Wermut

Wermut und seine Inhaltsstoffe: Mehr als nur ein Bitterstoff

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Wermut ist eine alte Heilpflanze mit vielfältigen Inhaltsstoffen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Bestandteile, ihre Wirkung und gibt Einblicke in die sichere Anwendung.

Wermut Inhaltsstoffe

Bitterstoffe im Wermut

Wermut ist bekannt für seine intensiven Bitterstoffe, die aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone stammen. Diese Bitterstoffe sind in einer Konzentration von 0,15 bis 0,4 % im Kraut enthalten und erreichen einen Bitterwert von 15.000 bis 20.000. Der primäre Bitterstoff im Wermut ist das Absinthin. Weitere Bitterstoffe wie Artabsin, Matricin und Anabsinthin tragen zu dem markanten Geschmack bei.

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Die Bitterstoffe im Wermut wirken appetitanregend, da sie die Ausschüttung von Speichel und Magensäure fördern. Dies bereitet den Verdauungstrakt optimal auf die Nahrungsaufnahme vor, indem die Produktion von Verdauungshormonen und Gallensäuren angeregt wird. Somit ist Wermut eine gute Wahl bei Appetitlosigkeit sowie Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen.

Ätherische Öle im Wermut

Das ätherische Öl des Wermuts enthält verschiedene Monoterpene, wobei die Hauptbestandteile Thujon, Thujol und Phellandren sind. Thujon kann in hohen Konzentrationen neurotoxisch wirken und mögliche Symptome wie Benommenheit, Krämpfe und Schädigungen des Nervensystems auslösen. Daher sollte Wermutöl niemals isoliert und in konzentrierter Form verwendet werden. In moderaten Mengen, wie sie in der Pflanze selbst vorkommen, kann Wermut jedoch sicher konsumiert werden.

Weitere Bestandteile des ätherischen Öls sind:

  • Artemisinin: Wirkt gegen Krankheitskeime.
  • Chamazuene: Hat krampflösende Eigenschaften.
  • Sabinen: Trägt zur aromatischen Note bei und hat heilende Eigenschaften.
  • Phellandren: Wirkt entzündungshemmend und kann Schmerzen lindern.

Die ätherischen Öle im Wermut fördern die Durchblutung, wirken anregend und unterstützen bei der Behandlung von Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. In der Aromatherapie wird das Öl selten und dann nur stark verdünnt verwendet, um Krämpfe zu lindern oder die Stimmung zu heben.

Sicherheitshinweise

Wermut sollte vorsichtig verwendet werden, besonders während der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kleinkindern. Beachten Sie immer die empfohlene Dosierung, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Weitere Inhaltsstoffe des Wermuts

Neben Bitterstoffen und ätherischen Ölen enthält Wermut auch Flavonoide, Gerbstoffe und Ascorbinsäure (Vitamin C).

  • Flavonoide: Diese wirken als Antioxidantien und entzündungshemmend, stärken das Immunsystem und schützen die Zellen vor schädlichen freien Radikalen.
  • Gerbstoffe: Besitzen adstringierende Eigenschaften, die Entzündungen lindern und antibakteriell und antiviral wirken.
  • Ascorbinsäure: Wichtig für die Kollagensynthese, stärkt das Immunsystem und wirkt antioxidativ.

Diese Inhaltsstoffe machen Wermut zu einem vielseitigen Heilkraut in der Phytotherapie zur Unterstützung von Verdauung und Immunsystem.

Verwendung von Wermut

Wermut bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in der Pflanzenheilkunde. Hier sind einige der häufigsten Anwendungsgebiete und Methoden, wie Sie das Heilkraut nutzen können:

Medizinische Anwendungen

  1. Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden: Die Bitterstoffe regen die Sekretion von Speichel und Magensäure an, fördern Appetit und Verdauung und helfen bei Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Verstopfung.
  2. Leber- und Gallenprobleme: Wermut unterstützt die Produktion und den Fluss der Galle und trägt zur Entgiftung des Körpers bei.
  3. Menstruationsbeschwerden: Wirkt krampflösend und reduziert Menstruationskrämpfe.
  4. Parasitenbefall: Wermut wird traditionell zur Behandlung von Darmparasiten eingesetzt.

