Welche Rattenarten gibt es in Deutschland?

Ratten sorgen regelmäßig für Schlagzeilen, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen. Freilich ist Ratte nicht gleich Ratte. Dieser Ratgeber nennt Rattenarten in Deutschland beim Namen. Informieren Sie sich hier über Aussehen, Merkmale und Lebensweise. Welche Ratten sich als Haustier eignen, erfahren Sie hier.

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Die Hausratte ist DIE Ratte unter den Rattenarten

Das Wichtigste in Kürze

  • Rattenarten in Deutschland sind die Wanderratte oder Kanalratte (Rattus norvegicus) und die Hausratte oder Schiffsratte (Rattus rattus).
  • Wanderratten sind größer, konkurrenzfähiger und flächendeckend verbreitet. Hausratten sind vom Aussterben bedroht.
  • Farbratten sind beliebte Haustiere und stammen ab von Wanderratten.

Große Rattenarten Liste – Fakten im Überblick

Genau genommen sind es lediglich zwei Rattenarten, die uns in Deutschland das Fürchten lehren. Komplettiert wird die kurze Liste durch friedliebende, harmlose Farbratten, die mit sehenswerten Zeichnungen und Farbschlägen begeistern. Folgende Liste und Bilder verdeutlichen herausragende Unterschiede zwischen den wilden, großen Rattenarten und züchterisch aufgehübschten, domestizierten Farbratten:

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Drei Rattenarten in Deutschland
RattenartenWanderrattenHausrattenFarbratten
Kopf-Rumpf-Länge18-26 cm17-22 cm22-26 cm
Schwanz-Länge14-21 cm18-23 cm18-22 cm
Gesamt-Länge32-47 cm35-45 cm40-48 cm
Fellfarbebraun-grau bis braun-schwarzdunkel-braun bis schwarzzahlreiche Farbschläge
Gewicht350-550 g160-210 g200-500 g
LebensraumKanalisationGebäudeKäfig
NahrungspräferenzGetreide, AbfallFrüchte, pflanzliche KostTrockenfutter, Obst, Gemüse
Wissenschaftlicher NameRattus norvegicusRattus rattusRattus norvegicus forma domestica
TrivialnameKanalratteSchiffsratteLaborratte

Hat die kompakte Fakten-Liste Ihr Interesse geweckt für nähere Informationen zu Rattenarten in Deutschland? Dann lesen Sie bitte weiter. Den nüchternen Fakten-Vorhang schieben aufschlussreiche Kurzporträts beiseite. Zum Vorschein kommen individuelle Merkmale und Lebensweisen, die jede Rattenart unverwechselbar machen.

Wanderratte auf dem Vormarsch – Merkmale und Lebensweise

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Wanderratten wandern tatsächlich gern

Anfang des 18. Jahrhunderts packte die Wanderratte das Reisefieber und sie machte sich von Südostasien auf den Weg in Richtung Westen. Russland war für die wanderlustigen Nagetiere das Tor nach Deutschland. Hier fanden die Allesfresser mit einem Faible für dunkle, feuchte Rahmenbedingungen alles, was das Rattenherz begehrt. Wanderratten sind schlau, lernfähig und sehr sozial. Die Nagetiere leben in Rudeln mit bis zu 60 Tieren, die einander am Geruch erkennen. Ein Revier wird mit vereinten Kräften gegen fremde Eindringlinge verteidigt. Was die große Rattenart in Deutschland darüber hinaus auszeichnet, fasst folgender Überblick zusammen:

  • Allesfresser: weggeworfene Lebensmittel, Getreide, Nüsse, Papier, Seife, Pelze, Leder, Vögel, Fische, Eier, Würmer
  • Flexible Aktivität: vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, bei menschlicher Abwesenheit auch tagaktiv
  • Hochentwickelte Sinne: hervorragender Geruchs-, Tast- und Gehörsinn, Vibrissen und Leithaare am ganzen Körper
  • Resistenz-aktiv: rasche Entwicklung von Resistenzen gegen zahlreiche Rattengifte

Ratten sind insbesondere Wirte und Ausscheider von bis zu 120 schweren Krankheitserregern. Hierzu zählen Bandwürmer, Cholera, Ruhr, Toxoplasmose, Tuberkulose Hepatitis sowie das gefürchtete Hantavirus.

Explosionsartige Ausbreitung

Unterirdische Abwassersysteme sind das Refugium von Wanderratten, worauf ihr Zweitname Kanalratte treffend Bezug nimmt. Die Biester lieben ebenfalls Müllplätze, Bauruinen, Gerümpel und dichtes Buschwerk. Solange ein Unterschlupf ausreichend Nahrung bietet, ist er vor gefräßigen Ratten nicht sicher. Gefördert wird die explosionsartige Ausbreitung durch frappierende biologische Eigenschaften.

