Pistazienbaum pflanzen und pflegen

Lesen Sie hier im kommentierten Steckbrief Wissenswertes über die Herkunft vom Pistazienbaum. Wie Sie in Deutschland eine Pistazie richtig pflanzen und pflegen, erfahren Sie hier.

pistazienbaum
Weibliche Blüten werden zu Früchten, die leckere Pistazien enthalten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Pistacia vera
  • Familie: Sumachgewächse (Anacardiaceae)
  • Synonyme: Echte Pistazie, Pistazie
  • Herkunft: Naher Osten, Mittelmeerraum
  • Wuchstyp: Baum oder Strauch
  • Wuchshöhe: 3 m bis 5 m
  • Blatt: gefiedert
  • Blüte: Rispe
  • Frucht: Steinfrucht
  • Fruchteigenschaft: essbar
  • Winterhärte: bedingt winterhart
  • Verwendung: mediterraner Garten, Kübelpflanze

Herkunft

Wo wachsen Pistazien? Der Pistazienbaum zählt zu den ältesten blühenden Kulturpflanzen. Ursprünglich stammt die Pistazie aus dem Nahen Osten. Von dort aus verbreiteten sich die Sumachgewächse mit den nahrhaften Früchten über den Mittelmeerraum. In den 1880er Jahren begann der Siegeszug jenseits des Atlantiks, als Einwanderer die ersten Pistazien nach Amerika importierten. Heute befindet sich das weltweit zweitgrößte Anbaugebiet in Kalifornien. Hauptanbaugebiet ist unangefochten der Iran.

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Namhafte europäische Produzenten sind Griechenland, Italien und Spanien. Pistazienanbau in Deutschland findet primär im Hobbygarten statt.

Pistazien anbauen im Hobbygarten

Blüte

Die Pistazien-Pflanze ist zweihäusig getrenntgeschlechtlich. Männliche und weibliche Blüten gedeihen auf unterschiedlichen Bäumen. Wenn Sie Pistazien aus eigenem Anbau ernten möchten, sind mindestens zwei Bäume zu pflanzen. Fernerhin lassen Insekten einen blühenden Pistazienbaum links liegen, was den Transfer männlicher Pollen auf weibliche Blüten verkompliziert. Folgende Merkmale prägen die Blüte:

  • Blütenstand: rispig, vielblütig
  • Einzelblüte: fünfzählig, grünlich-braun, gelblich, rötlich unscheinbar
  • Blütezeit: April
  • Bestäubung: Wind

Das Zeitfenster für die Windbestäubung ist in Deutschland 4 bis 5 Tage geöffnet. Erfahrene Hobbygärtner helfen daher mit einer manuellen Bestäubung nach und übertragen die Pollen mit einem weichen Pinsel.

Frucht

Im Anschluss an die Bestäubung verwandeln sich weibliche Blüten in knackige Pistazien. Entgegen weit verbreiteter Meinung handelt es sich dabei um Steinfrüchte und nicht um Nüsse. Folgende Tabelle nennt wichtige Fruchteigenschaften:

Fruchteigenschaften Angaben je Frucht Nährstoffe je 100 g frische, geschälte Pistazien Nährwerte je 100 g frische, geschälte Pistazien
Größe 2 m Kalium 1010 mg Kalorien 518 kcal
Fruchthülle grün, gelblich-rötlich-rosa Phosphor 500 mg Fett 52 g
Steinkern-Größe 1,2 bis 1,4 cm Magnesium 160 mg Eiweiß 18 g
Steinkern-Schale nicht essbar Calcium 135 mg Kohlenhydrate 12 g
Farbe beige bis bräunlich Eisen 7,5 mg Ballaststoffe 10 g
Pistazienkerne essbar Natrium 5 mg    
Farbe hellgrün bis grün Vitamin C 7 mg    

Der Ernteertrag ist von extremen Schwankungen geprägt. In der Regel folgt auf jedes Mastjahr ein ertragsarmes Jahr, wie wir es von heimischen Eicheln, Bucheckern und Kastanien kennen.

Pistazienbaum pflanzen

Für den Pistazien-Anbau im Hobbygarten ist es ratsam, im Fachhandel einen veredelten Pistazienbaum zu kaufen. Einkaufsquellen in Deutschland sind dünn gesät. Im Frühling bestehen gute Chancen, dass Sie bei flora-tosakana.de oder zitronenlust.de fündig werden. Wann, wo und wie Sie einen Pistazienbaum richtig pflanzen, erfahren Sie in folgenden Abschnitten.

Pflanzzeit

Beste Pflanzzeit für Pistazien ist Mitte Mai bis Anfang Juni. Nach den Eisheiligen ist die Gefahr nächtlicher Bodenfröste überstanden. Für bereits gekaufte Pistazienpflanzen nutzen Sie die Wartezeit bis zur Pflanzung für eine Abhärtung. Stellen Sie die Bäumchen tagsüber an einen hellen, warmen Platz und räumen die Pflanzen abends wieder ein.

