Engelwurz

Seit dem Mittelalter fester Bestandteil in jedem Kloster- und Bauerngarten, darf Engelwurz in modernen, naturnahen Pflanzungen nicht fehlen. Die herausragende Heil- und Kräuterpflanze überzeugt zugleich als prächtiger Strukturbildner in kreativen Grünanlagen. Antworten auf fundamentale Fragen zur Kultivierung von Angelica, haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Angelica archangelica
Dem Engelwurz werden engelsgleiche Heilkräfte zugeschrieben

Engelwurz richtig pflanzen

Pflanzen Sie Angelica am sonnigen, nährstoffreichen und frisch-feuchten Standort. In den vorhergehenden 4-5 Jahren sollte sich hier kein anderer Doldenblütler in Kultur befunden haben, um einer Kumulation von Krankheiten und Schädlingen entgegenzuwirken. Während der Wurzelballen der Jungpflanze mit Wasser getränkt wird, bereiten Sie das Erdreich feinkrümelig und frei von Unkraut oder Steinen vor. Die Pflanzung selbst ist im Handumdrehen absolviert:

  • Eine geräumige Pflanzgrube ausschachten, um den Aushub mit Kompost und Hornspänen anzureichern
  • Die junge Angelica austopfen und den Wurzelballen mit den Händen leicht auseinander ziehen
  • Unter Beibehaltung der bisherigen Pflanztiefe die Engelwurz einsetzen und großzügig bemessen angießen

Eine Mulchschicht aus Beinwellblättern, Laub oder Grasschnitt leistet einen wertvollen Beitrag zum Prozess des Anwachsens. Bei trockener Witterung wird die frisch gepflanzte Angelica regelmäßig gegossen, damit die Wurzeln zügig Fuß fassen.

Pflegetipps

Bereits im Rahmen der Pflanzung liegt der Fokus auf einer üppigen Wasser- und Nährstoffversorgung von Engelwurz. Diese beiden Aspekte fungieren auch im weiteren Pflegeprogramm als tragende Säulen einer fachgerechten Kultivierung. So verlaufen Wachstum und Blüte wunschgemäß:

  • Zwischen Pflanztermin und Mitte Juli alle paar Tage gründlich Unkraut jäten, bis das Laub den Boden bedeckt
  • Junge Angelica mehrfach entspitzen für ein buschiges, gut verzweigtes und kompaktes Wachstum
  • Bei ausbleibendem Regen wiederholt und großzügig gießen, ohne Staunässe zu verursachen
  • Von Mai bis zum Ende der Blütezeit alle 14 Tage düngen mit Kompost, Rindenhumus und Beinwelljauche

Mulchen Sie regelmäßig mit Grasschnitt, Brennnessel- und Beinwellblättern oder Laub, hält diese Maßnahme den Boden länger feucht und warm.

Welcher Standort ist geeignet?

Am sonnigen bis halbschattigen Standort werden Sie Ihre Freude haben an einer imposanten Angelica und eine gehaltvolle Ernte einfahren. In Kombination mit einem frisch-feuchten Boden, reich an Nährstoffen und ausgestattet mit einem vitalen Bodenleben, stellt Engelwurz seinen guten Ruf als Heil-, Gewürz- und Zierpflanze unter Beweis. Bedenken Sie bitte die Fruchtfolge für Doldenblütler und wählen einzig eine Lage, an der in den vorhergehenden 4-5 Jahren kein anderes Mitglied dieser Familie angesiedelt war.
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Der richtige Pflanzabstand

Passen Sie den Pflanzabstand an die Wuchsbreite und Höhe an, schaffen Sie ein harmonisches und lückenloses Erscheinungsbild von Engelwurz im Beet. Damit die raumgreifende Angelica sich in Vollendung präsentieren kann, haben wir für die populärsten Arten eine Kurzübersicht der Pflanzabstände für Sie zusammengestellt:

  • Roter Engelwurz mit einer Wuchshöhe von 80-100 cm: Pflanzabstand 100 cm
  • Großer Engelwurz mit einer Wuchshöhe von 100-150 cm: Pflanzabstand 150 cm
  • Echter Engelwurz mit einer Wuchshöhe von 150-250 cm: Pflanzabstand 200-250 cm

Welche Erde braucht die Pflanze?

Damit Engelwurz die gewaltige Biomasse entwickeln kann, bedarf es einer nährstoffreichen, humosen und frisch-feuchten Erde. Je sonniger die Lage, desto ausgewogener sollte der Boden mit Wasser versorgt sein, ohne dass es zu Staunässe kommen kann. Im nahrhaften Boden eines Teichufers fühlt sich Angelica daher hervorragend aufgehoben.

Was ist die beste Pflanzzeit?

