Alten Pflaumenbaum zurückschneiden

Pflaume2019

Sämling
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Hallo,

ich habe von meinem Vormieter einen alten Pflaumenbaum geeerbt an dem schon lange nichts gemacht wurde:

  • Der Baum ist sehr hoch. Selbst mit Leiter + Teleskop kann ich viele Bereich nicht abernten.
  • Gerade im oberen Bereich sind die Äste mehrfach überwachsen und es gibt viel Totholz
  • Die unteren Äste sind sehr lang, kahl und haben nur am Ende Verzweigungen, die aber wenig Früchte tragen.

Ich frage mich nun, wie ich den Baum am besten verjünge, so dass er wieder kompakter (Durchmesser und Höhe) ist und gerade unten neues Fruchtholz bildet. Wobei mir Aussehen genauso wichtig ist, wie Ertrag. Ich habe dazu folgendes gemacht:

  • Totes Holz - soweit ich dran gekommen bin - rausgeschnitten
  • Die Krone ausgelichtet
  • Im März einen großen Ast aus der Krone genommen und jetzt (Ende Juli) nochmal einen.

Meine Hoffnung: Wenn mehr Licht in den unteren Bereich kommt, bilden sich an den kahlen Seitenästen neue Triebe und wenn diese ausreichend stark sind, kann ich dann die Seitenäste auf diese neuen Triebe verkürzen.

Dazu habe ich nun zwei Fragen:
  1. Ist das vom Vorgehen so richtig? Oder sollte man es anders angehen?
  2. Ist es gut, die Verjüngung derart schrittweise anzugehen oder sollte man den Baum lieber radikal stutzen und neu austreiben lassen, z.B. gibt es noch einen großen, hohen Ast in der Krone mit ca. 15 cm Durchmesser. Sollte man den gleich abschneiden, damit mehr Licht nach unten kommt oder lieber erst, wenn ein neuer Trieb ausreichend stark ist, so dass der Baum nicht so gerupft aussieht? Oder ist das einfach Geschmacksache?

Gruß
Albrecht
 

Tiogo

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Hallo Albrecht,

Totes Holz kann ohne weiteres jetzt und sofort entfernt werden,
einen Pflegeschnitt kann man ganzjährig und Stück für Stück durchführen. Soll der Baum aber verjüngt werden wird er im Frühjahr geschnitten, sobald keine starken Fröste mehr zu erwarten sind der Baum aber noch nicht austreibt. Setzt dann mit der zunehmenden Tageslichtdauer und der Wärme das Wachstum ein treibt der Baum kräftig junges Holz.
Bei der Pflaume muß man beachten, daß sie einen starken Rückschnitt nur schwer verkraftet. Nimmt man größere Äste raus, sollte die entstandene Wunde max. halb so groß sein, wie der tragende Ast stark ist. Bei größeren Wunde wird empfohlen einen Stummel von ca. 15cm stehen zu lassen und diesen erst im darauffolgenden Jahr abzusägen. Zu starken Rückschnitt quittiert ein Baum zudem mit unzähligen Wasserschossern, wozu die Pflaume ohnehin neigt.
Beim Pflaumenbaum ist ein Ableiten auf eine außenstehende Knospe nicht immer sinnvoll. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, daß die Pflaume (und ihre Vettern) an Holz im 45 °- Winkel nach oben am besten fruchten. Neigt sich der Ast schon sehr nach außen also ruhig auch mal die Innere Knospe als neue Spitze stehen lassen oder direkt auf einen entsprechenden Ast ableiten.
Eine Höhenbegrenzung würde ich nicht vornehmen. Ein Baum versucht immer seine genetisch vorgegebene Höhe zu erreichen und die früheren Sorten wurden halt nun mal sehr groß. Lediglich die überhängende Spitze (bei Erreichen der Endhöhe neigt sich die Spitze zur Seite) immer wieder auf eine senkrechte Knospe/Ast ableiten. Sofern man diese/n noch erreicht. Will man den Baum trotzdem kürzen, diesen Schnitt im Sommer durchführen um ein zu starkes Nachtreiben zu vermeiden.
Kommt man weder mit Leiter noch Teleskopstange bei wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als in den Baum zu steigen (Sichern!) und die Krone von innen aus zu lichten.