Zubereitungen und Anwendungen

  • Tee: Aus den getrockneten Blättern und Blüten kann ein Tee aufgebrüht werden, der bei Verdauungsproblemen und Appetitlosigkeit hilft.
  • Tinkturen: Alkoholische Extrakte aus Wermut sind besonders wirksam bei Verdauungsbeschwerden.
  • Äußerliche Anwendungen: Umschläge oder Salben mit Wermut lindern Hauterkrankungen und muskuläre Beschwerden.

Kulinarische Anwendung

Wermut wird aufgrund seines bitteren Geschmacks nur in kleinen Mengen als Würzkraut verwendet. Es passt gut zu fettreichen Gerichten und verleiht diesen verdauungsfördernde Eigenschaften.

Anwendung in der Tierhaltung

Wermut wird traditionell dem Futter von Nutztieren beigemischt, um deren Verdauung und Gesundheit zu fördern. Es kann auch als natürliches Insektizid verwendet werden.

Homöopathie und Aromatherapie

In der Homöopathie wird Wermut (Absinthium) zur Behandlung nervöser Zustände und Krämpfe verwendet. In der Aromatherapie wird es stark verdünnt angewendet, um die Stimmung zu heben oder Krämpfe zu lindern.

Durch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten hat Wermut einen festen Platz in vielen pflanzlichen Hausapotheken. Nutzen Sie es in moderaten Mengen, um von seinen positiven Eigenschaften zu profitieren.

Darreichungsformen von Wermut

Wermut kann in verschiedenen Darreichungsformen genutzt werden, abhängig vom Verwendungszweck:

Tee

Wermuttee wird aus getrockneten Blättern und Blüten hergestellt. Ein Teelöffel des getrockneten Krauts auf eine Tasse heißes Wasser, etwa 10 Minuten ziehen lassen, bietet bei Verdauungsproblemen und Appetitlosigkeit Linderung.

Tinktur

Eine Wermuttinktur ist ein alkoholischer Auszug aus der Pflanze. Sie wird häufig verwendet, um konzentrierte therapeutische Wirkungen zu erzielen. Die Tinktur kann in kleinen Mengen in Wasser aufgelöst und eingenommen werden.

Fluidextrakt

Wermutfluidextrakte sind konzentrierte, flüssige Zubereitungen der Pflanze. Diese sollten aufgrund ihrer Stärke sorgfältig dosiert werden.

Trockenextrakt

Trockenextrakte des Wermuts sind in Tabletten oder Kapseln erhältlich. Diese Form ermöglicht eine einfache und präzise Dosierung.

Sicherheitshinweise

Wermut bietet viele gesundheitliche Vorteile, doch Vorsicht ist geboten. Hier sind einige wichtige Sicherheitshinweise:

  • Thujon-Gehalt: Der Thujon-Gehalt im ätherischen Öl kann in hohen Mengen neurotoxisch wirken. Vermeiden Sie daher isoliertes ätherisches Wermutöl und halten Sie sich an die empfohlenen Dosierungen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Wermut vermieden werden.
  • Allergien: Personen, die allergisch gegen Korbblütler (Asteraceae) reagieren, sollten Wermut meiden.
  • Kinder und Jugendliche: Sollte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden.
  • Magen-Darm-Geschwüre: Bei bestehenden Geschwüren sollte Wermut nicht eingenommen werden.
  • Gallenstörungen: Bei Gallensteinen oder anderen Gallenstörungen sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Achten Sie darauf, ätherische Öle sparsam zu dosieren und vor Licht geschützt zu lagern. Bei Hautkontakt immer stark verdünnt anwenden und bei Kindern unzugänglich aufbewahren.

Bilder: Oskanov / iStockphoto