Für eine Jungpflanze im Container ist während der gesamten frostfreien Gartensaison Pflanzzeit. Die besten Voraussetzungen für ein prächtiges Wachstum erhält Angelica bei einer Pflanzung im sonnenerwärmten Boden der Monate August bis Oktober. Dann dürfen Sie sich bei der zweijährigen Pflanze bereits im nächsten Sommer über die Blütenballen freuen, aromatische Blätter und gehaltvolle Stängel ernten.

Wann ist Blütezeit?

Ihre ungekünstelte Blüte präsentieren Engelwurz-Arten in der Regel im zweiten Standjahr, um daran anschließend abzusterben. Der Echte Engelwurz (Angelica archangelica) macht dabei den Anfang mit einer Blütezeit von Juni bis August. Prachtvolle Exemplare, wie der Purpur-Engelwurz (Angelica sylvestris), nehmen sich ein wenig Zeit und blühen von Juli bis September. Die seitenständigen Blütendolden unterstreichen den eindrucksvollen Habitus mit grünlichen, weißen, rosa oder roten Kelchblättern.

Engelwurz richtig schneiden

Im Anschluss an ihre erste und einzige Blüte geht Angelica in Saat, um allmählich abzusterben. Sofern die Aussamung im Garten nicht erwünscht ist, schneiden Sie die Blütenbälle rechtzeitig ab. Andernfalls warten Sie diesen Vorgang noch ab, um Engelwurz bodennah abzuschneiden. Der Schnitt für die Ernte setzt bereits weit vor der Blütezeit ein. So sind die Stängel zum Kandieren schön zart, wenn diese zum Zeitpunkt des Austriebs der Blütenstände geschnitten werden. Kurz vor der Blüte befinden sich die Blätter im Zenit ihres wertvollen Gehaltes und werden geschnitten für die Verwendung als Heil- und Küchenkraut.

Engelwurz gießen

Lassen Sie Engelwurz nicht dürsten, denn Trockenstress kann ein vorzeitiges Ende des Pflanzenlebens bedeuten. Gießen Sie an trockenen Sommertagen bei Bedarf in den frühen Morgenstunden und nochmals am späten Abend. Im Kübel sollte täglich der Feuchtigkeitsgehalt des Substrats geprüft werden, um bei angetrockneter Oberfläche sogleich zu wässern. Herrscht im Winter Kahlfrost, versorgen Sie die Pflanze an milden Tagen mit einem guten Schluck Wasser.

Engelwurz richtig düngen

Um die gewaltige Biomasse zu entwickeln, deckt der Boden den hohen Bedarf an Nährstoffen nicht vollständig. Düngen Sie Angelica im Beet daher von April/Mai bis zum Ende der Blütezeit alle 14 Tage mit Kompost und Hornspänen. Da die Pflanze explizit nach Kalium hungert, ergänzen Sie die Kompostgaben mit Beinwelljauche. Im großen Kübel ist wöchentliches Düngen mit einem flüssigen, organischen Präparat zu empfehlen.

Überwintern

Angelica ist vollkommen winterhart. Echter Engelwurz erträgt problemlos Temperaturen bis – 40 Grad Celsius. Dekorative Sorten bieten immerhin noch Kälte bis – 28 Grad die Stirn. Im Beet sind daher keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Behalten Sie dennoch das Wetter unter Beobachtung hinsichtlich Kahlfrost. Bei klirrender Kälte ohne Schneefall kann die Pflanze unter Trockenstress geraten. Gießen Sie daher Angelica im Winter an milden Tagen.

Engelwurz vermehren

Bevor Angelica abstirbt, sorgt sie emsig für jede Menge Nachwuchs mittels Aussamung. Idealerweise lassen Sie der Natur freien Lauf und dünnen einen zu zahlreichen Bestand an Keimlingen später einfach aus. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Sämlinge ab einer Höhe von 10-15 cm auszugraben, um diese am gewünschten Standort in die Erde setzen. Nicht zuletzt dient die Aussaat als klassische Methode der Vermehrung von Angelica. So gelingt die Anzucht hinter Glas von Mitte Februar bis Anfang April:

  • Das frische Saatgut in eine Tüte mit feuchtem Sand legen und verschließen
  • Für 4 bis 6 Wochen deponieren im Gemüsefach des Kühlschranks
  • Anschließend aussäen in Saaterde und bedecken mit Vermiculite
  • Im Zimmergewächshaus bei 25 bis 30 Grad Celsius konstant feucht halten
  • Nach dem Auflaufen die Temperatur senken auf 16 Grad Celsius

Eine Anzucht ab Anfang Juli per Aussaat ist ebenfalls möglich, sofern Sie eine Pflanzung im August anstreben. Auf die vorherige Stratifikation kann in diesem Fall indes nicht verzichtet werden.