Wenn mehr Licht in den unteren Bereich kommt, bilden sich an den kahlen Seitenästen neue Triebe
Durch mehr Licht bilden sich zwar bessere Früchte aber keine neuen Fruchtäste. Neues kräftiges Holz bildet sich nur wenn im Frühjahr durch den Druck aus der Wurzel wieder Wasser und Nährstoffe in den Baum gepresst werden. Dazu muß der Baum vor Austrieb komplett geschnitten werden. Bei teilweisem Schnitt werden die ungeschnittenen Äste bevorzugt versorgt.
So ganz grob:
Schnitt im Sommer beruhigt den Baum im Wuchs
Schnitt im zeitigen Frühjahr treibt den Baum im Wuchs

einen lieben Gruß
Tiogo
 

Pflaume2019

Sämling
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Hallo Tiogo,

vielen Dank für die ausführliche und sehr hilfreiche Antwort. Dann werde ich im nächsten Frühjahr nochmal einen Rückschnitt vornehmen - allerdings was die dicken Äste angeht etwas weniger radikal als ursprünglich vorgesehen.

Viele Grüße
Albrecht
 

Stachelbär

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Hallo Tiogo,

vielen Dank für die ausführliche und sehr hilfreiche Antwort. Dann werde ich im nächsten Frühjahr nochmal einen Rückschnitt vornehmen - allerdings was die dicken Äste angeht etwas weniger radikal als ursprünglich vorgesehen.

Viele Grüße
Albrecht
Pflaume/Zwetschke braucht immer eine Terminale, die den gewaltigen Saftdruck im Frühjahr aufnimmt, sonst gibt es zuviel Wasserschosse in den anderen Kronenbereichen.
Diese Obstbäume sind neben Quitte, Apfel CoxOrange und Apfel Boskoop am schwierigsten zu schneiden.

Suchwort: Obstbaumschnitt
 
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LilliaBella

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Stachelbär,

muss man eigentlich die Quitten, Sorte portugieser Birnen Quitte, zwingend schneiden in denn ersten Jahren ?
 

Stachelbär

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Stachelbär,

muss man eigentlich die Quitten, Sorte portugieser Birnen Quitte, zwingend schneiden in denn ersten Jahren ?
Nein auf keinen Fall ! Erst muss sich der Längenwuchs beruhigen, sonst fördere ich die Wasserschossen-Bildung.
Würde maximal nach dem Johannistrieb 1/3 bis 1/2 der Neutriebe entfernen.
Hängt auch immer vom jeweiligen Baum ab... im Zweifel Fotos...
 

Tiogo

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Hallo Stachelbär,
ich nutze manchmal die Wasserschoßbildung bewußt aus. Durch den anschließenden Juniriß wird dann aussortiert und einzelne Wasserschosser durch Flachstellen zu Fruchtholz erzogen, so es nötig sein sollte.
Bei besonders triebigen Bäumen - ich hab so eine Apfelquitte- bietet sich der Sommerschnitt an, um übermäßig Wasserschosser zu verhindern.
Und wie erziehst du den Baum, wenn du ihn die ersten Jahre nicht schneidest?
 

Stachelbär

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Hallo Stachelbär,
ich nutze manchmal die Wasserschoßbildung bewußt aus. Durch den anschließenden Juniriß wird dann aussortiert und einzelne Wasserschosser durch Flachstellen zu Fruchtholz erzogen, so es nötig sein sollte.
Bei besonders triebigen Bäumen - ich hab so eine Apfelquitte- bietet sich der Sommerschnitt an, um übermäßig Wasserschosser zu verhindern.
Und wie erziehst du den Baum, wenn du ihn die ersten Jahre nicht schneidest?
Hi Tiogo,
ja das mach ich auch.
Muss halt immer von Baum zu Baum entschieden werden, hängt auch von der Menge der Schosse ab und wie alt der Baum ist.
Bei einem jungen Baum habe ich erstmal mit dem Erziehungs-Schnitt auf einen guten Kronenaufbau gesetzt. Es bedarf ein wenig Geduld, um sich den Baum nicht, mit zu frühem Fruchtertrag, zu "ruinieren", gibt ja einige Beispiele (Kleiderständer) hier im Forum.
Ab 40/45° Schräglage der Wasserschosse staut und verlangsamt sich der Saftfluss an den Blattknospen, es wird vermehrt Stärke und Zucker angelagert, was zur Fruchtknospen-Bildung anregt.
Diese Schräglage ist über Runterbinden, Astgewichten oder Verdrehen zu erreichen.
Das Verdrehen funktioniert am besten Ende April & Mai, wenn die Triebe am saftigsten sind. Dazu bedarf es einen festen Zugriff.
Ich nehme den Trieb mit beiden Händen (keine Rücksicht auf Blätter) und verdrehe diesen in seiner Längachse - so wie beim Ausfringen eines nassen Lappens - Es ist gut hörbar, wie der Trieb im Inneren der Länge nach reisst - Je nach Trieblänge und Festigkeit mach ich das 2-4 mal am Trieb - Dadurch wird er weich und lässt sich bleibend schräg biegen.
Wende ich diese Technik erst im July an und der Trieb ist schon zu verholzt, kann dieser anschliesend brechen :22x22-emoji-u1f62e:


Suchwort: Obstbaumschnitt
 
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