Standort

Im Sommer bevorzugt die Pistazie trocken-heißes Wüstenklima für ein ertragreiches, gesundes Wachstum. Alle wichtigen Standortbedingungen im Überblick:

  • Vollsonnig, warm bis brütend-heiß.
  • Kübelpflanzen vorzugsweise am regen- und windgeschützten Platz auf Balkon oder Terrasse.
  • Im Wintergarten oder Wohnraum idealerweise auf der Südseite des Hauses.
  • Ausgepflanzt in Regionen der Winterhärtezonen Z7 und Z8.
  • Bodenbeschaffenheit: durchlässig, sandig-trocken, kalkhaltig, pH-Wert 7 und höher.

Im Kübel pflanzen

In Deutschland wird die Pistazie überwiegend im Kübel angebaut. Als mobile Kübelpflanze sind Standortwechsel problemlos möglich bei Spätfrösten oder für den Umzug ins Winterquartier. Das optimale Substrat ist eine Mischung aus Kübelpflanzenerde und anorganischen, grobkörnigen Zuschlägen für eine lockere Durchlässigkeit. Gut geeignet sind Blähton, Lavagranulat,(14,00€ bei Amazon*) Sand oder feinkörniger Splitt.(14,00€ bei Amazon*) Verwenden Sie einen Teil der Zuschläge als Drainage auf dem Topfboden.

Im Beet pflanzen

Am Standort mit mediterranem Mikroklima kann ein Pistazienbaum sehr groß und sehr alt werden. Im botanischen Garten der Universität Bonn können Sie als lebenden Beweis einen Pistacia-Methusalem unter freiem Himmel bewundern. Achten Sie bei der Pflanzung bitte auf einen großzügigen Pflanzabstand von mindestens drei Metern. Pistazien-Wurzeln sind sehr empfindlich und vertragen eine Umpflanzung nur schlecht. Empfehlenswert ist eine Drainage im Pflanzloch aus Splitt oder grobem Sand.

Exkurs

Pistacia-Traumpaar Peter und Kerman

Wenn Sie einen Pistazienbaum kaufen, sollte es stets im Doppelpack sein. Unschlagbares Dream-Team für den privaten Pistazien-Anbau in Deutschland sind das Pistacia-Männchen Peter und seine bessere Hälfte, die Pistazien-Dame Kerman. Im Anschluss an die Bestäubung ernten Sie nach 16 Wochen Reifezeit knackige Pistazien der Königsklasse mit süßlich-zartem Geschmack.

Ernten

Geerntet werden Pistazien nach einer Reifezeit von etwa 4 Monaten. Die gelblich-rötlichen Außenschalen platzen auf und geben den Blick frei auf die reifen Pistazienkerne, die umhüllt sind von einer rosa-bräunlichen Haut. Für eine Ernte in Premium-Qualität ist es wichtig, dass die Pistazien nicht mit Erde in Kontakt kommen. Breiten Sie eine Folie oder Decke unter dem Pistazienbaum aus und schütteln den Stamm. Genießen Sie die leckeren Früchte frisch vom Baum, geröstet oder gesalzen.

Pistazienbaum pflegen

Der Pistazienbaum ist sehr pflegeleicht. Bescheidene Ansprüche, langsames Wachstum und bedingte Winterhärte prägen das einfache Pflegeprogramm. Die besten Tipps für zwei Pistazienpflanzen in Topform lesen Sie hier:

Gießen

Der Wasserbedarf ist gering. Größte Gefahr für einen Pistazienbaum in Deutschland ist Staunässe und nicht Trockenstress. So gießen Sie Pistazienpflanzen richtig:

  • Kübelpflanzen gießen, wenn das Substrat deutlich getrocknet ist.
  • Normales Leitungswasser auf die Erde laufen lassen, bis erste Tropfen in den Untersetzer laufen.
  • Im Zweifel die Blätter mit kalkfreiem Wasser besprühen und erst am nächsten Tag gießen.
  • Wassergefüllten Untersetzer zeitnah ausgießen, damit sich keine Staunässe bildet.

Frisch gepflanzte Pistazien im Beet sind im ersten Jahr auf regelmäßiges Gießen bei Trockenheit angewiesen. Einen älteren, ausgepflanzten Pistazienbaum müssen Sie überhaupt nicht gießen. In sandig-durchlässiger Erde werden die Wurzeln bis zu 15 Meter lang und erreichen problemlos das Grundwasser.

Düngen

Düngen Sie Pistazienpflanzen im Kübel von April bis September mit einem organischen Bio-Volldünger für Obst- und Gemüse. Geben Sie den Flüssigdünger alle 14 Tage ins Gießwasser. Beet-Pistazien düngen Sie im März und Juni mit Kompost und Hornspänen.(54,00€ bei Amazon*)

Überwintern

Für die Blüteninduktion am Pistazienbaum sind 1000 Stunden bei durchschnittlich 7° Celsius erforderlich, um die Knospenruhe zu brechen. Das ist die maßgebliche Prämisse für das perfekte Winterquartier. So überwintern Sie eine Pistazienpflanze richtig:

  • Kübel im Oktober einräumen, spätestens vor dem ersten Frost.
  • Pistazienbaum hell oder lichtarm überwintern bei 5° bis 8° Celsius (+/- 5° Celsius)
  • Sehr sparsam gießen.
  • Von Oktober bis März nicht düngen.
  • Potenzielle Winterquartiere: ungeheizter Wintergarten, Garage, Treppenhaus, Überwinterungszelt mit Frostwächter.

