Baumharz entfernen, nutzen und weiterverarbeiten

Baumharz ist das flüssige Gold des Waldes. Doch bei Autofahrern und Haustierbesitzern sorgt das goldene Naturprodukt für Ärger. Die Eigenschaften von Harz machen es zu einem gefürchteten und gleichzeitig beliebten Stoff. Seine Anwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielseitig.

baumharz
Für die einen ein Heilmittel für die anderen ein Fleckenverursacher

Was ist Baumharz?

Harz ist ein Stoffwechselprodukt verschiedener Bäume, welches aus den Inhaltsstoffen Kolophonium und Terpentin besteht. Wird die Rinde eines Baums verletzt, erhöht dieser die Produktion des Naturstoffs. Die zähflüssige und klebrige Masse tritt aus den Harzkanälen aus, die den gesamten Baum durchziehen. Sie verschließen die Wunde, indem sie an der Luft trocknen und verhärten. Dabei verflüchtigen sich die ätherischen Öle. Geruch, Konsistenz und Farbe von Baumharz unterscheiden sich je nach Baumart.

  • tropisches Baumharz: Elemi, Kopal
  • ostindisches Baumharz: Dammar
  • fossiles Baumharz: Bernstein

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Exkurs

Fossiles und rezentes Harz

Das Harz, welches noch heute lebende Bäume ausscheiden, wird als rezentes Harz bezeichnet. Dagegen ist fossiles Harz als Bernstein bekannt. In einer Mine in Myanmar wurde ein Bernstein gefunden, der mehr als 99 Millionen Jahre alt sein soll. Er enthält rund 40 verschiedene Arten von Land- und Meeresbewohnern.

Milben, Tausendfüßern, Fliegen und Spinnen wurden für die Ewigkeit erhalten, doch die Forscher fanden eine Sensation. Neben vier Schalen von kleineren Meeresschnecken hat das Baumharz einen Ammoniten eingeschlossen. Dieser Bernstein ist das einzige Exemplar mit einem fossilen Kopffüßer aus dem Meer.

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Harz schließt Insekten für die Ewigkeit ein

Harz entfernen

Es ist ärgerlich, wenn sich Harz in der Kleidung, im Fell von Hund und Katze oder auf Holz befindet. Die klebrige Masse lässt sich meist nur schwer aus der Jeans, vom Zelt oder von der Haut entfernen. Um die unschönen Rückstände von Fliesen oder dem Sägeblatt zu entfernen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im Handel werden verschiedene Baumharzentferner wie Sonax angeboten, doch auch mit Hausmitteln lässt sich die klebrige Masse meist problemlos entfernen.

 MittelAnwendung
aus HaarenButtereinreiben und ausspülen
vom Autolackalkoholhaltiger Türschlossenteiservorsichtig abtupfen
aus KleidungSpeiseöleinreiben und anschließend waschen
von Händenpflegendes Baby-Ölsanft einreiben und abspülen
aus HundefellBallistolaufsprühen und mit einem Tuch abwischen
vom ParkettNivea-Cremevorsichtig mit einem Lappen abwischen
vom KunststoffCola, ZitronensäueFleck tränken und abwischen

Eigenschaften von Harz

Naturharz ist nicht wasserlöslich und kann daher nicht mit purem Wasser entfernt werden. Es verfestigt sich bei normalen Temperaturen und wird bei Wärme wieder flüssig. Baumharz löst sich sowohl in Fett als auch in Alkohol.

Wenn Sie Flecken mit Öl aus Textilien entfernen möchten, müssen Sie anschließend die Fettflecken herauswaschen. Fett lässt sich bei hohen Temperaturen ab 60 Grad leichter entfernen, sodass nur geeignete Kleidungsstücke auf diese Weise gesäubert werden sollten. Vom Lack des Autos oder von der Autoscheibe können Sie Harzflecken auch mit warmem Wasser entfernen.

Diese Mittel eignen sich zur Fleckentfernung

  • Verflüssigen: warmes Wasser oder Heißluftföhn
  • Verdünnen: Universalverdünner, acetonfreier Nagellackentferner, Rasierschaum
  • Lösen: Speiseöl, Kriechöl, Ballistol, Spiritus

Was tun, wenn sich Harz in den Autolack eingebrannt hat?