Ratten können sich erstaunlich schmal machen. Wo der Rattenkopf durchpasst, passt immer auch die ganze Wanderratte durch. Kanalratten kommen eigentlich überall hin, denn sie können geschickt klettern, hervorragend graben, ausdauernd schwimmen und tauchen. Drei Tage pausenloses Schwimmen meistern sie ebenso problemlos, wie drei Minuten Luft anhalten.

Maßgeblichen Beitrag zur flächendeckenden Ausbreitung in Deutschland leistet eine exorbitante Vermehrungsrate. Im Rudel sind die Weibchen zeitgleich fruchtbar und trächtig. Pro Wurf und Weibchen erblicken sechs bis acht Baby-Ratten das Licht der Welt. Innerhalb von drei Wochen ist der Nachwuchs selbstständig und nach drei Monaten geschlechtsreif. Daraus resultieren beängstigende Vermehrungsraten. Ein Weibchen produziert pro Jahr bis zu 500 Kinder und Enkel. Fachleute haben eine theoretische Anzahl von Nachkommen errechnet von nahezu 2000 Tieren pro Weibchen und Jahr. Einzige limitierende Faktoren sind Nahrungsmangel und gezielte Bekämpfungsmaßnahmen.

Ein Klick auf untenstehendes Video gewährt einen erstaunlichen Einblick in die geheime Welt der Wanderratten.

Youtube

Hausratte auf dem Rückzug – Merkmale und Lebensweise

Seit mehr als 2000 Jahren macht die Hausratte den Menschen in Deutschland das Leben schwer. Im direkten Vergleich sind Hausratten ein wenig schmaler und leichter, als gedrungene Wanderratten. Hausratten haben eine spitzere Schnauze, größere Ohren und Augen sowie einen längeren Schwanz, als Kanalratten. Markantere Unterschiede treten zutage hinsichtlich der bevorzugten Wohnlage und favorisierten Lebensweise.

Hausratten haben lieber ein Dach über dem Kopf, am liebsten in unmittelbarer Nähe zum Menschen und seinen Lebensmittelvorräten. Ein warmes, trockenes Plätzchen auf dem Dachboden, in Zwischenwänden oder dem Keller ist ganz nach ihrem Geschmack. Die Nagetiere sind kletterfreudig und machen sich auch vor einem rutschigen Versorgungsrohr nicht bange. Draußen sind die Pelzträger selten anzutreffen. Bei Ratten im Garten handelt es sich zumeist um Wanderratten. Ohnehin haben Sichtungen von Hausratten in Deutschland mittlerweile Seltenheitswert und das aus nachvollziehbaren Gründen.

Mit dem Einmarsch der Wanderratten in Deutschland war das Schicksal der Hausratten besiegelt. Heute haben die robusteren Kanalratten die Population von Hausratten massiv verdrängt. In den meisten Bundesländern steht die Hausratte auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Seit Dachgeschosse zu Wohnraum ausgebaut werden und nicht mehr als Lagerplatz dienen, schrumpft der Lebensraum von Hausratten, was den erfolgreichen Wanderratten zusätzlich in die Hände spielt.

Exkurs

Rattenarten erkennen am Kot

Die besten Bilder wilder Rattenarten in Deutschland entpuppen sich häufig als erkennungsdienstliche Sackgasse, weil sich die nachtaktiven, scheuen Nagetiere nicht blicken lassen. Zumeist sind es lediglich Exkremente, die Sie in Haus und Garten von eingenisteten Ratten zu sehen bekommen. Form, Farbe und Größe von Rattenkot sind aussagekräftige Indizien für eine treffsichere Unterscheidung der beiden großen Rattenarten. Kot von Wanderratten ist schwarz, 1,5-3 cm lang, spindel- oder kegelförmig mit abgestumpften Enden. Kot von Hausratten braun bis dunkelbraun, 0,5 bis 1,5 cm lang und schmal-bananenförmig mit vergleichsweise spitzen Enden.

Farbratten – schöne Rattenarten als Haustier

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Farbratten sind die Haustiere unter den Ratten

Farbratten haben den Ruf gefährlicher Schädlinge abgeschüttelt. Ihre direkte Abstammung von der Wanderratte ist den Zucht-Schönheiten kaum noch anzusehen. Züchterisch modifizierte Laborratten begeistern mit malerischen Fellzeichnungen, sanftem Gemüt, treuer Anhänglichkeit und lassen sich problemlos dressieren. Fernerhin haben die niedlichen Nagetiere keine Krankheitserreger im Gepäck. Sehenswerte Rasse-Züchtungen machen Farbratten zu beliebten und begehrten Haustieren. Folgende Liste gibt einen Einblick in die schönsten Zeichnungen und Farbschläge:

