Knoblauch pflanzen mit Verspätung: So klappt’s auch im Winter
Der Herbst ist die klassische Pflanzzeit für Knoblauch – doch nicht immer klappt es termingerecht. Wer den optimalen Zeitraum zwischen September und November verpasst hat, muss die Saison aber nicht abschreiben. Auch in den Monaten Dezember, Januar, Februar und Anfang März lässt sich Knoblauch noch erfolgreich stecken, wenn die Bedingungen stimmen. Die Ergebnisse fallen zwar etwas bescheidener aus als bei der Herbstpflanzung, aber mit der richtigen Vorbereitung ist eine ordentliche Ernte durchaus realistisch.
Warum Knoblauch Kälte braucht
Knoblauch gehört zu den Gemüsearten, die eine mehrwöchige Kältephase benötigen, um sich in einzelne Zehen aufzuteilen. Dieser Vorgang wird als Vernalisation bezeichnet: Die Zehen müssen über vier bis acht Wochen Temperaturen unter 10 °C ausgesetzt sein, damit sich später eine vollständig geteilte Knolle bildet. Ohne ausreichenden Kältereiz entstehen häufig sogenannte Rundlinge – einzelne, ungeteilte Knollen ohne die typische Zehenstruktur.
Für die verspätete Pflanzung ist das zunächst eine gute Nachricht: Der Winter liefert die nötige Kälte von selbst. Wer im Dezember oder Januar pflanzt, gibt den Zehen noch genügend Zeit, den natürlichen Kältereiz im Boden mitzunehmen. Selbst im Februar reicht die verbleibende Kälteperiode in vielen Regionen Deutschlands noch aus.
Herbstpflanzung vs. Winterpflanzung: Wo liegen die Unterschiede?
Die Empfehlung, Winterknoblauch zwischen September und November zu stecken, hat nachvollziehbare Gründe. Die Zehen nutzen die milden Herbstwochen, um ein kräftiges Wurzelsystem aufzubauen, ruhen dann über den Winter und starten im Frühjahr mit einem deutlichen Vorsprung. Das Ergebnis sind größere Knollen und eine frühere Ernte ab Juni oder Juli.
Bei der Winterpflanzung muss mit folgenden Einschränkungen gerechnet werden:
- Kleinere Knollen: Die kürzere Wachstumszeit führt in der Regel zu etwas geringerer Knollengröße.
- Spätere Ernte: Je nach Pflanztermin verschiebt sich die Ernte von Juni auf Juli, August oder sogar September.
- Kürzere Vernalisation: Besonders bei einer Pflanzung Ende Februar oder Anfang März kann die verbleibende Kälteperiode knapp werden, vor allem für Hardneck-Sorten.
- Langsamere Wurzelbildung: In kaltem Boden entwickeln sich Wurzeln langsamer. Der Wachstumsvorsprung der Herbstpflanzung lässt sich nicht vollständig aufholen.
Die Unterschiede sind spürbar, aber nicht dramatisch. Vor allem bei einer Pflanzung im Dezember oder Januar bleiben sie gering.
Das Zeitfenster Monat für Monat
Dezember
Der Dezember ist als Pflanztermin besser geeignet, als viele annehmen. Solange der Boden nicht komplett durchgefroren ist, lassen sich die Zehen problemlos setzen. Sie bekommen den gesamten Hochwinter mit und sammeln ausreichend Kältereiz. In milderen Lagen Süd- und Westdeutschlands ist der Boden im Dezember oft noch gut bearbeitbar. Das Ergebnis fällt kaum schlechter aus als bei der Herbstpflanzung.
Januar
Der Januar gilt als letzter wirklich guter Termin für Winterknoblauch. Milde Phasen, in denen das Thermometer einige Tage über null klettert, sollten für die Pflanzung genutzt werden. Die Zehen verwenden den restlichen Winter, um unter der Erde Wurzeln zu bilden. In den meisten Jahren reicht die Kälte im Januar noch vollständig für eine gute Vernalisation aus.
Februar
Ab Februar wird es enger. Die verbleibende Kälteperiode ist kürzer, und in milden Wintern kann sie unter Umständen nicht mehr ausreichen. In kälteren Regionen – Mittelgebirgslagen oder Norddeutschland – funktioniert eine Februarpflanzung dennoch gut. Softneck-Sorten sind hier im Vorteil, da sie weniger auf eine lange Vernalisation angewiesen sind. In milden Lagen empfiehlt sich eine Kühlung der Zehen im Kühlschrank als Ersatz (dazu weiter unten mehr).
Anfang März
Anfang März markiert den spätestmöglichen Termin, der noch zur Winterpflanzung gezählt werden kann. Eigentlich beginnt hier bereits der Übergang zur klassischen Frühjahrspflanzung (Mitte Februar bis Mitte April). Die Knollen werden tendenziell kleiner. Wer Anfang März steckt, erntet in der Regel im August oder September. Mit vorgekeimten Zehen lässt sich der Nachteil etwas ausgleichen.
Die richtige Sortenwahl
Nicht jede Knoblauchsorte eignet sich gleich gut für die verspätete Pflanzung. Die zwei großen Gruppen – Hardneck (steifstielig) und Softneck (weichstielig) – unterscheiden sich in wichtigen Punkten:
| Merkmal | Hardneck | Softneck |
|---|---|---|
| Kältetoleranz | Hoch, benötigt Frost | Mittel, kommt mit weniger Kälte aus |
| Knollengröße | Größer, weniger Zehen | Kleiner, mehr Zehen pro Knolle |
| Geschmack | Intensiv, aromatisch | Milder |
| Lagerfähigkeit | 4–7 Monate | 8–12 Monate |
| Geeignet für | Pflanzung Dez./Jan. | Pflanzung Feb./März |
| Sortentipps | Thüringer Rot, Chesnok Red | Thermidrome, Germidour |
Für Dezember und Januar eignen sich Hardneck-Sorten gut, da sie den vollen Kältereiz noch mitnehmen. Für Februar und März sind Softneck-Sorten die sicherere Wahl.
Tipp
Supermarkt-Knoblauch ist als Pflanzgut ungeeignet. Er stammt meist aus südlichen Regionen, ist nicht an mitteleuropäische Winter angepasst und kann mit Keimhemmern behandelt sein. Besser geeignet ist zertifizierter Pflanzknoblauch von Saatguthändlern oder aus regionalem Anbau.
Knoblauchgrün als Zusatznutzen
Sollten die Knollen bei sehr später Pflanzung kleiner ausfallen als erhofft, gibt es einen willkommenen Nebenertrag: Knoblauchgrün. Die frischen, grünen Triebe lassen sich wie Schnittlauch verwenden und haben ein mildes Knoblaucharoma. Über Salate, Suppen oder Eierspeisen gestreut, bereichern sie die Küche – unabhängig davon, wie groß die Knollen am Ende werden.

Auch das Knoblauchgrün findet in der Küche Verwendung
Fazit
Die Herbstpflanzung bleibt der Königsweg für Knoblauch im Garten. Wer diesen Termin verpasst hat, kann die Monate Dezember bis Anfang März aber ohne Weiteres nutzen. Je früher innerhalb dieses Zeitfensters gepflanzt wird, desto besser fallen die Ergebnisse aus. Mit der passenden Sortenwahl, einer Mulchschicht und gegebenenfalls vorgekeimten Zehen lässt sich der Nachteil gegenüber der Herbstpflanzung auf ein Minimum reduzieren.
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