Engelwurz im Topf

Im Topf erweist sich die Pflege von Angelica als weitaus aufwändiger als im Beet. Da die Pflanze im Sommer nahezu täglich nach Wasser verlangt und regelmäßig zu düngen ist, entscheiden sich nur wenige Hobbygärtner für diese Version der Haltung. Wählen Sie ein Gefäß, das der mächtigen Rübenwurzel ausreichend Platz bietet. Als Substrat empfehlen wir eine hochwertige Kübelpflanzenerde auf Kompostbasis, die über einer Drainage aus Tonscherben oder Splitt eingefüllt wird. Damit es nicht zu Windwurf kommt, sollte ein entsprechend geschützter Standort für die mächtige Angelica gewählt werden. Nicht zuletzt der Zusatzaufwand für eine erfolgreiche Überwinterung spricht für eine Beetkultur. Damit der Wurzelballen in der exponierten Lage des Topfes nicht durchfriert, sollte er umhüllt werden mit Folie und auf isolierendes Material gestellt werden.

Ist Engelwurz giftig?

Ungeachtet seiner hoch gelobten Heilwirkung und des aromatischen Geschmacks seiner Blüten, Blätter, Stängel und Wurzeln, geht bei den Pflege- und Pflanzarbeiten dennoch eine toxische Gefahr aus. Kommt die Haut mit dem Pflanzensaft in Berührung bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung, ist eine phototoxische Hautreaktion zu befürchten. Tragen Sie daher stets Handschuhe, wenn Sie unter freiem Himmel oder in der sonnendurchfluteten Küche mit Engelwurz hantieren.

Engelwurz blüht nicht

Wundern Sie sich nicht, wenn Engelwurz im ersten Jahr ihre großen Ballblüten nicht präsentiert. Die zweijährige Pflanze konzentriert sich im ersten Standjahr darauf, eine ausreichende Blattmasse zu entwickeln. Erst im darauf folgenden Jahr steht die erforderliche Pflanzenenergie zur Verfügung, um in Weiß, Rosa oder Rot zu erblühen. In der Folge stirbt die Pflanze ab, nachdem sie sich per Selbstaussaat um geeigneten Nachwuchs kümmerte.

Wie und wann wird Engelwurz geerntet?

Als Faustregel für die Ernte von Angelica gilt: Steht die Pflanze erst einmal in Blüte, leidet die Qualität von Blättern, Stängeln und Wurzeln ungemein. Beernten Sie Engelwurz daher so:

  • Engelwurz-Stängel ernten, sobald der Blütenstand im Frühjahr austreibt
  • Die aromatischen Blätter kurz vor der Blüte abschneiden
  • Beste Erntezeit für die Wurzeln ist ebenfalls vor der Blüte

Haben Sie die wertvollen Samen im Visier, warten Sie deren Reife ab und halten einen Papiersack unter die mächtigen Dolden. Durch kräftiges Schütteln fällt das gehaltvolle Saatgut hinein. Achten Sie bei der Ernte der Wurzeln, dass nicht mehr als 5 Prozent der grünen Pflanzenteile sich damit vermischen, um die erwünschte Qualität zu bewahren.

An welchen Merkmalen ist Engelwurz zu identifizieren?

Wer in freier Natur Ausschau hält nach Engelwurz, sollte mit den optischen Kennzeichen vertraut sein. Achten Sie auf folgende Merkmale, die eine Pflanze eindeutig als Angelica identifizieren:

  • Große, ballförmige Doldenblüten in Grünlich-weiß, Rosa oder Rot
  • Blütezeit von Angelica von Mai bis September
  • Mächtige, innen hohle Blütenstängel mit bis zu 200 cm Höhe
  • Blätter erscheinen zwei- oder dreifach gefiedert, mit hellgrüner Spreite

Beziehen Sie Ihre Nase mit ein in die Erkennung von Engelwurz, denn die Blüten verströmen einen angenehmen Honigduft. Brechen Sie einen Stängel ab und zerreiben ihn zwischen den behandschuhten Fingern, duftet er nach Moschus und Apfelsinen.
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Schöne Sorten

  • Vicar’s Mead (Angelica sylvestris): Premium-Sorte mit rosafarbenen Blüten und majestätischer Statur; Wuchshöhe 90-120 cm
  • Solveig (Angelica archangelica): Echter Engelwurz punktet mit hoher Heilwirkung und köstlichem Geschmack; Wuchshöhe 250 cm
  • Große Engelwurz (Angelica giga): Prachtexemplar mit kuppelartigen Blüten in sattem Rot; Wuchshöhe bis 160 cm
Text: Paula Jansen

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