und Hubsensoren ausgestattet. Einige Modelle verfügen über Ultraschall oder Kamerasensorik. Dennoch zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass diese Technik nicht ausreicht, um kleine Wildtiere zuverlässig zu schützen.

Experimentelle Crashtests der Universität Aalborg haben belegt, dass keines der getesteten Mähroboter-Modelle kleinere Igel rechtzeitig erkannte. Die Geräte verursachten in der überwiegenden Mehrheit schwere Schnittverletzungen. Dabei spielt auch das Messerdesign eine Rolle:

  • Feststehende Messer: Verursachen meist sehr schwere, tiefe Schnittwunden oder abgetrennte Gliedmaßen.
  • Fliehkraftmesser: Diese kleinen, freischwingenden Klingen klappen bei Widerstand theoretisch weg. In den Tests schnitten sie etwas besser ab, verletzten die Tiere aber dennoch erheblich, insbesondere wenn die Igel klein waren.

Die wichtigste Regel für den Igelschutz: Lassen Sie Mähroboter ausschließlich tagsüber fahren.

Konkrete Schritte: So schützen Sie Igeljunge in Ihrem Garten

Der Europäische Igel ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) eine besonders geschützte Art. Es ist verboten, die Tiere zu verletzen oder ihre Ruhestätten zu zerstören. Mit wenigen Anpassungen bei der Rasenpflege können Sie den Schutz der Tiere gewährleisten.

  1. Schritt 1: Betriebszeiten anpassen
    Lassen Sie den Mähroboter ausschließlich tagsüber laufen. Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Wenn der Roboter ab dem späten Nachmittag bis zum nächsten Morgen ruht, vermeiden Sie die meisten direkten Begegnungen mit erwachsenen Tieren und ausfliegenden Jungtieren.
  2. Schritt 2: Randbereiche kontrollieren
    Suchen Sie vor dem Start des Mähroboters die Ränder der Rasenfläche, Bereiche unter Hecken und hohes Gras systematisch ab. Hier befinden sich häufig die Nester der Igel.
  3. Schritt 3: Mähkanten und Abstände einrichten
    Verlegen Sie das Begrenzungskabel so, dass der Roboter nicht bis tief unter Hecken oder in dichte Bodendecker fährt. Lassen Sie einen ungemähten Randstreifen stehen. Dieser dient Insekten als Lebensraum und Igeln als sicherer Rückzugsort.

Tipp

Wenn Sie einen Laubhaufen oder dichtes Gestrüpp im Garten entfernen möchten, tun Sie dies im Juni nur äußerst behutsam per Hand. Nutzen Sie keine Freischneider oder Mistgabeln, ohne vorher das Innere vorsichtig auf Igelnester geprüft zu haben.

Typische Fehler, die Sie vermeiden sollten

Infografik: Übersicht der sicheren Mähzeiten am Tag und der gefährlichen Zeiten in der Nacht.
Passen Sie die Mähzeiten an den Biorhythmus der nachtaktiven Gartentiere an.

Trotz guter Absichten kommt es bei der Gartenpflege oft zu Fehlern, die Wildtiere gefährden. Folgende Praktiken sollten Sie im Frühsommer dringend vermeiden:

  • Nachtbetrieb des Roboters: Der Betrieb in der Dämmerung und Nacht ist die häufigste Ursache für schwere Igelverletzungen.
  • Blindes Vertrauen in die Technik: Verlassen Sie sich nicht auf die Werbeversprechen von „igelsicheren“ Sensoren. Die Praxis zeigt, dass kleine Jungtiere von den Geräten schlicht überfahren werden.
  • Zu tiefer Schnitt: Ein extrem kurz gehaltener Rasen bietet Insekten keine Nahrungsgrundlage. Da Igel sich von Würmern, Käfern und Insekten ernähren, entziehen Sie ihnen damit die Lebensgrundlage im Garten.

Indem Sie der Natur im Juni etwas mehr Raum lassen und den Einsatz automatischer Gartengeräte bewusst steuern, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz direkt vor Ihrer Haustür.

Quellen

  • Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW): Dokumentation von Schnittverletzungen an Igeln durch Gartenpflegegeräte (2022/2023).
  • Universität Aalborg: Experimentelle Crashtests zur Erkennung von Igeln durch Mähroboter.
  • Bundesministerium der Justiz: Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), Schutzstatus des Europäischen Igels.