Braunelle bekämpfen oder anbauen

Lesen Sie hier im kommentierten Steckbrief alles Wichtige über die Braunelle. Lernen Sie häufige Prunella-Arten kennen mit Tipps für die Verwendung, Pflanzung und Vermehrung.

braunelle
Das Wildkraut Braunelle kann verzehrt werden

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Prunella
  • Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Gattung: Braunellen mit 7-15 Arten
  • Synonym: Brunella
  • Wuchstyp: krautige Stauden
  • Wachstum: kriechend, Ausläufer-bildend
  • Blatt: wintergrün, immergrün
  • Blüte: rispige Scheinähre
  • Blütezeit: Juni bis Oktober
  • Frucht: Klausenfrucht
  • Winterhärte: winterhart
  • Giftigkeit: nicht giftig, teilweise essbar
  • Verwendung: Bodendecker, Zierstaude, Heilpflanze

Arten

In Deutschland weit verbreitet sind zwei Braunellen-Arten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Folgende Tabelle gibt einen Überblick:

Lesen Sie auch

Prunella-Arten Kleine Braunelle Großblütige Braunelle
Botanischer Name Prunella vulgaris Prunella grandiflora
Synonyme Gemeine Braunelle, Gewöhnliche Braunelle Große Braunelle, Groß-Brunelle
Wachstum kriechend, bodendeckend teppichbildend, aufrechte Blütenstängel
Wuchshöhe 5 cm bis 20 cm 10 cm bis 30 cm
Wuchsbreite 50 cm bis 80 cm 25 cm bis 35 cm
Vorkommen Feuchtwiesen, Waldlichtungen Kalk-Magerrasen, Kalk-Lehmboden
Besonderes Kennzeichen oberstes Blatt direkt unter dem Blütenstand oberstes Blatt 1-5 cm unter dem Blütenstand

Im Zug der Klimaerwärmung breitet sich eine dritte Braunellen-Art von Süden her stetig aus. Die Weiße Braunelle (Prunella laciniata) ist beheimatet am Mittelmeer und an ihren weißen Lippenblüten zu identifizieren. Anzutreffen ist der mediterrane Neuankömmling an steinigen Südhängen, auf trockenen Magerwiesen und in lichten Wäldern.

Blüte

Mit ihren aparten Blüten heimst die Braunelle Sympathiepunkte bei Hobbygärtnern ein. Ein Blick auf den farbenfrohen Blütenstand lässt uns die episch langen Ausläufer vergessen, mit denen sich die Kleine Braunelle als Unkraut unbeliebt macht. Diese Eigenschaften prägen eine Prunella-Blüte:

  • Blütenstand: Scheinähre mit zahlreichen, dicht gedrängten Einzelblüten
  • Blütenstand-Form: eiförmig bis rundlich-eiförmig
  • Blütenstand-Größe: 1 cm bis 4 cm
  • Blütenfarbe: purpur-violett, blau-violett, rötlich-rosa oder weiß
  • Position: endständig

Legen Brunellen ihr Blütengewand an, sind Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge zur Stelle. Mit einem Insektenwert von 4 zählen Gewöhnliche Braunelle und Großblütige Braunelle zu den Trachtpflanzen, die im bienenfreundlichen Garten nicht fehlen dürfen.

Wachstum

Charakteristisch für das Wachstum von Braunellen sind oberirdische, wurzelnde Ausläufer, mit deren Hilfe sich die Stauden auch vermehren können. Auf diese Weise bildet sich ein dichter, bodendeckender Teppich, der von Juni bis Oktober Blüten trägt. Weil sich die Überdauerungsorgane ebenfalls an der Oberfläche befinden, zieht sich eine Braunelle nicht vollständig zurück. Lediglich die wintergrünen Blätter ziehen im Spätwinter kurze Zeit ein und machen den Platz frei für einen frischen Laubaustrieb.

Verwendung

Prunella vulgaris ist die perfekte Wildstaude für eine naturnahe Gartengestaltung. Schön zur Geltung kommt die Kleine Braunelle als blühender Bodendecker unter gemischten Hecken oder einer urigen Benjeshecke. Statt die Gemeine Braunelle als Rasenunkraut zu verteufeln, verwenden kreative Hobbygärtner die Naturschönheit als aparten Fugenfüller auf gepflasterten Wegen. Seit dem Mittelalter ist die Gewöhnliche Brunella als Heilpflanze bekannt mit antibakteriellen und regenerierenden Inhaltsstoffen, wie folgendes Video demonstriert:

Kleine Braunelle mit Tipps für die Verwendung als Heilpflanze

Prunella grandiflora gedeiht mit Stauden-Charakter. Die Großblütige Braunelle macht ihrem Namen alle Ehre und ist hart im Nehmen. Diese Vorzüge empfehlen Groß-Brunella für die Begrünung schwieriger Standorte, wie Dachgärten in voller Sonne oder Baumscheiben im Halbschatten mächtiger Laubkronen. Als Heilpflanze hat die Große Braunelle keine Bedeutung.