Im Freiland können Sie einen Pistazienbaum wie einen Granatapfelbaum oder eine Olive überwintern. Überziehen Sie die Krone mit einem atmungsaktiven, lichtdurchlässigen Wintervlies. Mulchen Sie die Baumscheibe 15 cm bis 20 cm hoch mit Laub, Rindenmulch, Stroh und Nadelreisig. Zum Schutz vor Frostrissen umwickeln Sie den Stamm mit Jutebändern.

Umtopfen

Wenn die Wurzeln unter dem Kübelboden herauswachsen, sollten Sie den Pistazienbaum umtopfen. Bester Zeitpunkt ist im Frühjahr, wenn die Pflanze das Winterquartier verlässt. Spülen Sie das alte Substrat unter fließendem Wasser ab, um die empfindlichen Wurzeln nicht zu verletzen. Weil Pistazien so langsam wachsen, steht diese Pflegemaßnahme nur selten auf dem Programm.

Vermehren

Widerspenstig wird der ansonsten so pflegeleichte Pistazienbaum bei der Vermehrung. Stecklinge bewurzeln nervtötend langsam. Für Hobbygärtner einigermaßen erfolgversprechend ist die Aussaat von Pistaziensamen. Folgende Eckdaten sind zu beachten:

  • Zeitfenster: ganzjährig, idealerweise nach der Ernte (nur frische Pistazienkerne keimen zuverlässig).
  • Vorbehandlung: Samen 2 bis 3 Tage lang einweichen in lauwarmem Wasser oder Kamillentee.
  • Saat-Tiefe: Lichtkeimer nur halb mit Substrat bedecken.
  • Aussaat-Erde: Kokoserde oder Kakteenerde mit Lavagranulat und Sand.
  • Keimtemperatur: 18° bis 22° Celsius am hellen Fensterplatz.
  • Keimzeit: 4 bis 6 Wochen.

Für Hobbygärtner mit langjährigem Erfahrungsschatz ist die Stecklingsvermehrung einen Versuch wert. Schneiden Sie im Frühsommer halb verholzte Stecklinge, die Sie zu zwei Drittel entlauben und in durchlässige Kokoserde pflanzen.

Beliebte Sorten

Neben den Premium-Sorten Pistacia vera ‚Peter‘ und Pistacia versa ‚Kerman‘ sind auf dem Markt weitere Angebote zu entdecken für Hobbygärtner, die Pistazien selber anbauen möchten:

  • Mastixstrauch (Pistacia lentiscus): immergrüner Strauch für den Kübel oder ausgepflanzt in wintermilden Regionen.
  • Chinesischer Pistazienbaum (Pistacia chinensis): Ziersorte mit leuchtend gelber Herbstfärbung und roten, pfefferkorngroßen Früchten, die nicht essbar sind.
  • Mount Atlas Pistazie (Pistacia atlantica): laubabwerfender oder halbimmergrüner Pistazienbaum, Wuchshöhe bis 7 m.
  • Terpentinpistazie (Pistacia terebinthus): reich verzweigter Baum oder Strauch, hellgelbe Blütenrispen mit bis zu 20 cm Länge, schöne Fiederblätter mit aromatischem Duft.

FAQ

Ist der Pistazienbaum winterhart?

Ein Pistazienbaum ist bedingt winterhart, denn er verträgt kurzzeitig Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bis -10° Celsius. Für die Kultivierung im Freiland ist die Pistazie primär für Standorte der Winterhärtezonen 7 und 8 geeignet, wie dem wintermilden Rheinland. In allen anderen Regionen Deutschlands ist die Pflanzung im Kübel zu empfehlen.

Wo kann man einen Pistazienbaum in Deutschland kaufen?

Einkaufsquellen für Pistacia vera sind in Deutschland dünn gesät. Wir haben uns für Sie umgeschaut und zwei kompetente Lieferanten für vorgezogene Pistazienpflanzen ausfindig gemacht: flora-toskana.com und zitronenlust.de erfreuen sich guter Kundenbewertungen. Letzterer ist auch bei Amazon vertreten. Für den Kauf von qualitativ hochwertigem Pistacia-Saatgut hat sich sunshine-seeds.de einen guten Ruf erworben.

Wie wachsen Pistazien?

Pistazien wachsen als zweihäusig getrenntgeschlechtliche Bäume oder Sträucher mit bedingter Winterhärte. Weibliche Blüten verwandeln sich nach der Wind-Bestäubung innerhalb von vier Monaten in essbare Steinfrüchte. Von Natur aus sind Pistazienpflanzen immergrün. Im mitteleuropäischen Klima werfen die Gehölze ihr Laub ab. Ausgepflanzte Pistacia erreichen eine Höhe von bis zu 12 Metern. Kübelpflanzen werden 3 Meter bis 5 Meter groß.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Klara Bakalarova/Shutterstock

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