Vielen Autofahrern ist Baumharz negativ bekannt, denn die klebrige Substanz ist nur schwer vom Auto oder dem Fenster wegzubekommen. Schädlich ist das Naturprodukt für den Lack zwar nicht. Je länger der Harz auf dem Lack bleibt, desto mehr verhärtet sich die Natursubstanz und macht das Säubern umso schwieriger.

Eingebranntes Harz lässt sich mit einem Terpentinersatz entfernen. Befeuchten Sie ein Mikrofasertuch mit der Flüssigkeit und tupfen Sie die Stelle ein. Lassen Sie das Mittel etwas einziehen und bearbeiten Sie anschließend den Harzfleck mit dem weichen Tuch. Nach und nach wird das Harz abgetragen. Diese Methode hinterlässt keine Rückstände und ist schonend für den Lack.

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Was kann man mit Baumharz machen?

Das Naturprodukt wird für vielseitige Zwecke genutzt. Kolophonium ist das bekannteste Harzprodukt, das aus den Säften von Fichte und Kiefer gewonnen wird. Es dient zur Behandlung der Bogenhaare, die auf Geigenbögen gespannt sind. Kolophonium findet auch Verwendung als Klebstoff für Heftpflaster. Im 15. Jahrhundert wurde Harz als Bindemittel für Farbpigmente genutzt. Solche Öl-Harz-Farben sind noch heute beliebt und werden bevorzugt für Lackierungen verwendet. In Griechenland dient das Harz der Aleppo-Kiefer als Aromazusatz zu einem Wein, der unter dem Namen Retsina bekannt wurde.

Baumharz ist ein altbekannter Stoff, der nicht nur als Kleber verwendet wird.

Baumharz kaufen

Baumharz ist als festes Produkt oder flüssiges Erzeugnis erhältlich. Achten Sie beim Kauf auf Bio-Qualität, denn als Naturprodukt ist reines Baumharz frei von Zusatzstoffen. Um flüssiges Baumharz zu erhalten, können Sie die Harzstücke schonend erhitzen. Durch Wasserdampfdestilation wird das ätherische Öl des Harzes extrahiert.

Tipps

Sie müssen sich Harz nicht unbedingt kaufen. Gehen Sie in den Wald und suchen Sie an Nadelbäumen nach Harzperlen. Diese lassen sich einfach weiterverarbeiten.

Kaugummi

Seit der Steinzeit kauen die Menschen auf Baumharz herum. Es war sowohl bei den alten Ägyptern als auch bei amerikanischen Ureinwohner beliebt. Die Maya kauten getrocknetes Harz des Breiapfelbaums, der auch als Kaugummibaum bezeichnet wird. Viele Waldarbeiter kennen Fichtenharz als Kaupech, welches unter Holzfällern auf eine lange Tradition zurückblickt.

Wenn Sie das Naturkaugummi bei einem Waldspaziergang austesten möchten, sollten Sie Ausschau halten nach frischem Fichtenharz. Drücken Sie mit dem Finger darauf. Es sollte weder zu fest noch zu weich sein. Ideal ist es, wenn das Harz rötlich-golden schimmert. Lassen Sie einen kleinen Brocken im Mund aufweichen, bevor Sie ihn kauen. Nach einer Weile wird es sich wie normales Kaugummi anfühlen.

Natürliches Kaugummi aus aller Welt:

  • sibirische Zedernharz-Kaugummi
  • schwedisches Tugg-Kåda aus Fichtenharz
  • Alpengummi aus Föhrenharz, Birkenzucker und Bienenwachs

Salbe selber machen

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Baumharz wird auch gern für Salben verwendet

Die Salbe aus Harz erfreut sich zahlreicher positiver Eigenschaften. Sie wirkt antibakteriell sowie antiviral und wird zum Desinfizieren für Wunden eingesetzt. Die sogenannte Pechsalbe fördert die Durchblutung, lindert Schmerzen und wärmt kalte Füße. Sie wird gegen Muskelverspannung und zum Herausziehen von Splittern angewendet.

Wenn Sie selbst Harz sammeln möchten, sollten Sie nur so viel wie nötig ernten. Um den Baum nicht unnötig zu stressen, werden nur die Harzperlen gesammelt. Ein Holzschaber erleichtert das Sammeln und verhindert, dass das Harz an Ihren Händen kleben bleibt. Lassen Sie immer etwas Harz zurück, sodass die Wunde in der Rinde verschlossen bleibt und nicht erneut anfängt zu bluten.

