Die Früchte des Essigbaums – Geheimnisvoll und spannend

Essigbäume entwickeln im Herbst massenhaft Samen, auch wenn kein männliches Exemplar in der Nähe steht. Das ist eine ganz besondere Vermehrungsstrategie. Die Früchte verbergen noch mehr interessante Details, die sich die Menschen seit Jahrhunderten zunutze gemacht haben.

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Die Früchte des Essigbaums sind nicht nur hübsch anzusehen

Erscheinung und Verbreitung

Im August entwickeln sich aus den weiblichen Blüten kleine Steinfrüchte, die jeweils einen Durchmesser von vier Millimetern besitzen. Sie bestehen aus einen Kern und entwickeln kein fleischiges Nährgewebe. Der Same wird von rötlich bis braunen Haaren umgeben. Im September sind die Früchte reif.

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Typisch für die Essigbäume ist eine Fruchtbildung ohne vorherige Befruchtung der weiblichen Blüten. Das ermöglicht den Gehölzen eine massenhafte Vermehrung. Die Samen werden oft von Vögeln gefressen und auf diese Weise weit verbreitet. Zum Keimen benötigen die Samen Kontakt zur Erde und direktes Licht. Sie keimen nicht unterirdisch.

Giftigkeit

Die Pflanzenteile des Essigbaums sind nur leicht giftig. Die Giftwirkung wird hauptsächlich von Gerbstoffen hervorgerufen, die in großen Mengen verzehrt zu Beschwerden im Magen-Darm-Bereich führen können. Die weit verbreitete Annahme, dass der Essigbaum giftig ist, hat einen anderen Ursprung. In der Gattung Rhus gibt es zahlreiche giftige Arten, die dem Essigbaum ähnlich sind. Als Ziergehölz ist der eigentliche Essigbaum Rhus typhina von Bedeutung.

Nutzung

Die nordamerikanischen Ureinwohner nutzten die Früchte verschiedener Arten der Gattung Rhus für medizinische Zwecke. Sie zeigten positive Wirkungen bei Lungenerkrankungen. Die Früchte dienen zur Herstellung eines vitaminreichen Erfrischungsgetränks, das als „Indian Lemonade“ bekannt wurde. Noch heute sammeln Kinder in Kanada und Nordamerika traditionell die Fruchtstände, um daraus das rötliche Getränk herzustellen.

Die säuerlich schmeckenden Samen eignen sich auch für den direkten Verzehr. Sie erfrischen und löschen den Durst. In Essig eingelegt sondern die Fruchtstände ihr säuerliches Aroma ab. In getrocknetem Zustand werden die Samen als Gewürz für Reistöpfe, Salate und Fleischgerichte oder für die Zubereitung von säuerlichen Tees mit einem pikanten Aroma verwendet. Sie können sich mit den Fruchständen selbst eine Gewürzmischung herstellen, die im Libanon unter der Bezeichnung „Zahtar“ verwendet wird:

  • Fruchtstände trocknen
  • dunkelrot verfärbte Samen abstreifen
  • Samen in einer Gewürzmühle mahlen oder mörsern
  • mit Thymian mischen

Text: Christine Riel
Artikelbild: Zeljko Vranjkovic/Shutterstock

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