Blatt

Die Blätter spielen den grünen Grundakkord im natürlichen Erscheinungsbild einer Braunelle. Dank folgender Blatt-Eigenschaften bleibt der ländliche Charme auch außerhalb der Blütezeit erhalten:

  • Blattform: gestielt, eiförmig-lanzettlich, beidseitig dünn bis locker behaart
  • Größe: 2 cm bis 5 cm lang, 1 cm bis 3 cm breit
  • Blattrand: glatt oder leicht gekerbt
  • Anordnung: gegenständig

Mit ihren tiefgrünen Blättern muntert die Braunelle den tristen Winter auf. In milden Weinbergregionen gedeiht die wintergrüne Wildstaude in der Regel immergrün.

Braunelle pflanzen

Im Naturgarten findet sich die Braunelle häufig von alleine ein. Hobbygärtner müssen die Wildstaude lediglich vermehren und am gewünschten Standort pflanzen. Für eine großflächige Begrünung eignet sich die Aussaat von Samen. Vorgezogene Premium-Sorten zieren als Kübelpflanze Balkon und Terrasse. Wie Sie Prunella richtig pflanzen, lesen Sie hier:

Vermehren

Gedeiht eine Brunella bereits im Garten, können Sie die Staude durch Teilung vermehren. Bester Zeitpunkt ist im Herbst nach der Blütezeit. Ein zweites Zeitfenster öffnet sich im Frühjahr, sobald der Boden aufgetaut ist. Die Ausläufer stechen Sie mit dem Spaten ab. Graben Sie den Wurzelballen aus und legen ihn auf eine feste Unterlage. Zerteilen Sie den Ballen in mehrere Segmente. Jedes Teilstück pflanzen Sie am neuen Standort oder in einen Topf, wie es folgende Kurz-Anleitungen erklären.

Standort

Im Grunde genommen wächst die Braunelle da, wo Sie die Staude hinpflanzen. Am folgenden Standort entfaltet die Wildstaude ihr urwüchsiges Optimum:

  • Prunella vulgaris: sonnige bis absonnige Lage
  • Bodenbeschaffenheit: frisch bis feucht, nährstoffreich, kalkarm
  • Prunella grandiflora: Sonne bis Halbschatten
  • Bodenbeschaffenheit: trocken bis frisch, steinig-sandig bis sandig-lehmig, gerne mit hohem Kalkgehalt

Pflanzen im Beet

Gekaufte oder vermehrte Jungpflanzen kommen in kleinen Gruppen schön zur Geltung. Heben Sie für jede Braunelle eine Pflanzgrube aus mit dem 1,5-fachen Volumen des Wurzelballens. Der richtige Pflanzabstand beträgt 25 Zentimeter. Mischen Sie unter den Aushub eine Handvoll Komposterde oder Hornspäne (9,00€ bei Amazon*) als Startdüngung. Setzen Sie jedes Exemplar genauso tief in die Erde, wie zuvor im Anzuchttopf respektive vor der Teilung. Drücken Sie die Erde mit beiden Händen fest und gießen an.

Pflanzen im Topf

Als Topfsubstrat eignet sich eine Mischung aus torffreier Blumenerde, Kokoserde als Torfersatz und Blähton. Legen Sie bitte eine gewölbte Tonscherbe über die Bodenöffnung zum Schutz vor Staunässe. Die weitere Vorgehensweise entspricht der Pflanzung im Beet.

Aussaat

Für die Verwendung von Braunellen als Bodendecker hat sich im Hobbygarten die Aussaat hervorragend bewährt. Der richtige Zeitpunkt sorgt dafür, dass die Kühlkeimer den erforderlichen Kältereiz auf natürlichem Wege erhalten. Für die Keimung sind im Vorfeld Temperaturen um 5° Celsius für die Dauer von 4 Wochen erforderlich. So säen Sie Prunella-Samen richtig aus:

  1. Bester Zeitpunkt ist im Herbst oder im April.
  2. Am Standort Unkraut jäten, Erde harken und glattziehen.
  3. Samen breitwürfig ausstreuen.
  4. Lichtkeimer leicht in die Erde einarbeiten.
  5. Kleines Saatbeet mit Händen andrücken, großflächiges Saatbeet walzen.
  6. Angießen mit feiner Brause.

Das hauchfeine Saatgut ist sehr ergiebig. In 0,5 Gramm sind 700 Samen enthalten. Für eine gleichmäßige Verteilung empfehlen wir, die Samen mit Vogelsand zu vermischen.