Zum weiteren Verarbeiten sollten Sie ein feuerfestes Gefäß nehmen, das dreckig werden darf. Es bleiben oft Harzreste zurück. Um das Harz zu reinigen, füllen Sie die Bröckchen in ein Teesieb oder einen Baumwollbeutel. Durch Erhitzen bringen Sie das Harz zum Schmelzen. Es verflüssigt sich und fließt durch das Sieb, während Rückstände ausgefiltert werden.

Rezept:

  1. 30 Gramm Harz mit 100 Milliliter Olivenöl und zwei Esslöffel Ringelblumenblüten langsam erhitzen
  2. 60 Minuten ziehen lassen und Filter entfernen
  3. Öl durch ein Sieb abseihen
  4. Flüssigkeit erneut erwärmen und 13 Gramm Bienenwachs darin schmelzen
  5. unter Rühren abkühlen lassen
  6. in Dosen abfüllen

Räuchern

Reines Baumharz lässt sich wirkungsvoll auf einer Räucherkohle räuchern. Dabei wird die Kohle angezündet und auf eine feuerfeste Schale gelegt. Das Harz erfüllt den Raum mit seinen ätherischen Düften. Ist das Harz vollständig ausgehärtet, können Sie es fein mörsern und in einem Räuchersieb verräuchern. Dieses wird vorher mit einer Sandschicht bedeckt.

Tipps

Sie können sich auch mit einer Alufolie und einem Stövchen behelfen. Legen Sie die Alufolie auf das Stövchen und stellen Sie ein Teelicht darunter.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange hält sich selbst gemachte Harzsalbe?

Harz besitzt konservierende Inhaltsstoffe. Seine antibakteriellen Eigenschaften sorgen zusätzlich dafür, dass die Salbe nicht verdirbt. Eine selbst gemachte Creme ist mindestens zwölf Monate haltbar und kann gekühlt noch länger aufbewahrt werden.

Was sind die Anwendungsgebiete von Propolis-Baumharz-Salbe?

Die Creme ist eine milde Pflege für stark beanspruchte oder empfindliche Haut. Die pflegenden Inhaltsstoffe schützen trockene Haut vor einem übermäßigen Wasserverlust. Raue, rissige und spröde oder schuppige Haut wird durch den Fettfilm weicher und elastischer. Durch die antibakteriellen und desinfizierenden Eigenschaften kann die Salbe auch zum Verschließen von Wunden genutzt werden. Sie ist schmerzfrei und fördert die Wundheilung.

Ist Harz essbar?

Baumharz wird seit Jahrtausenden als natürliches Kaugummi verwendet. Es dient der Zahnpflege, denn es desinfiziert, hält die Zähne weiß und fördert ein gesundes und kräftiges Zahnfleisch. Essen sollten Sie es allerdings nicht. Der Geschmack der verschiedenen Baumharze wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Wenn Sie Baumharz selbst probieren möchten, sollten Sie sich am Geruch orientieren und herausfinden, ob dieser für Sie angenehm ist. Als Kaugummi eignet sich das rötlich-gold schimmernde Harz, dass weder zu flüssig noch vollständig ausgehärtet ist.

Kann man aus Baumharz Schmuck machen?

Baumharz verflüssigt sich beim Erhitzen und kann anschließend in Formen gegossen oder mit den Händen geformt werden. Allerdings behält es nach dem Abkühlen seine klebrigen Eigenschaften und durch Körperwärme wird es wieder weich. Zur Schmuckherstellung eignet sich Kunstharz besser. Beliebt ist das Gießharz, welches in Silikonförmchen gegossen werden kann.

Ist Baumharz giftig für Katzen?

Harz ist reich an ätherischen Ölen, die in hohen Dosen reizend wirken. Daher wird Baumharz gelegentlich als giftig für Katzen eingestuft. Lassen Sie Ihren Vierbeiner daher nicht am Christbaum kratzen und nagen. Wenn Harz das Fell Ihrer Haustiere verklebt, können Sie die Rückstände einfach mit Öl auswaschen.

Text: Christine Riel
Artikelbilder: EugenePut/Shutterstock, hjochen/Shutterstock, sylv1rob1/Shutterstock

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