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Pappelsamen können sehr weit fliegen

Pappelsamen – der Schnee des Junis

Kennen Sie das, mitten im Frühsommer in ein regelrechtes Schneeflockentreiben hineinzugeraten? Natürlich sprechen wir hier nicht von wirklichen Schneeflocken - sondern von flaumig-weiß beschopften Pappelsamen!

Weiß berieselt mitten im Juni

Nach einem Naturspaziergang im Juni kann man durchaus wie nach einem Gang durch den Winterwald aussehen: Ganz weiß beflockt. Was da herabstiebt, sind natürlich keine Schneeflöckchen, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit Pappelsamen. Die kleinen Gesellen haben aber durchaus Ähnlichkeit mit dem von Kindern im Winter heiß ersehnten Fallgut: Sie sind nämlich mit einem weißen, flaumigen Schopf ausgestattet, der sie wie weiche Flocken aussehen lässt.

Samen mit Gleitschirm

Grund dafür ist, wie bei allen anderen anemochoren (windflügigen) Pflanzen, dass die Pappel sich den Wind als Helfer für ihre generative Fortpflanzung ausgesucht hat. Sie hat also ihre Samen an diesen externen Faktor angepasst und sie mit einer Art Gleitschirm ausgestattet – in Form eines feinen, weißen Haarbüschels, mithilfe dessen der Same einige Meter vom Mutterbaum fortfliegen und sein Glück mit dem Keimen versuchen kann.

Das Büschel macht den Samen auch recht gut schwimmfähig, sodass er sich mit etwas Glück in Flüssen oder Bächen noch viel weiter transportieren lassen kann.

Reife Samen zum Abflug bereit

Das Reifen der Pappelsamen vollzieht sich in den Kapselfrüchten der befruchteten weiblichen Kätzchenblüten. Vermittler für die Bestäubung durch männliche Kätzchenblüten ist übrigens auch der Wind. Wenn die Pappelsamen reif sind, gibt das Blütenkätzchen sie zu ihrer Reise in Richtung Keimgrund frei. Dazu öffnet es die Klappen der Kapselfrüchte und überlässt den Rest dem Wind. Der löst sie heraus und lässt das alljährliche Flöckchentreiben entstehen.

Viele Samen aus vielen Kapseln

Von den Kapselfrüchten und darin enthaltenen Samen an einem weiblichen Kätzchen gibt es sehr viele. Die einzelnen Samen sind dafür nicht besonders gut ausgestattet und haben eine eher geringe Keimchance. Pappeln setzen also bei ihrer generativen Vermehrung auf Quantität anstatt wie andere Pflanzen auf Qualität.

Durch die Vielzahl der durch die Luft gen Boden tanzenden Samen gleicht sich die Fortpflanzungsquote aber unterm Strich wieder aus.

Was Pappelwolle kann

Der Haarschopf der Pappelsamen besteht aus feinen Zellulosefasern. Diese haben neben der Flughilfe auch noch den Zweck, Feuchtigkeit aufzunehmen und den Samen für bessere Keimung zum Aufquellen zu bringen. Vögeln ist die flauschige Pappelwolle ein willkommenes Polstermaterial für ihre Nester. Von Menschen wurde Pappelwolle früher außerdem zur Herstellung von Edelpapier genutzt.

Text: Caroline Strauss Artikelbild: Tatyana Mi/Shutterstock

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