Exkurs

Braunelle zu Lande und in der Luft

Wenig Phantasie bewiesen Botaniker und Ornithologen bei dieser Namensgebung: Der Begriff Braunellen (Prunella) bezieht sich zum einen auf die Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütler, zum anderen auf die Vogelgattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel. Diese Analogie aus deutschem und wissenschaftlichem Namen ist glücklicherweise eine seltene Ausnahme.

Braunelle pflegen

Die Braunelle ist in jeder Hinsicht ein pflegeleichter Selbstläufer. Wasser- und Nährstoffbedarf sind gering. Ein Rückschnitt zur rechten Zeit verlängert die Blütezeit und reguliert die invasive Selbstaussaat. Die besten Pflege-Tipps für Prunella-Arten in Kurzfassung:

  • Gießen: im Beet gießen während sommerlicher Trockenphasen, im Topf regelmäßig gießen bei angetrockneter Erde.
  • Düngen: als Bodendecker im März düngen mit Kompost, im Topf von April bis September alle 14 Tage flüssig düngen.
  • Schneiden: im August verwelkte Blüten ausputzen, im Oktober die Nachblüte abschneiden über den belaubten Trieben.
  • Winterpflege: ohne Schneedecke gelegentlich gießen an milden Tagen, nicht düngen.

Im Beet sind Braunellen winterhart bis – 35° Celsius. Topfpflanzen können draußen überwintern, sofern Sie das Gefäß auf Holz stellen und mit Vlies ummanteln.

Im Rasen bekämpfen

Als ungebetener Gast kann die Kleine Braunelle im Rasen lästig werden. Die kriechenden Ausläufer breiten sich rasant aus und machen edlen Rasengräsern das Leben schwer. So werden Sie das Rasenunkraut wieder los:

  • Vereinzelte Prunella-Nester von Hand ausziehen oder mit Handvertikutierer entfernen.
  • Rasen zweimal jährlich vertikutieren und düngen.
  • Mit Testset den pH-Wert ermitteln und bei einem Wert unter 6 den Rasen kalken.

Im naturnahen Garten hat der pflegeintensive Rasen ausgedient. Auf dem Vormarsch sind ökologisch wertvolle Lösungen als Rasenersatz. Hoch im Kurs stehen trittfester Weißklee und Kleine Braunelle mit einem weißen und blau-violetten Blütenmeer zur Sommerzeit.

Beliebte Sorten

Die Großblütige Braunelle ist die Mutter zahlreicher, wunderschöner Sorten, die sich im Stauden-Beet und auf dem Balkon blütenreich in Szene setzen:

  • Freelander Blue: Großblütige Braunelle mit blauen Blüten von Mai bis Oktober, die wenige oberirdische Ausläufer bildet.
  • Bella Rose: dekorative Prunella grandiflora mit rosafarbenen Blütenständen, horstbildend, Wuchshöhe 20-30 cm.
  • Loveliness: prächtige Garten-Braunelle für das Stauden-Beet begeistert mit hellvioletten Blüten, Wuchshöhe 20-30 cm.
  • Alba: weiße Prunella-Premiumsorte ohne Ausläufer, wie auch im Halbschatten blüht, Wuchshöhe 15-20 cm.
  • Rubra: verzaubert mit kräftig-pinken Blüten von Juni bis September als malerischer Bodendecker, Wuchshöhe 5-10 cm.

FAQ

Ist die Braunelle essbar?

Die weit verbreitete Braunelle ist ein essbares Wildkraut mit gesunden Inhaltsstoffen. Mit einem leicht bitteren Geschmack verleihen Blüten, Blätter und junge Triebspitzen zahlreichen Speisen ein besonderes Aroma. Verwenden Sie blau-violette Braunellen-Blüten als schmackhafte Salatzutat. Junge Blätter verfeinern Gemüse, Suppen oder Soßen und harmonieren delikat mit Quark und Frischkäse.

Was tun gegen Kleine Braunelle im Rasen?

Eine wirksame Methode gegen Kleine Braunelle im Rasen ist regelmäßiges Vertikutieren. Dabei kämmen rotierende Messer die bewurzelten Ausläufer aus. Lokale Prunella-Nester können Sie von Hand ausrupfen oder mit einem Handvertikutierer entfernen.

Welche Heilwirkung hat die Brunella-Pflanze?

Als Heilpflanze ist die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris) seit dem Mittelalter bekannt mit einem hohen Anteil ätherischer Öle und Gerbstoffe. Die Heilwirkung ist antibakteriell, adstringierend, blutstillend und krampflösend. Fernerhin wird dem Wildkraut eine harntreibende Wirkung nachgesagt. Vor der Erfindung von Antibiotika wurde die Brunella-Pflanze unter anderem für die Behandlung von Diphtherie verwendet. Weitere Anwendungsbereiche sind Halsschmerzen, Hautentzündungen, Blähungen, Wechseljahresbeschwerden und Menstruationsschmerzen.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Photo_Olivia/Shutterstock

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