Tomaten ausgeizen – Schritt für Schritt

Nachdem Ihre Tomatenpflanzen im Juni gut angewachsen sind, sollten Sie die Pflanzen regelmäßig ausgeizen. Wann, wie und an an welchen Sorten die Geiztriebe entfernt werden, erfahren Sie im Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tomaten ausgeizen bedeutet, die Geiztriebe in den Blattachseln herausbrechen
  • Geiztriebe sind junge Triebe in den Blattachseln von Tomatenpflanzen
  • Ein Ausgeizen der Seitentriebe fördert das Wachstum der Früchte, da an Geiztrieben nur kleine Früchte wachsen
  • Ein Ausgeizen verringert das Risiko, dass die Tomatenpflanze an der Kraut- und Braunfäule erkrankt

Ab wann, wie oft und warum Tomaten ausgeizen?

Ab wann und wie oft? Beginnen Sie mit dem Ausgeizen, sobald sich erste Seitentriebe bei Ihrer Tomatenpflanze bilden. Kontrollieren Sie Ihre Tomatenpflanzen dann von Juni bis September wöchentlich auf Geiztriebe.

Warum? Das Ausgeizen bringt mehrere Vorteile:

  • In dem Sie die Geiztriebe entfernen, bleibt der Pflanze mehr Energie für die Ausbildung der Tomaten am Haupttrieb.
  • Weiterhin erhöht sich durch das Ausgeizen die Luftzirkulation, die Pflanze trocknet also schneller ab. Dies verhindert die Ausbreitung von Kraut- und Braunfäule.
  • Werden Stabtomaten nicht ausgezeigt, wachsen sie zu einem dichten Busch, der schnell überhängt.

Früher wurden Tomaten konsequent ausgegeizt. Diese Einstellung beginnt sich langsam zu ändern. Etwas später im Jahr müssen die Geiztriebe nicht mehr so konsequent ausgegeizt werden, wie zu Beginn der Saison. Der Pflanze bleibt dann mehr Blattmasse, die sie für den Stoff- und Energiewechsel einsetzen kann. Gegen Saisonende reifen die Früchte damit besser aus.

Aufbau einer Tomatenpflanze – Geiztriebe erkennen

Illustration, die den Aufbau einer Tomatenpflanze zeigt

Aufbau einer Tomatenpflanze. Jede Tomatenpflanze besteht aus einem Haupttrieb, mehreren Seitentrieben, sowie dem Blütenstand.

Geiztriebe erkennen. Zwischen Haupttrieb und Seitentrieb befindet sich die Blattachsel. In dieser Blattachsel entstehen häufig die Geiztriebe.
In der Regel ist der Geiztrieb dünner als der Seitentrieb. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Es kann auch vorkommen, dass der Geiztrieb dicker ist als der Seitentrieb.

Anleitung Tomaten ausgeizen

Illustration, wie eine Tomatenpflanze ausgegeizt wird

Suchen Sie bei Ihrem Rundgang durch den Gemüsegarten gezielt nach neuen Trieben in den Blattachseln der Tomatenpflanzen.

Dünne (weiche) Geiztriebe entfernen

  1. Greifen Sie mit Zeigefinger und Daumen nach dem jungen Trieb
  2. Knipsen Sie den Trieb vorsichtig mit den Fingernägeln ab

Dickere (harte) Geiztriebe entfernen

  1. Verwenden Sie für einen dickeren Trieb eine Gartenschere, um die Pflanze nicht unabsichtlich zu verletzen.
  2. Setzen Sie den Schnitt so nah wie möglich am Stängel an.
  3. Halten Sie die Wunden so klein wie möglich.

Jede kleine Wunde kann ein Tor für Krankheitserreger sein. Verwenden Sie daher eine möglichst scharfe Gartenschere.

Welche Tomatensorten ausgeizen?

Ein Ausgeizen muss nur an Stabtomaten durchgeführt werden, also an eintriebig gezogenen Tomatenpflanzen. Ein Ausgeizen an mehrtriebig wachsenden Tomatensorten wie Cocktailtomaten oder Buschtomaten ist in der Regel nicht notwendig.
Wildtomaten müssen Sie grundsätzlich nie ausgeizen.

Illustration, welche Tomatenpflanzen ausgegeizt werden

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich nicht ausgeize?

Wenn Sie Ihre Stabtomaten nicht ausgeizen, werden Sie zwar mehr Früchte erhalten. Die Pflanze wird jedoch nicht alle Früchte ausreichend mit Nährstoffen versorgen können. Weiterhin wird weniger Sonnenlicht durchdringen. Der Geschmack der Tomaten würde unter beiden Faktoren leiden. Durch die geringere Luftzirkulation würde die Pflanze nach einem Regenguss oder auch nach dem Gießen weniger schnell abtrocknen. Dies würde die Entstehung von Pilzbefall, wie Kraut- und Braunfäule, befördern.

Was passiert, wenn ein Geiztrieb abbricht?

Wenn ein Geiztrieb abbricht, ist das nicht weiter schlimm. Immerhin geht es beim Ausgeizen ja darum, diese Triebe zu entfernen. Entfernen Sie lediglich den verbliebenen Trieb mit den Fingern. Falls es sich um einen bereits dicker gewachsenen Geiztrieb handelt, nehmen sie eine Gartenschere zur Hand und zwicken den Trieb an der Blattachsel ab.

Was passiert, wenn ein Geiztrieb zu groß geworden ist?