Künstlerische Zeichnungen

Die moderne Farbratte ist Lichtjahre entfernt von der schmutzig-grauen Fell-Uniform wilder Wanderratten. Seit Beginn gezielter Rattenzucht Anfang des 20. Jahrhunderts prahlen Premium-Rassen mit kunstvollen Zeichnungen, die keine Wünsche offen lassen. Folgenden Variationen wird zudem von Experten attestiert, dass die Schönheit nicht zulasten des Tierwohls geht:

  • Blazed: weiße Blesse auf der Stirn
  • Bareback: gefärbt sind Kopf, Hals, Schultern und Brust
  • Hooded: Kopf und Schultern farbig, durchgängiger Rückenstreifen bis zur Schwanzwurzel
  • Husky: weiße Blesse im Gesicht bis zum Hals, farbiger Rückenstreifen, ggf. farbige Flanken
  • Irish: weißer Fleck auf der Brust
  • Variegated: farbiger Kopf, bunt gefleckter Körper auf Ober- und Unterseite

Aparte Farbschläge

Parallel zu ästhetischen, artgerechten Zeichnungen machen Farbratten ihrem Namen alle Ehre mit diesen beliebten Farbschlägen:

  • Agouti: graubraune Wildfarbe, dabei jedes einzelne Haar in der Spitze dunkler und zum Körper hin heller
  • Cinnamon: hellbraun bis zimtfarben in verschiedenen Zeichnungen
  • Pearl: helles Silber
  • Siam: beiger Grundton, dunkle Nase, Ohren, Beine und Schwanz, ähnlich einer Siamkatze
  • Topaz: goldorange Färbung

Nicht zu vergessen sind Albino-Farbratten, die auf jegliche Farbpigmentierung und Zeichnung verzichten. Wer sich einfarbige Rattenarten als Haustier wünscht, sollte Ausschau halten nach Self- oder Solid-Farbratten, die ganz in Schwarz, Creme, English Blue oder Kaffeebraun daherkommen.

Tipps

Die wirklich großen Rattenarten leben in tropischen Regionen. So wurde in 2007 in Neuguinea eine Riesenratte entdeckt mit beeindruckenden 82 Zentimetern Größe und furiosen 1500 Gramm Gewicht. Afrikanische Riesenhamsterratten (Cricetomys) meinen: “Da geht noch was” und bringen es auf bis zu 90 Zentimetern Länge und schwergewichtige 2500 Gramm.

Häufig gestellte Fragen

Warum fehlt die Bisamratte auf der Liste von Rattenarten in Deutschland?

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Die Bisamratte ist – ihres Namens zum Trotz – eigentlich gar keine Ratte

Mit einem gedrungenen Körperbau, dunkler Fellfarbe und langem Schwanz sieht die Bisamratte (Ondatra zibethicus) einer großen Wanderratte zum Verwechseln ähnlich. Aus zoologischer Sicht handelt es sich jedoch nicht um eine Ratte, sondern um eine Wühlmaus. Bisamratten leben vorwiegend in Fließ- und Stillgewässern, ernähren sich von Schilf und Uferpflanzen, meiden die Nähe zum Menschen und sind keine Krankheitsüberträger.

Welche Rattenarten gibt es weltweit?

Der Gattung Ratten werden weltweit 66 Arten zugeordnet, unterteilt in 6 Gruppen. Zur norvegicus-Gruppe zählen die Rattenarten Wanderratte, Himalajaratte und Zentralasiatische Ratte. In der exulans-Gruppe wird die Pazifische Ratte aufgeführt. Zur umfangreichen rattus-Gruppe gehören unter anderem Hausratten, Reisfeldratten sowie die weit verbreiteten Asiatischen Hausratten. In der fuscipus-Gruppe werden primär in Australien beheimatete Rattenarten gelistet. In der leucopus-Gruppe zusammengefasst sind Rattenarten, die auf Neuguinea und benachbarten Inseln leben. Auf Sulawesi und angrenzenden Inseln endemische Rattenarten sind in der leucopus-Gruppe registriert.

Wie viele Ratten gibt es in Deutschland?

Mangels einer amtlichen Ratten-Statistik, kursieren verschiedene Schätzungen. Die Zahlen schwanken zwischen einer und vier Ratten pro Einwohner. Im schlimmsten Fall tummeln sich demzufolge 350 Millionen Ratten in Deutschland. Davon sind rund 95 Prozent Wanderratten und 5 Prozent Hausratten. Hinzu kommen Farbratten, die als Haustiere gehalten werden.

Tipps

Die beiden großen Rattenarten in Deutschland sind gefährliche Krankheitsüberträger. Gemäß Infektionsschutzgesetz besteht für Rattenbefall in Garten und Haus Meldepflicht. Die Sichtung einer einzigen Wanderratte oder Hausratte bedeutet für Grundstückseigentümer, Hausverwalter und Mieter gesetzliche Anzeigenpflicht, deren Nichtbeachtung als Ordnungswidrigkeit geahndet wird.

Text: Paula Jansen

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