Auch große Geiztriebe können Sie entfernen. Verwenden Sie in diesem Fall eine Gartenschere, um die Wunde möglichst klein zu halten. Damit verhindern Sie das Eindringen von Keimen.

Wann sollte das letzte Mal ausgegeizt werden?

Das Ausgeizen sollten Sie beenden, wenn sich die Wachstumsphase der Tomatenpflanze langsam dem Ende entgegenneigt. Bereits ab der zweiten Augusthälfte müssen Sie nicht mehr so konsequent ausgeizen, wie zu Beginn.

Wie viele Triebe sollte ich auf einmal an einer Pflanze entfernen?

Wie viele Triebe Sie von der Tomatenpflanze gleichzeitig entfernen, spielt eigentlich keine Rolle. Entfernen Sie insbesondere in der ersten Saisonhälfte alle Geiztriebe, die zum Vorschein kommen. Zusätzlich sollten Sie alte und kranke Triebe und Blätter regelmäßig mithilfe einer Gartenschere abschneiden. Damit halten Sie die Tomatenpflanze vital und gesund.

Vorteile und Nachteile von Ausgeizen

Vorteile. Durch das Ausgeizen unterstützen Sie den Haupttrieb bei der Fruchtbildung. Es reifen damit große Tomaten heran, die gut ausreifen. Das Auslichten der Pflanze sorgt dafür, dass sie nach einem Regen schnell trocknet.
Es entstehen somit weniger Pilzerkrankungen.

Nachteile. Der größte Nachteil ist die anfallende Arbeit. Wenn Sie nicht gerne ausgeizen möchten, können Sie sich auch für eine Wildtomate entscheiden, bei der diese Pflegemaßnahme nicht notwendig ist.
Ein weiterer möglicher Nachteil ist, dass die Pflanze weniger Früchte ausbildet. Kurz gesagt: Ausgeizen = weniger Früchte, dafür größere. Nicht Ausgeizen = mehr Früchte, dafür kleinere.

Weitere Verwendung der Geiztriebe

Abgeknipste Geiztriebe müssen Sie nicht unbedingt entsorgen, sondern können Sie auf verschiedene Arten verwenden.

Aus Geiztrieben neue Tomaten ziehen

Sie können die Geiztriebe gut nutzen, um eine neue Jungpflanze daraus zu ziehen. Insbesondere wenn es für die Anzucht mit Samen bereits zu spät ist und Ihnen vielleicht schon eine Pflanze abgebrochen ist, beispielsweise durch einen nächtlichen Sturm, ist diese Methode interessant. Um einen Ableger aus der Tomatenpflanze zu erhalten, belassen Sie den Geiztrieb ein wenig länger an der Pflanze. Im Idealfall ist er bereits 15 bis 20 Zentimeter lang. Trennen Sie ihn dann ab und stellen Sie ihn in ein Glas mit Wasser. Entfernen Sie jedoch vorher die untersten Blätter. Der Trieb wird nach etwa eine Woche kleine Wurzeln bilden. Pflanzen Sie den Ableger etwa fünf Tage später in ein frisches Substrat ein.

Mischkultur – Geiztriebe als Abwehr gegen Insekten bei Kohlpflanzen

Sie können die Geiztriebe der Tomatenpflanze auch als Pflanzenschutz für Ihren Kohl verwenden. Werfen Sie die abgezupfte Geiztriebe einfach zum Kohl. Der Kohlweißling mag den intensiven Duft der Tomatenpflanzen nicht, so dass er seine Eier gar nicht erst an die Blattunterseiten der Kohlpflanzen legt. Der Kohl wird so vom Raupenfraß verschont. Idealerweise pflanzen Sie Tomaten und Kohlgewächse gleich nebeneinander ein.

Geiztriebe als Mulchschicht

Am einfachsten verwenden Sie die Geiztriebe als Mulchschicht für Ihre Tomatenpflanzen. Lassen Sie die abgezupften Geiztriebe einfach an Ort und Stelle liegen. Damit tragen Sie dazu bei, dass der Boden nicht so schnell austrocknet. Größere Geiztriebe sollten Sie vorher zerkleinern, damit sich kein Schimmel bildet.

Weitere Pflanzen, die ausgegeizt werden können

Die Methode des Ausgeizens wird nicht nur an Tomatenpflanzen angewendet. Auch das Fruchtwachstum von Paprika, Weinreben, Physalis und Gurken können Sie mit dem Entfernen junger Triebe in den Blattachseln anregen.

Physalis

Was die Physalis betrifft, sind sich nicht alle Gärtner darüber einig, ob ein Ausgeizen sinnvoll ist oder nicht. Prinzipiell gilt auch hier: es kommt mehr Licht an die Blüten und die Früchte reifen besser aus.

Bei der Physalis müssen Sie jedoch beachten, dass sich die Blüten in den Blattachseln bilden. Also genau an jedem Ort, an dem normalerweise ausgegeizt wird. Geizen Sie deshalb unnötige Triebe erst aus, wenn sie groß genug sind, um zu erkennen, welche Knospen tragen und welche nicht.

Gurke

Bei der Gurke kann ein Ausgeizen noch mehr Vorteile haben, als nur eine Verbesserung des Ertrages. Wenn Sie junge Triebe im unteren Bereich ausgeizen, verhindern Sie, dass die jungen Früchte in der Erde liegen. Es lohnt sich also, in diesem Bereich bis zu einer Höhe von etwa einem halben Meter die Seitentriebe auszugeizen. Achten Sie beim Ausgeizen jedoch darauf, dass der Haupttrieb nicht beschädigt wird.

Text: Gartenjournal.net

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